Ärzte Zeitung, 07.09.2016

Medikationsplan

Wie fit ist Ihre Praxis?

Ab Oktober haben Patienten Anspruch auf einen Medikationsplan. Die Praxen rüsten sich bereits für die neue Pflicht. Heute ist Ihre Meinung zum Plan gefragt: Machen Sie mit bei unserer Umfrage!

Von Rebekka Höhl

Wie fit ist Ihre Praxis?

Bald kommt das Patientenrecht auf einen Medikationsplan: Wie gut ist Ihre Praxis vorbereitet?

© Kzenon / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Der Countdown läuft: In gerade einmal dreieinhalb Wochen sollen die Praxen fit für den neuen bundeseinheitlichen Medikationsplan sein. So zumindest sieht es der Zeitplan aus dem E-Health-Gesetz für die erste Mehrwertanwendung der Gesundheitskarte im Sinne der Patienten vor.

Dass der Plan zunächst nur in Papierform kommt, ändert nichts daran, dass die Praxen ihre EDV aufrüsten müssen.

Quartalsupdate soll's richten

Dreh- und Angelpunkt ist die Praxissoftware. Spätestens mit dem Update fürs vierte Quartal sollte der bundeseinheitliche Medikationsplan in die Praxisverwaltungssysteme (PVS) integriert werden.

Dabei müssen all jene Anbieter, die von der KBV zertifiziert sind, eine Übernahme der im PVS gespeicherten Daten zur Medikation eines Patienten in den Medikationsplan ermöglichen. Das Erstellen und Aktualisieren des Plans kann damit direkt aus der Software heraus und unabhängig von der Ausstellung eines Rezeptes erfolgen.

Sinnvoll wäre es zudem, in einen Barcode-Scanner und einen Drucker mit guter Auflösung zu investieren. Denn der neue Medikationsplan enthält einen zweidimensionalen Barcode, über den sich automatisch alle Daten des Plans in die Praxissoftware einlesen lassen.

Mit oder ohne Scanner?

Wer auf den Barcode-Scanner (für zweidimensionale Codes) verzichtet, muss die Daten aus dem Medikationsplan per Hand eintippen. Der Barcode setzt zudem eine gewisse Druckqualität voraus, damit er in der nächsten Praxis tatsächlich fehlerlos eingelesen werden kann.

Die KBV empfiehlt hierfür einen Laserdrucker mit einer Auflösung von 300 dpi. Technisch liefern aber auch hochauflösende Tintenstrahldrucker mit speziellen Bürofarbpigmenten schmierfreie Druckergebnisse.

Neben der Technik bedeutet der bundeseinheitliche Plan aber vor allem eine inhaltliche Umstellung - schließlich nutzen viele Praxen bereits über ihre Software individuelle Arzneipläne. Sind diese nun komplett hinfällig? Generell sind folgende Punkt beim Medikationsplan, der ab Oktober gilt, zu beachten:

Wer ist anspruchsberechtigt? - Nach dem E-Health-Gesetz steht der Medikationsplan Patienten zu, die drei oder mehr verordnete Arzneimittel anwenden.

Wer pflegt den Plan? - Für Vertragsärzte besteht generell die Pflicht, sich an der Pflege des Medikationsplans zu beteiligen. Erstausstellender Arzt dürfte in der Regel der Hausarzt sein.

Was gehört in den Plan? - Arzneimittel, die dem Patienten verordnet worden sind, ebenso wie Arzneimittel, die er ohne Verschreibung anwendet. Das heißt, der Arzt muss den Patienten aktiv nach selbst gekauften Medikamenten fragen. Der Plan enthält zudem Hinweise zur Anwendung, Wirkstoffname und - soweit relevant - auch angewandte Medizinprodukte.

Wie sieht das Haftungsrisiko aus? - Das ist noch nicht eindeutig geklärt. Aber der Plan enthält laut KBV einen Hinweis, dass Vollständigkeit und Aktualität nicht gewährleistet sind. Eben weil der Arzt nicht alle selbst gekauften Arzneimittel des Patienten ohne dessen Mithilfe kennen kann. Und weil der Patient die Möglichkeit hat, einzelne Arzneimittel bewusst nicht auf dem Plan eintragen zu lassen.

Dürfen Spezialpläne für bestimmte Patienten - etwa Marcumar oder Insulin-Patienten - weiter verwendet werden? - Auch hier stellt die KBV klar, dass der Medikationsplan vor allem als Überblick für die Gesamtmedikation gedacht ist. Daher könne er mitunter nicht alle Spezialszenarien abbilden. Laut KBV ist es daher durchaus sinnvoll, den ein oder anderen Spezialplan weiterhin zu nutzen und auf dem Medikationsplan statt der Dosierungsanweisung dann einen Hinweis auf den Spezialplan einzupflegen.

Wie geht man mit Hinweisen zur Einnahmezeit oder -dauer um? - Eines der wichtigsten Felder auf dem Medikationsplan dürften für Ärzte die "Hinweise" werden. Dieses Feld können sie frei beschriften. Damit lassen sich dort Infos zum Einnahmezeitraum (z.B. 7 Tage einnehmen) oder zur Einnahmeart (z.B. eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten) unterbringen.

Ihre Meinung zählt!

Viele Fragen werden sich sicher erst bei der Anwendung im Praxisalltag ergeben. Daher interessiert uns Ihre Meinung: Wie sinnvoll ist der bundeseinheitliche Medikationsplan? Welcher Aufwand kommt auf die Praxen zu? Und wie gut sind Sie technisch gerüstet?

Machen Sie mit bei der Leserumfrage von Springer Medizin und CompuGroup Medical (CGM). Füllen Sie dafür einfach den beiliegenden Fragebogen aus oder nehmen sie online teil unter www.aerztezeitung.de/medikationsplan/.

Unter allen Teilnehmern verlosen wir ein BOSE Wireless Headphone im Wert von rund 350 Euro sowie weitere spannende Preise.

[18.09.2016, 20:56:01]
Dr. Henning Fischer 
noch 2 Wochen bis zum aufgezwungenen Mediplan - und noch KEINERLEI Information zur Vergütung

übliche KBV-Sauerei!

BÄK und KBV im Wettsteit um die arztfeindlichste "Selbstverwaltung" zum Beitrag »
[18.09.2016, 15:04:20]
Thomas Georg Schätzler 
Ihren Kommentar, Frau Gabriela Aures,
und Ihr Ärzte-Bashing können Sie sich schenken. Darum geht es mir doch gar nicht! Auf meinen Rezepten stehen seit Praxisgründung immer Dosierungsanweisungen. Und Fehler kommen bei Apothekern u n d Ärzten vor. Aber auch Apotheken-Organisationen haben sich nie gegen diesen Unfug gewehrt: "Patient kommt mit meinem/seinem Rezept in die Apotheke, erhält Medikament, kommt raus - Rezept weg!"

Das erinnert sehr stark an: "Geht ein Cowboy zum Friseur, kommt raus - Pony weg!"

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[18.09.2016, 11:49:49]
Gabriela Aures 
Rezeptklau
Sehr geehrter Herr Dr. Schätzler,

der organisierte "Rezeptklau" der Apotheken beschäftigt Sie ja sehr ;-)

1. Die Apotheken sammeln die Rezepte nicht aus Neugier, sondern sie sind die "Abrechnungsunterlagen" für die Erstattung der Medikamente durch die Krankenkassen.
2. SOFERN die Praxen die Dosierung auf dem Rezept angeben, wird sie i.d.R. auch in der Apotheke übertragen - dann fallen uns auch manchmal kleine Fehler auf: Kapseln sind verschrieben, Dosierungsangabe : 2x 1/2 .
Wir ApothekerInnen wären mehr als glücklich, wenn die Dosierung verpflichtend auf den Rezepten stünde - dagegen haben sich die Ärzte aber erfolgreich gewehrt.
3. " tagesaktuelle Medikamenten-Höchstrabatte" : es gibt die von den Krankenkassen mit den Herstellern ausgehandelten Rabattverträge - und allein danach richtet sich die Abgabe der Apotheken. Viele Ärzte scheuen das "aut idem" Kreuz wie der Teufel das Weihwasser -
Stichwort: Verarmung durch Regresse und Budgetüberschreitung
Dann bekommt der Patient hat nicht mehr das jahrelang gewohnte "Glibenclamid 3,5 AL" sondern das Präparat
"Maninil 3,5" - da nutzt auch die potentielle Mitgabe des Rezeptes nichts, denn Verordnung und Abgabe sind phonetisch nicht logisch verknüpft.
4. "Sonder-PZN" : Die Apotheken können sog. Sonder-PZNs aufdrucken - wenn eben oben genannter Austausch dazuführen würde, daß der Patient seine Zuckertabletten mit dem neuen Namen nicht mehr "zuordnen" kann.
Und hierbei begeben sich die APOTHEKEN in Gefahr, von den Krankenkassen das abgegeben Präparat ÜBERHAUPT nicht bezahlt zu bekommen .
5. Statt den Apotheken permanent den "Rezept-Klau" zu unterstellen, gibt es zwei Möglichkeiten der Problemlösung:
a) Nur noch Privatrezepte ausstellen - der Patient zahlt bar komplett in der Apotheke , nimmt sein Rezept mit und rechnet selber mit seiner Versicherung ab - und bekommt ( wie die Apotheken) Mitte des Folgemonats seine Kosten erstattet.
b) jede Verschreibung wird dem Patienten in doppelter Ausführung ausgehändigt : einmal zum Einlösen in der Apotheke, einmal zum "Überprüfen" zuhause. Ob - siehe obigen Beispiel- das aber mehr Patientensicherheit verschafft, würde ich nicht unterschreiben. zum Beitrag »
[07.09.2016, 09:41:30]
Lilia Renner 
Übertrieben
Wie immer übertrieben, unpraktisch , wieder so nicht umsetzbar, die Andere verdienen dabei, wieder ist man angreifbar- macht kein Spaß!!!
Ich arbeite schon ganze Zeit mit Med. Plänen - und war sehr gut.
 zum Beitrag »
[07.09.2016, 08:53:55]
Thomas Georg Schätzler 
“Medikations-Destabilisations-Management” (MDM)?
Notwendige Vorbemerkung:
Seit meiner hausärztlichen Praxisgründung in der Dortmunder City 1992 habe ich Medikationspläne in Gebrauch, elektronisch gespeichert und ausgedruckt seit 1995 bis zum heutigen Praxistag.

Persönlicher Hinweis:
Für versorgungsferne und medizinbildungsfremde Politiker, Medien, Krankenkassen und Öffentlichkeit: Kein persönlich an den Patienten gerichtetes Rezept (Rp. ist die lateinische Abkürzung für recipe „nimm“) verlässt meine Praxis ohne die Signatur als Medikamenten-Einnahmevorschrift. Das ist der letzte Teil der Rezeptformulierung, die mit lat. signa („bezeichne“) aus M.D.S. (lat. misce, da, signa "mische, gib und bezeichne“, bzw. nur mit S. abgekürzt wird. Er nennt die Anzahl und Dauer der Anwendung des Arzneimittels und gegebenenfalls Anwendungshinweise.

Organisierter Rezepte-Klau!
Und noch immer wird unseren Patienten/-innen genau dieses GKV-Rezept der Vertragsärzte nach Muster 16 mit essenziellen Informationen für ihre Behandlung in den Apotheken, selbst im Zeitalter von online-Übertragung an EDV-Apotheken-Rechenzentren, einfach weggenommen. D a s, und nichts anderes, ist die eigentliche Ursache für die Notwendigkeit von Medikamentenplänen! Der Patient verlässt nach mehreren Arztbesuchen die Apotheke mit mehreren Pillenschachteln und rätselt zu Hause, wer aus verschiedene Fachrichtungen ihm das alles wohl verschrieben hat?

Arzneimittel-Therapiesicherheit?
Nach einem von der Initiative ARZNEIMITTEL THERAPIESICHERHEIT in Deutschland öffentlich verbreiteten Medikationsplan mit 7 verschiedenen Generika-Präparaten, einem hoffnungslos unterdosierten Antibiotikum (hoffentlich nicht bei einer Virusinfektion!) und einem niemals doppelblind bzw. im “head-to-head” Vergleich geprüften Gelomyrtol mit unsinnig-absurder 3×2 Dosierung wirft ein MEDIKATIONAPLAN zusätzliche formale und inhaltliche Probleme auf:
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/910704/medikationsplan-patient-redet.html

Sieben Generika pro Quartal...
morbiditäts- und leitliniengerecht bzw. evidenzbasiert für unsere GKV-Patienten verordnet, bedeuten je nach Marktlage bis zu a c h t u n d z w a n z i g verschiedene Verpackungen, Logos, Tabletten-Formen und -Farben, Herstellernamen oder Reimporte aus EU-Ländern in einem e i n z i g e n Behandlungsjahr. Denn die Apotheken müssen bei reiner Wirkstoffverordnung bzw. ohne “aut idem”-Kreuz i r g e n d e i n zu der Wirkstoffverordnung des Arztes halbwegs passendes Billig-Präparat heraussuchen, um ein fiktives Einsparpotenzial zu erreichen. Zugleich muss dann aber auch der Medikationsplan bis zu 28-mal im Jahr um- und neugeschrieben werden, weil jedesmal ein anderer, geheimer Rabattvertrag greift bzw. eine neue Hersteller-Bezeichnung auftaucht, weil die bisherige Pharma-Firma z. B. nicht weiter liefern kann.

Fragwürdige Einsparpotenziale
Auf der beratungs- und versorgungs-fernen pharmazeutischen Suche nach tagesaktuellen Medikamenten-Höchstrabatten ist dies nichts weiter als ein “Medikations-Destabilisations-Management” (MDM) mit erhöhten Arzneimittelrisiken durch Verringerung von Compliance und Adhärenz bei unseren Patientinnen und Patienten. Medikamente bzw. deren Umverpackungen und die verwirrenden Medikationspläne landen reihenweise im Haus-Müll, werden vorsorglich nicht eingenommen oder müssen kostentreibend mehrfach verordnet werden.

Patienten und Hausärzte wurden nicht gefragt!
Wie gut,dass die “Versorgungs-Experten” von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Bundesärztekammer (BÄK) und Deutschem Apothekerverband (DAV) darüber mit den versorgungsnahen Patienten und ihren Haus-Ärztinnen und -Ärzten gar nicht erst wirklich gesprochen haben?
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/910475/medikationsplan-aerzte-apotheker-einigen.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »
[07.09.2016, 08:02:25]
Carl Scherer 
neuer Medikationsplan ?



3 Wochen bis zum Start des neuen "Mediaktionsplans" .

Keinerlei Anweisungen , wie das Procedere laufen soll.

Keinerlei verbindliche Vorlagen zum Üben.

Keine Angaben von den Softwarehäusern, ob er überhaupt implementiert ist.



KEINERLEI ANGABEN , OB ÜBERHAUPT IRGENDEIN HONORAR DAFÜR VORGESEHEN IST !

wieder mal ein Skandal , das Ganze , eine Luftnummer wie diese ganze Regierung !
 zum Beitrag »

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