Ärzte Zeitung, 28.01.2010

Erste Großstudie zu Kosteneffizienz von Telemedizin läuft an

 Bund gibt 1,1 Millionen Euro Fördergeld / Gesetzliche Kassen beteiligen sich

BERLIN (gvg). Am Dienstag fiel in Berlin der Startschuss für die bislang größte Studie zum Einsatz von Telemedizin im deutschen Gesundheitswesen. Im Fokus des Interesses steht die Berechnung der Kosteneffizienz des Verfahrens.

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Rechnet es sich für die Kassen, wenn Patienten ihre Vitalparameter regelmäßig an Ärzte weiterleiten? Diese Frage soll beantwortet werden. © Philips Deutschland

An der Studie sollen über einen Zeitraum von 38 Monaten insgesamt 1000 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz teilnehmen. 500 dieser Patienten werden konventionell entsprechend den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie versorgt. Die anderen erhalten zusätzlich das Telemedizinsystem Motiva, das in Deutschland von den Unternehmen Philips und T-Systems vertrieben wird.

Beim Motiva-System übermitteln die Patienten einerseits regelmäßig Vitalparameter (Puls, Blutdruck, Körpergewicht) an die betreuenden Ärzte in den drei beteiligten Kliniken (Deutsches Herzzentrum Berlin, Vivantes Klinikum Neukölln, Rehaklinik am See Rüdersdorf). "Zusätzlich werden über den ganz normalen Wohnzimmerfernseher Informations- und Motivations-Videos eingespielt, um Lebensstil und Compliance positiv zu beeinflussen", betonte der medizinische Leiter der Studie, Professor Eckart Fleck vom DHZB. Wie in anderen Telemedizinstudien werden auch Hausärzte und niedergelassene Kardiologen in die Betreuung eingebunden.

An der CardioBBEAT genannten Studie sind von Kassenseite die DAK, die Barmer GEK und die Techniker Krankenkasse beteiligt. Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung kommen Fördermittel in Höhe von 1,1 Millionen Euro. Das zweite finanzielle Standbein sind Fördermittel von T-Systems und Philips.

Das Besondere an CardioBBEAT ist der explizit gesundheitsökonomische Fokus. Jeweils zwölf Monate lang erheben Wissenschaftlern des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth (IMG) sämtliche entstehenden Kosten. Sie wollen sehen, ob der finanzielle Aufwand für Hardware und telemedizinische Betreuung durch Einsparungen, zum Beispiel bei den Klinikaufenthalten, wettgemacht wird. "Es geht uns nicht primär darum, zu zeigen, dass Telemedizin wirksam ist. Das haben klinische Studien in der Vergangenheit schon gezeigt.

Wir wollen sehen, ob Telemedizin in der Gesetzlichen Krankenversicherung ökonomisch abbildbar ist", erläuterte Privatdozent Walter Wohlgemuth vom IMG. Dazu werden im Rahmen der Studie statistische Modelle entwickelt, die sich später auch auf andere Innovationen übertragen lassen, die von der GKV bezahlt werden sollen. Bisher wurden Telemedizinangebote der GKV meist im Rahmen der integrierten Versorgung finanziert. Den Durchbruch brachte diese Finanzierungsvariante aber nicht.

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