Ärzte Zeitung, 17.06.2011

Segeberger Kliniken und DAK starten das Projekt "Mein Herz"

In dem Telematik-Projekt "Mein Herz" werden Versicherte der DAK mit chronischer Herzschwäche telemedizinisch zu Hause überwacht. So sollen Klinikaufenthalte vermieden werden. Voraussetzung ist, dass die Patienten in den Segeberger Kliniken behandelt wurden.

Von Dirk Schnack

Segeberger Kliniken und DAK starten das Projekt "Mein Herz"

Telematik Projekt "Mein Herz": Kardiologen werden über Computer ihre Patienten betreuen.

© Klaro

KIEL. Die DAK im Norden bietet gemeinsam mit den Segeberger Kliniken ihren Versicherten die Teilnahme an dem Projekt "Mein Herz" an. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen zuvor stationär in den Segeberger Kliniken mit der Hauptdiagnose "Herzinsuffizienz" behandelt wurden und ihre Herzleistung um mindestens 55 Prozent reduziert ist.

"Bei chronischer Herzschwäche verunsichert jeder Schweißausbruch oder schnelle Pulsschlag", sagt Cord-Eric Lubinski. Der DAK-Vertragschef für Schleswig-Holstein kennt Betroffene, die zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen, obwohl dies gar nicht erforderlich wäre. Andere dagegen ignorieren Alarmsignale - mit fatalen Folgen für ihre Gesundheit.

"Unser neues Netzwerk erkennt die Risikofaktoren früher und verbessert so spürbar die Behandlungsqualität", sagt Lubinski über das Projekt, das für alle DAK-Versicherten freiwillig und kostenlos ist.

Im Zentrum des neuen Angebots steht ein täglicher Gesundheits-Check in den eigenen vier Wänden, durch den sich unnötige Arztbesuche und Wartezeiten verringern sollen. "Zusätzlich lernt der Patient dabei mehr über seine Erkrankung und zeigt nach unserer Erfahrung auch eine verbesserte Bereitschaft, die notwendigen Medikamente einzunehmen", sagt Professor Gert Richardt, Chefarzt für Kardiologie in Bad Segeberg.

Jeder Patient erhält ein elektronisches Blutdruckmessgerät, eine elektronische Waage und ein 12-Kanal EKG zur Verfügung gestellt. Die gemessenen Vitalparameter werden über den Telefonanschluss des Patienten direkt an das Telemedizinzentrum der Segeberger Kliniken weitergeleitet.  "Wenn wir bei der Auswertung sehen, dass es den Herzkranken schlechter geht, können wir sofort handeln. Hören sie nichts von uns, geht es ihnen gut. Diese Sicherheit bedeutet für die Patienten sehr viel und hilft ihnen, gesund zu werden", sagt Richardt.

Wenn ein Eingreifen erforderlich ist, muss der Patient nicht zwangsläufig in die Klinik. Zunächst wird geprüft, ob ein Arztbesuch in der Praxis erforderlich ist. Die Geräte werden in der Wohnung des Patienten durch Mitarbeiter des Telemedizinzentrums installiert und der Patient in die Anwendung eingewiesen.

Um die Compliance zu erhöhen, erhält der Patient einmal wöchentlich einen Anruf aus dem Telemedizinzentrum. "Allein das Gefühl, ständig unter ärztlicher Beobachtung zu stehen, gibt den kranken Menschen mehr Sicherheit und erhöht ihre Lebensqualität", meint Lubinski. Ziel sei es auch, durch die Früherkennung unnötige Klinikaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen. Aktuell gibt die DAK in Schleswig-Holstein jährlich mehr als drei Millionen Euro für die Behandlung ihrer Versicherten mit schwerer Herzschwäche aus.

Die Segeberger Kliniken sind davon überzeugt, die von ihnen erwarteten Kosteneinsparungen realisieren zu können. Das wirtschaftliche Risiko in der Anfangsphase trägt das Haus nach eigenen Angaben allein.

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