Ärzte Zeitung online, 26.08.2015

Medikationsplan

Hausärzte als Lotsen

Hausärzte sollen nach Auffassung ihres Verbandes die treibenden Akteure beim Arzneimanagement werden. Dabei sind IT-Lösungen ausdrücklich gewünscht.

BERLIN. "Der Hausarzt ist der einzige, der einen seriösen Überblick über sämtliche Arzneimittelverschreibungen haben kann, denn bei ihm laufen sämtliche Befunde zusammen", sagt Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes.

Der Verband fordert daher, dass die Hausärzte die zentralen Akteure beim Medikationsmanagement, auf das die Patienten nach dem E-Health-Gesetz einen festen Anspruch haben, werden. Denn im E-Health-Gesetz ist der Medikationsplan ab drei verordneten Arzneien festgeschrieben.

Hausarzt kennt Patient am besten

Weil der Hausarzt seine Patienten "am besten" kennt, ist es laut Weigeldt für die Sicherheit der Patienten "zwingend notwendig, dass das Medikationsmanagement bei den Hausärztinnen und Hausärzten liegt". Eine Zusammenarbeit mit Apothekern, Fachärzten und Kliniken sei notwendig und sinnvoll.

Eine Verteilung der Kompetenzen auf viele Schultern führe aber nicht zu mehr Sicherheit bei der Verschreibung von Medikamenten, sondern vielmehr zu fehleranfälligen Schnittstellen, erklärt Weigeldt.

"Wenn von einzelnen Vertretern die Schweiz als Vorbild angeführt wird, wo Apotheker angeblich auch ohne Hausärzte zurechtkommen würden, dann sollte man gleichzeitig nicht vergessen, dass in weiten Teilen der Schweiz Hausärztinnen und Hausärzte das Dispensierrecht haben." Dies reduziere die Schnittstellen.

Die Apotheker hatten mehrfach gefordert, ebenfalls eine tragende Rolle im Arzneimanagement zu erhalten (wir berichteten). Insbesondere beim Risiko- und Wechselwirkungscheck sehen sie Nachbesserungsbedarf und wollen beteiligt werden.

Gegen eine Mitwirkung stellt sich der Hausärzteverband aber auch nicht, er will nur nicht die Lotsenfunktion in anderen Händen sehen. Echte Chancen sieht der Verband zudem in EDV-Lösungen: IT-Anwendungen müssten zukünftig noch mehr genutzt werden, um die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) zu steigern, so Weigeldt.

Der Verband hat für seine hausarztzentrierten Versorgungsverträge (HZV) bereits selbst erste AMTS-Module entwickelt und im Einsatz. (reh)

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