Ärzte Zeitung, 10.09.2008

E-Card: Meinungen prallen aufeinander

KV Hamburg hält das Datensammeln für gefährlich / Auch Befürworter sehen noch Informationsbedarf

HAMBURG/KIEL (di). Unterschiedlicher hätten die Bewertungen zur E-Card nicht sein können: Während Ärztevertreter in Hamburg weiter vor der Karte warnten, kam ein optimistischer Ausblick aus Kiel.

E-Card: Meinungen prallen aufeinander

E-Card: Meinungen prallen aufeinander.

Foto: DAK

"Ängste und Irrationales werden sich verflüchtigen", zeigte sich Nordrheins KV-Chef Dr. Leonhard Hansen auf der eHealth Conference in Kiel zuversichtlich. Er sieht die E-Card an einem "point of no return": "Die Karte kommt."

Ganz andere Töne waren im Hamburger Ärztehaus zu hören. KV-Chef Dieter Bollmann warnte zusammen mit der Apothekerkammer, beiden zahnärztlichen Körperschaften sowie der Aktion "Stoppt die E-Card" vor deren Einführung. Grund: Noch immer sei die Gefahr nicht beseitigt, dass Patienteninformationen in falsche Hände gelangen.

"Wenn ein kranker Mensch damit rechnen muss, dass in Zukunft nicht nur sein Arzt oder Psychotherapeut über seine Beschwerden unterrichtet sein kann, sondern im ärgsten Fall auch der Nachbar oder der Arbeitgeber, wird er die für einen Behandlungserfolg notwendige Offenheit dem Arzt gegenüber nicht zeigen können", sagte Bollmann.

Sind die Patienten für oder gegen die E-Card?

Nach Ansicht von Allgemeinärztin Dr. Silke Lüder sind viele Menschen dagegen, dass ihre Krankheitsdaten außerhalb der "Arztpraxis ihres Vertrauens" gespeichert werden. Sie hält geänderte Zugriffsrechte auf die Daten durch eine einfache Gesetzesänderung in Deutschland für möglich und verwies auf 350 000 Unterschriften des Aktionsbündnisses gegen die E-Card.

Die Befürworter auf der Kieler Konferenz hingegen verwiesen auf Umfragen, wonach 70 Prozent der gesetzlich Versicherten die Einführung befürworten. "Es besteht allerdings weiterer Informationsbedarf", sagte die Geschäftsführerin der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung, Dr. Sibylle Angele.

Diesen sieht auch Schleswig-Holsteins Kammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann, der bei einer schrittweisen Einführung an die ärztlichen Forderungen an die neue Karte erinnerte - nachvollziehbar, Nutzen bringend und bedienerfreundlich. Um Ärzte von dem Projekt zu überzeugen, dürfe ihnen der Praxisalltag bei der Einführung nicht erschwert werden. Trotzdem werde es eine Gruppe von Ärzten geben, die grundsätzlich gegen die Karte sind.

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