Ärzte Zeitung, 20.01.2015

Telemedizin

Großes Potenzial, aber viele Hürden

Der telemedizinischen Betreuung wird eine große Zukunft prophezeit. In der Realität müssen aber noch viele bürokratische Hindernisse bei Organisation und Abrechnung abgebaut werden, wie das Beispiel Bayern zeigt.

Von Jürgen Stoschek

Großes Potenzial, aber viele Hürden

Zukunftshoffnung Telemedizin: Noch hapert es im Versorgungsalltag.

© djama / fotolia.com

MÜNCHEN. In diesem Jahr werde mit telemedizinischen Netzwerken eine flächendeckende Schlaganfallversorgung in ganz Bayern erreicht, so die Erwartung von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

Bei einem Besuch beim Medizintechnikunternehmen Brainlab in Feldkirchen bei München, erklärte Huml vor Kurzem, gerade für ein Flächenland wie Bayern sei es wichtig, die Chancen der Digitalisierung im Gesundheits- und Pflegebereich konsequent zu nutzen. Mithilfe moderner Kommunikationsmittel komme medizinisches Spezialwissen direkt zum Patienten.

"In einer älter werdenden Gesellschaft brauchen wir mehr Telemedizin", sagte Huml. Die Telemedizin könne dazu beitragen, hilfebedürftigen und älteren Menschen lange und anstrengende Fahrten zu ersparen.

Wichtig sei jedoch, dass die Telemedizin die sprechende Medizin und die menschliche Zuwendung nicht ersetzen kann. "Im Mittelpunkt müssen immer der Mensch und das persönliche Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient stehen", erklärte Huml.

Flächendeckende Versorgung steht

In Bayern sind die Netzwerke TEMPiS (in Südostbayern) und STENO (in Mittel- und Oberfranken) zur akuten Schlaganfallversorgung bereits seit einigen Jahren in Betrieb.

Nach NEVAS für die Region Schwaben und westliches Oberbayern soll mit TRANSIT in Unterfranken das vierte telemedizinische Schlaganfallnetzwerk in diesem Jahr in Bayern starten. Damit sei dann eine flächendeckende Versorgung in ganz Bayern gewährleistet.

Unterdessen hat der Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse in Bayern, Christian Bredl, eine einheitliche Regelung für die Vergütung telemedizinischer Leistungen gefordert.

Die unterschiedliche Finanzierung führe unter anderem dazu, dass bundeslandübergreifende Netzwerke derzeit nicht realisiert werden können, so Bredl. Das könne dramatische Auswirkungen zum Beispiel für Notfall-Patienten mit Schlaganfall in grenznahen Gebieten haben.

Fehlender Patientenbezug?

Darüber hinaus konterkariere der fehlende Patientenbezug die allgemeinen Finanzierungsgrundsätze in der GKV. Derzeit bezahlten die Kassen diese Netzwerke unter anderem über Zentrumszuschläge, die aus allen Behandlungsfällen der Klinik, an der die telemedizinische Leitstelle angesiedelt ist, generiert werden.

"Das heißt, der Patient, der im Uniklinikum am Blinddarm operiert wird, finanziert die telemedizinische Betreuung des Schlaganfall-Patienten in einem Krankenhaus auf dem Land", erläuterte Bredl.

Im geplanten E-Health-Gesetz sollte deshalb eine eigenständige, bundesweit einheitliche Pauschale für die telemedizinische Betreuung eines Patienten festgelegt werden, die die Kliniken pro betreuten Fall mit den Kassen abrechnen. "Erst dann kann man Telemedizin als Medizin mit Zukunft bezeichnen", sagte Bredl.

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