Ärzte Zeitung, 26.11.2012

Fortbildung

Ärzte in Telemedizin schulen

Telemedizinische Anwendungen werden für Ärzte immer wichtiger. Den richtigen Umgang damit müssen sie erlernen. Experten fordern deshalb, die Telemedizin in der ärztlichen Qualifikation zu verankern.

Von Eugenie Wulfert

Ärzte in Telemedizin schulen

Wie ist mit der neuen Technik bei einer telemedizinischen Anwendung umzugehen? Fragen wie diese stellen sich im Arbeitsalltag von Ärzten immer häufiger. Die Ausbildung berücksichtigt das noch nicht.

© Kurhan / fotolia.com

BERLIN. Die zunehmende Verbreitung der neuen telemedizinischen Versorgungskonzepte wirkt teilweise tief in ärztliche Versorgungsprozesse hinein.

Die Herausforderung besteht aber nicht nur darin, die Einsatzmöglichkeiten neuer Anwendungen zu kennen, sondern souverän und fehlerfrei mit ihnen im Arbeitsalltag umgehen zu können.

"Spezielle Anforderungen der Telemedizin müssen daher in der ärztlichen Qualifikation berücksichtigt werden", forderte Dr. Franz-Joseph Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telematik der Bundesärztekammer (BÄK) und Vorsitzender der LÄK Schleswig-Holstein, beim Telemedizinkongress in Berlin.

In einem ersten Schritt soll die Ärzteschaft durch Fortbildungsmaßnahmen für Anwendung telemedizinischer Methoden qualifiziert werden.

Auch juristische Kenntnisse wichtig

In welchen Themenbereichen eine Fortbildung notwendig ist, hat die Bundesärztekammer im Frühjahr 2012 in einem Workshop zusammen mit relevanten Fachgesellschaften und den Fortbildungsbeauftragten der Landesärztekammern erarbeitet.

Das Ergebnis: Durch das heterogene Anwendungsspektrum telemedizinischer Methoden dominieren gebietsspezifische Anforderungen. "Ein fachübergreifendes Fortbildungskonzept bietet sich nicht an", resümierte Bartmann.

Einen erheblichen zielgruppenspezifischen Qualifizierungsbedarf konstatierte auch Professor Hans-Joachim Meyer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. "Ärzte benötigen beim Einsatz von telemedizinischen Methoden in der Patientenversorgung spezielle Fähigkeiten und Kenntnisse", sagte er.

Dazu zählen seiner Ansicht nach nicht nur informationstechnisches Wissen, sondern auch spezielle kommunikative Fähigkeiten und juristische Kenntnisse in Fragen der Haftung, des Datenschutzes und des Berufsrechtes.

Insgesamt bezeichnete Bartmann die Maßnahmen der nationalen E-Health-Strategie als sinnvoll. "Sie werden auch in Zukunft intensiv von der Bundesärztekammer unterstützt", kündigte der BÄK-Experte an.

Denn die in der Strategie aufgestellte Ziele und Maßnahmen würden sowohl das "enorme Potenzial der Graswurzel-Telemedizin" als auch die Notwendigkeit der "Top-Down-Förderung, insbesondere der Infrastruktur" berücksichtigen.

Lösungsansätze bis 2013

Bartmann lobte in diesem Zusammenhang den Launch des Deutschen Telemedizin-Portals sowie das Vorhaben, Kriterien zu entwickeln, die bei der Entwicklung, Planung und Evaluation von Telemedizin-Projekten helfen sollen.

Er begrüßte auch die im Frühjahr in Auftrag gegebene Planungsstudie des Bundesgesundheitsministeriums, die für das Problemfeld Interoperabilität bis Mitte 2013 Lösungsansätze erarbeiten soll.

Dennoch nimmt die Telemedizin nach Ansicht von Bartmann auf der politischen Agenda noch nicht den Stellenwert ein, der ihr zusteht.

"Wünschenswert wäre von der Regierungsseite eine ähnlich hohe Priorisierung des Themas E-Health, wie derzeit etwa in den USA zu beobachten ist", sagte der Telemedizinexperte der Bundesärztekammer.

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