Ärzte Zeitung App, 10.03.2014

Telemedizin

Ärzte beklagen fehlende Abrechnungsmöglichkeit

Niedergelassene Ärzte glauben in der Mehrheit, dass Telemedizin die Effizienz des Gesundheitssystems steigern kann. Doch bisher fehlen noch Anreize, die neue Technik auch anzuwenden.

Von Hauke Gerlof

Ärzte beklagen fehlende Abrechnungsmöglichkeit

Die Fernüberwachung von chronisch kranken Patienten wird derzeit über den EBM noch nicht honoriert.

© Bosch Healthcare

NEU-ISENBURG. Ganz ohne Skepsis stehen niedergelassene Ärzte der Telemedizin nicht gegenüber. Die Möglichkeiten der neuen Technik werden zwar gesehen, aber bei Weitem nicht alle Ärzte halten eine unkritische Übernahme der Verfahren in die Regelversorgung für sinnvoll.

Vor allem aber wird die fehlende Möglichkeit, telemedizinische Anwendungen auch abzurechnen - außer bei wenigen Ausnahmen -, als Hinderungsgrund für eine Anwendung in der Breite angesehen.

Das zeigt der CGM Gesundheitsmonitor, eine repräsentative Online-Umfrage unter 445 niedergelassenen Ärzten, die im Auftrag des IT-Dienstleisters CompuGroup Medical in Kooperation mit der "Ärzte Zeitung" im Vorfeld der Computermesse CeBIT gemacht worden ist.

Vorbehalte der Ärzte

Die Skepsis gegenüber der Telemedizin zeigt sich vor allem an zwei Teilergebnissen der Umfrage: Zwar sagt die Mehrheit der niedergelassenen Ärzte (52 Prozent), dass sie der Aussage zustimmen ("voll" oder "eher"), dass "ein stärkerer Einsatz telemedizinischer Anwendungen die Effizienz des deutschen Gesundheitssystems steigern kann".

Doch eine große Gruppe von Ärzten - 41,5 Prozent - stimmen dieser Aussage nicht oder eher nicht zu, sie glauben also nicht oder zumindest nicht überall an die Effizienzverbesserung durch Telemedizin.

Zweifel zeigen sich auch im Umgang mit dem Fernbehandlungsverbot: Der Aussage "Das Fernbehandlungsverbot in der Berufsordnung ist obsolet und sollte aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten abgeschafft werden" stimmen lediglich 44,3 Prozent zu, 51,7 Prozent stimmen nicht zu.

Die Schutzfunktion des Fernbehandlungsverbots, die Patienten davor bewahren soll, dass sie telemedizinischen nur oberflächlich untersucht werden und dadurch schlechter versorgt werden könnten, wird offenbar weiterhin von vielen Ärzten für wichtig gehalten.

Jürgen Veit, stellvertretender Pressesprecher der CompuGroup Medical, zeigt sich verwundert über diese Skepsis, auch wenn er nachvollziehen kann, dass "Ärzte nicht leichtfertig von heute auf morgen die neue Technik anwenden".

Auf die Dauer, so glaubt er, "werden wir im Gesundheitswesen nicht um eine Änderung des Fernbehandlungsverbots herumkommen, wenn wir die Effizienzvorteile wollen - dies um so mehr, als die erforderliche Technik für eine sichere Online-Kommunikation vorhanden ist."

Eine weitere Ursache für die Zurückhaltung einer großen Gruppe von Ärzten in Sachen Telemedizin sieht Veit in den fehlenden Anreizen im Abrechnungssystem.

In der Tat glauben fast zwei Drittel der niedergelassenen Ärzte, dass "die fehlenden Abrechnungsmöglichkeiten sowohl im GKV-, als auch im PKV-Bereich einen stärkeren Einsatz telemedizinischer Anwendungen in Deutschland verhindern. Nur jeder vierte Umfrageteilnehmer stimmt dieser Aussage nicht zu.

Telemedizin-Ziffern sind ein Muss

Fast ebenso viele Ärzte (63 Prozent) sehen die Einführung eigener Leistungspositionen im EBM für telemedizinische Leistungen trotz aller Skepsis als notwendig an (stimme voll zu, stimme eher zu). Lediglich 30 Prozent der Umfrageteilnehmer stimmen dieser Aussage nicht oder eher nicht zu.

"Die eigenen Leistungspositionen im EBM sind elementar für die Akzeptanz der Telemedizin bei Ärzten", kommentiert Veit. Die Alternative wäre, "weiter die Pilotitis zu betreiben" - viele Pilotprojekte ohne die Mittel dahinter, eine sinnvolle Anwendung auch in die Breite zu bringen.

Sehr differenziert ist die Meinung der Ärzte, wenn es darum geht, konkrete telemedizinische Anwendungen zu beurteilen - abhängig offenbar auch von der aktuellen Studienlage, die noch nicht bei allen Indikationen befriedigend ist. So halten 64,5 Prozent der Umfrageteilnehmer die Fernüberwachung von Defibrillatoren und Herzschrittmachern für sinnvoll, 19 Prozent sehen das anders.

Bei Herzinsuffizienz wird ein Telemonitoring nur noch von 45 Prozent der Umfrageteilnehmer für sinnvoll gehalten, 22,5 Prozent enthalten sich der Stimme, 32,4 Prozent sind dagegen. Ähnlich sind die Werte auch beim Monitoring chronisch Kranker, zum Beispiel Diabetiker.

Und selbst zur Einführung elektronischer Fallakten bei sektorübergreifenden Behandlungen oder Prüfungen zur Arzneimitteltherapiesicherheit haben die Ärzte keine eindeutige Meinung: 45 Prozent halten sie für sinnvoll oder sehr sinnvoll, 44 Prozent für sinnlos.

Entscheidend dafür, dass fast alle Ärzte am Ende für telemedizinische Anwendungen sind, dürften daher nicht nur telemedizinische Leistungspositonen im EBM sein. Ebenso wichtig ist, dass der medizinische Mehrwert für die Patienten und für eine effiziente Behandlung sichtbar wird.

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