Ärzte Zeitung, 10.12.2014

E-Card

Patientenschützer fordern mehr Funktionen

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit fordert in einem Positionspapier die zeitnahe Einführung der voll funktionsfähigen elektronischen Gesundheitskarte.

Von Matthias Wallenfels

BERLIN. Im Notfall rettet der schnelle Zugriff auf Patientendaten und medizinische Informationen zur Person Leben. Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) für gesetzlich Versicherte könnte das leisten. Davon ist zumindest das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) überzeugt.

Das APS bemängelt in einem aktuellen Positionspapier zur praktischen Umsetzung der elektronischen Gesundheitskarte, dass deren Einführung sich noch immer verzögert und betont, dass dies zentrale Aspekte der Patientensicherheit einschränke.

Das APS ruft deshalb alle Beteiligten dazu auf, nicht Eigeninteressen in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die der Patienten und daran mitzuwirken, das Projekt der eGK zeitnah gemeinsam umzusetzen.

Rund 97 Prozent der 70 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland haben laut APS mittlerweile die eGK. Doch viel könne die Karte auch nach elf Jahren nationalen eGK-Projekts nicht leisten: Die einzige Neuerung im Vergleich zum Vorläufermodell sei das Passbild.

 "Widerstand und Partikularinteressen verschiedener Gruppen, aber auch Planungsprobleme und ungeklärte Datenschutzfragen haben eine, im Sinne der Patientensicherheit erweiterte, eGK-Nutzung bis heute verhindert", schätzt APS-Vorsitzende Hedwig François-Kettner.

Ginge es nach dem APS, wären Notfalldaten, Medikationspläne, Rezepte, Arztbriefe und Untersuchungsbefunde heute längst auf oder über die Karte verfügbar.

"Ärzte könnten damit rasch Informationen über Allergien, wichtige Medikamente oder etwa einen Herzschrittmacher erhalten, aber auch belastende und teure Doppeluntersuchungen vermeiden", erläutert die ehemalige Pflegedirektorin der Charité, Universitätsmedizin Berlin.

Das APS begrüßt das E-HealthGesetz, das die Bundesregierung noch in diesem Jahr auf den Weg bringen möchte (wir berichteten). "Eine erweiterte Gesundheitskarte ist ganz im Sinne eines patientenorientierten und zukunftsweisenden Gesundheitssystems", erläutert der Arzt Professor Hartmut Siebert, stellvertretender Vorsitzender des APS.

Nun gehe es darum, die nötige Infrastruktur schnell aufzubauen und verfügbar zu machen. Dabei gelte es, Parallel- und Insellösungen unbedingt zu vermeiden, ergänzt er: "Vielmehr benötigen wir einheitliche Standards zur sektorenübergreifenden Nutzung."

Die Sicherheit personenbezogener Daten dürfe jedoch zu keiner Zeit infrage stehen, so das APS. Wesentlich sei zudem, Patienten als wichtigste Interessengruppe in die Gestaltung der eGK partnerschaftlich einzubinden und ausreichend zu informieren.

"Sie nutzen die Lösungen nicht nur, sie bezahlen sie mit ihren Kassenbeiträgen auch", so François-Kettner.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Diabetes-Risiken sind alarmierend häufig

Mehr als 21.000 Passanten in Einkaufszentren haben in den vergangenen zehn Jahren bei der Aktion "Gesünder unter 7" ihr Diabetes-Risiko abklären lassen. Die Ergebnisse sind dramatisch. mehr »

"Man schafft viel"

Anja Junker ist "Ärztin ohne Grenzen": Vier Einsätze in Afrika und Südamerika hat die 43-Jährige für die Organisation absolviert. Manche brachten sie an die Grenze der Erschöpfung. mehr »

Lösung für Hygienemuffel

Ärzte in Kliniken sind anscheinend oft größere Hygienemuffel als ihre Patienten. Denn sie desinfizieren sich seltener die Hände – gerade in sensiblen Bereichen. mehr »