Ärzte Zeitung, 29.07.2014

Interoperabilität

Systembrüche bremsen E-Health

In der E-Health-basierten Patientenversorgung gibt es noch viele Schwachstellen. Dies zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums. Vor allem müssen die unterschiedlichen Systeme zusammenarbeiten können.

Von Matthias Wallenfels

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Vernetzt bis in den letzten Winkel - ein Vorbild für E-Health-Protagonisten? Entscheidend dürfte das Sicherheitskonzept sein.

© ag visuell/fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Eine sektorenübergreifende, interoperabel ausgerichtete, vernetzte Informations- und Kommunikationstechnik könnte die Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen stark verbessern.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung BearingPoint, unterstützt von Experten des Fraunhofer Instituts für Offene Kommunikationssysteme. Auftraggeber war das Bundesgesundheitsministerium.

Voraussetzung dafür, mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit zu erreichen, sei, dass alle an der Gesundheitsversorgung beteiligten Organisationen und Personen frühzeitig und koordiniert zusammenarbeiten. Und zwar mit dem Ziel, Patienten über die heutigen Schnittstellen von ambulanter und stationärer Versorgung hinweg bis zur Rehabilitation und Pflege sektorübergreifend zu betreuen.

Das Schnittstellen-Management wie bei der Entlassung von Patienten nach Klinikaufenthalten hat allerdings laut Studie erhebliche Schwachstellen, da Informationen oft nicht richtig bzw. unvollständig übermittelt werden. Das wirke sich direkt negativ auf die Patientenversorgung aus.

"Die Kommunikationsdefizite korrelieren zudem mit einer rasanten Veränderung der Krankheitsbilder wie einer Zunahme von Multimorbidität, die vor allem durch die Alterung der Gesellschaft entsteht", analysiert Dr. Harald Deutsch, Partner bei BearingPoint.

Seine Conclusio lautet deshalb: "Telemedizinische Angebote müssen sehr schnell ausgebaut werden, um die Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten."

Für die Studie wurden nach Angaben von BearingPoint Rahmenbedingungen und Organisationen in Deutschland und internationale Initiativen zur Interoperabilität untersucht und mehr als 50 Organisationen im deutschen Gesundheitswesen einschließlich Fachgesellschaften für Interoperabilität sowie Patientenvertreter befragt.

Bislang, so lautet ein Ergebnis, würden Informations- und Kommunikationssysteme oftmals nur innerhalb eines Sektors betrachtet. Die IT-Unterstützung über Organisationseinheiten hinweg werde hingegen nur begrenzt verfolgt.

Ruf nach klaren Versorgungszielen

Zudem herrsche eine Systemvielfalt in Arztpraxen, (Reha-)Kliniken, Apotheken und Pflegeheimen, deren Potenzial zur Vernetzung nicht annähernd ausgeschöpft sei. Insellösungen stehen demnach im Vordergrund.

Für den Ausbau und die Sicherung der Qualität im Gesundheitswesen sei eine auf Behandlungsprozesse ausgerichtete Nutzung von IT und Kommunikationstechnik unabdingbar. Erfolgsentscheidend sei, neue Technik so in die Behandlungsprozesse zu integrieren, dass sie die Bedürfnisse der Leistungserbringer und Patienten erfüllen.

"Um eine sinnvolle Umsetzung sicherzustellen, müssen Ziele und Richtung aus Sicht der Versorgung vorgegeben werden, nicht aus Sicht der IT", fordert Stephan Weber, Partner bei BearingPoint.

Wie sich die schwarz-rote Koalition vorgenommen hat, sollen Hindernisse beim Datenaustausch und Schnittstellenprobleme beseitigt und der Wettbewerb zwischen IT-Anbietern gefördert werden. Bestehende Hürden der Interoperabilität gelte es abzubauen.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, wie dies erreicht werden kann. So sollten zukünftig klare Versorgungsziele und -prozesse formuliert werden, um eine bessere Orientierung bei E-Health-Fragestellungen zu geben.

Zudem empfehlen die Studienautoren, für neue Ablauf- und Entscheidungsprozesse zu definieren, welche Standards sich bei der Entwicklung von E-Health-Anwendungen bewährt haben. Mehr Interoperabilität im Gesundheitswesen solle durch eine Expertenkommission mit festgelegten Entscheidungskompetenzen erreicht werden.

Der neue E-Health-Rat soll demnach bei der gematik, und damit bei der Betreibergesellschaft der elektronischen Gesundheitskarte, angesiedelt werden.

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