Ärzte Zeitung, 27.10.2008

Anlagenkolumne

Raus aus dem Dollar, rein in Unternehmensanleihen

US-Dollaranlagen bieten keine rosigen Aussichten. Die vorübergehende Stärke der Währung sollten Anleger daher nutzen, um Dollarbestände abzubauen.

Von Gottfried Urban

Der "Greenback" hat in den letzten Wochen gut 20 Prozent an Wert zugelegt. Indes, der auf den ersten Blick erstaunliche Dollaranstieg ist eine rein markttechnische Reaktion. In den letzten Jahren mutierte der US-Dollar durch die niedrigen Zinsen von einer Anlage- zu einer Finanzierungswährung. Investoren verschuldeten sich vermeintlich günstig in US-Dollar. Jetzt müssen die Kredite getilgt werden, dazu werden viele US-Dollar benötigt. Um Liquiditätslöcher zu stopfen, die die Finanzkrise in die Portfolios gerissen hat, sehen sich Investoren und Hedgefonds gezwungen Wertpapierpositionen in der ganzen Welt aufzulösen und in Dollar einzutauschen.

Diese vorübergehende Stärke des US-Dollar können Anleger nutzen und die US-Dollarbestände abbauen. Angesichts negativer Realzinsen und einer bedrohlich anschwellenden Geldmenge bieten für Privatanleger US-Dollaranlagen aktuell alles andere als rosige Aussichten. Wer jetzt in Zinspapiere investieren will, sollte Investmentfonds mit Schwerpunkt Unternehmensanleihen genauer betrachten. Die Anleihekurse sind deutlich gefallen, das Renditeniveau ist mittlerweile eine Investition wert.

Die langfristigen Folgen der Verschuldung der USA und die aktuelle Notenbankpolitik wird ein weiteres Anwachsen der Geldmenge bewirken. Diese wächst ohnehin schon zwei bis vier Mal schneller als die US-Wirtschaft. Bei Zinsen um 1 Prozent für Tagesgeld beziehungsweise 3,5 Prozent für 10-jährige US-Staatsanleihen kann mit US-Dollar-Anlagen keine positive Realverzinsung erzielt werden. Eigentlich sollten Anleger jetzt geschickt in Sachwerten, wie Aktien und Immobilien anlegen. Nur dann haben sie eine Chance, der Geldentwertung ein Schnippchen zu schlagen. Wer dagegen in Zinspapiere anlegt, sieht sein Vermögen durch die Inflation ausgehöhlt.

Wer allerdings in Zinspapiere investiert, sollte zunächst die Renditen von Unternehmensanleihen anschauen. Hier gibt es die Chance, neben der laufenden Verzinsung satte Kursgewinne bei den Anleihen einzufahren. Durch die massiven Kursrückgänge liegt die Fälligkeitsrendite je nach Bonität bei bis zu 20 Prozent pro Jahr. Anleger sollten im Euroraum bleiben, ihre US-Dollar in Euro tauschen und das Geld in Fonds anlegen, die in Unternehmensanleihen oder Hochzinsanleihen investieren.

Die Kurse sind so tief gefallen, dass bei einer Normalisierung des Marktes deutlich zweistellige Kursgewinne auch im Anleihenmarkt zu erwarten sind. Auch wenn einige Unternehmen künftig ihre Zins- und Tilgungsleistung nicht mehr erfüllen können, ein Investment in einen breit gestreuten Hochzinsanleihenfonds federt dieses Risiko gut ab. Die aktuellen Anleihekurse signalisieren eine Ausfallrate, die extrem unrealistisch ist.

Selten waren Unternehmensanleihen so günstig bewertet! Wer sich aktuell nicht an den Aktienmärkten engagieren will, der sollte sich wenigstens einen Unternehmensanleihenfonds ins Depot legen. Auf Sicht von zwei bis drei Jahren wird die Rendite deutlich über dem Festgeld liegen und allemal ein US-Dollar-Investment schlagen.

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