Ärzte Zeitung, 28.04.2016

Anlagen-Kolumne

Orthopädie-Branche im Umbruch

Von Hanno Kühn

Orthopädie: Branche im Umbruch

Die Bevölkerung wird immer älter, ungesunde Lebensgewohnheiten nehmen ebenso zu wie die Menschen selbst. Das schürt die Nachfrage nach orthopädischen Produkten und Leistungen. Zugleich wandeln sich die Erstattungsmodalitäten der Gesundheitssysteme. Das alles stellt die großen Orthopädie-Unternehmen weltweit vor Herausforderungen.

Derzeit wird der Markt von einem Oligopol beherrscht - sieben Unternehmen, darunter beispielsweise Depuy Synthes, Zimmer Biomet oder Stryker, erwirtschaften 70 Prozent des 46 Milliarden USDollar (2015) Umsatzes.

Bis 2020 wird das durchschnittliche jährliche Marktwachstum aktuellen Annahmen zufolge bei drei Prozent liegen. Vor allem die USA und China sollen diesen Zuwachs tragen.

Die wenigen Orthopädie-Unternehmen, die allesamt über eine breite Produktpalette verfügen, stehen in intensivem Wettbewerb miteinander. In dieser Situation heißt die Therapie der Wahl: Innovationen. Neuentwicklungen, etwa bei Gelenkrekonstruktionen, in der Wirbelsäulenchirurgie, Arthroskopie oder Orthobiologie, sichern dem Anbieter Marktanteile oder ein besonders schnelles Umsatzwachstum.

Ein weiterer Treiber ist die Gesundheitsreform in den USA, die sich den Wandel weg von einem volumen- hin zu einem qualitäts- und nutzenorientierten Markt zum Ziel gesetzt hat. Künftig soll nicht mehr jede Leistung separat abgerechnet werden können; stattdessen wird eine Fallpauschale gezahlt.

Kreativität gefragt

Um in dem Umfeld steigende Gewinne zu erzielen, ist Kreativität gefragt, und zwar sowohl im Hinblick auf Neuentwicklungen, die dem medizinischen Fortschritt dienen, als auch im Hinblick auf Kosteneffizienz in der Produktion und der Anwendung: Denn Ärzte und Kliniken müssen stärker haushalten, um mit der vorgegebenen Pauschale auskömmliche Renditen zu erzielen, und werden daher versuchen, die Einkaufspreise zu drücken.

Produktinnovationen sind hier heilsam - mit ihnen können Hersteller die drohenden finanziellen Einbußen abfedern.

Durch die genannten Entwicklungen dürfte es zu Veränderungen in den etablierten Segmenten des Orthopädie-Marktes kommen - in Teilbereichen könnten künftig neue Marktführer auf den Plan treten. Eine Branche im Umbruch also, die für Investoren spannend bleibt.

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