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Zwei Drittel aller Patienten wissen nichts von Telemedizin

Ärzte sollen über telemedizinische Anwendungen stärker aufklären. Das ist Konsequenz einer Umfrage unter 2000 Bürgern in Nordrhein-Westfalen.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Telemonitoring: Ärzte können Patienten aufklären, wie beispielsweise die gemessenen Daten des Herzschrittmachers in die Praxis kommen.

Telemonitoring: Ärzte können Patienten aufklären, wie beispielsweise die gemessenen Daten des Herzschrittmachers in die Praxis kommen.

© BIOTRONIK

KÖLN. Telemedizinische Geräte und ihre Einsatzmöglichkeiten im Patientenalltag sind noch nicht im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen. Gerade Ärzte können dazu noch viel Informationsarbeit leisten. Das zeigt der sechste nordrhein-westfälische Gesundheitssurvey des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit (LIGA NRW).

In den Survey wird jährlich eine Stichprobe von mindestens 2000 Einwohnern ab 18 Jahren einbezogen. In die jüngste Befragung wurde erstmals ein Modul mit elf Fragen zur Telemedizin einbezogen.

"Wir wollten den Wissensstand der Bevölkerung zu diesem Thema abfragen", sagt Dr. Claudia Terschüren von der Fachgruppe "Innovation in der Gesundheit" des LIGA.NRW.

In der Befragung gaben nur 37 Prozent an, dass sie telemedizinische Geräte kennen, der Mehrheit waren sie unbekannt. Ihnen erklärten die Interviewer, was Telemedizin ist und was sie leisten kann.

Nur zwei Prozent nutzten selbst ein Gerät. Rund die Hälfte derer, denen das Thema nicht unbekannt war, hatten über das Fernsehen oder Zeitschriften darüber erfahren. Bei noch nicht einmal 20 Prozent kamen die Informationen über telemedizinische Geräte vom Arzt.

Hier sieht Terschüren Handlungsbedarf. Gerade Ärzte könnten über die Möglichkeiten der Telemedizin viel Aufklärungsarbeit leisten. "Für viele Patienten mit chronischen Krankheiten ist das Thema von Interesse", sagt sie.

75 Prozent der Männer und 71 Prozent der Frauen, die bisher noch kein telemedizinisches Gerät genutzt haben, konnten sich vorstellen, im Krankheitsfall darauf zurückzugreifen.

Sie sahen wesentliche Vorteile darin, dass der Arzt durch die Datenübertragung eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes frühzeitig erkennen kann und die Patienten die Praxis seltener aufsuchen müssen. Eine geringere Rolle spielten für die Befragten die Möglichkeit der Selbstkontrolle und der Ansporn für einen gesünderen Lebensstil.

Bei Befragten, die auch im Krankheitsfall den Einsatz der Telemedizin ablehnten, lag das meist daran, dass dem Übersenden der Werte nicht sofort ein Gespräch mit dem Arzt folgt.

Die Telemedizin-Skeptiker wünschten sich eine direkte Rückmeldung, was die Werte für ihren Gesundheitszustand bedeuten. "Viele haben Angst, dass sie den Kontakt zum Arzt verlieren", sagt Terschüren.

Es müsse offensichtlich noch deutlicher kommuniziert werden, dass die telemedizinische Kontrolle die Behandlung durch den Arzt ergänzt, aber nicht ersetzt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Telemedizin bleibt Samaritersache

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