Ärzte Zeitung, 30.10.2008

Versicherer geraten wegen neuer Vertriebskanäle in Kritik

Impulskäufe nicht immer bedarfsgerecht / Berater können auf Nettoverträge hinweisen, bei denen keine Provision anfällt - Vertreter nicht 

DORTMUND (akr). Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) kritisiert die Versuche der Assekuranz, über das Internet oder den Einzelhandel neue Kundengruppen zu erschließen. Nach Auffassung des BVK höhlen die Anbieter mit dem Verkauf ohne Vermittler den Verbraucherschutz aus.

Der Versicherer Axa bietet neuerdings über das Internet-Auktionshaus Ebay Verträge an, die Arag hatte vor kurzem mit dem Verkauf von Policen über Penny für Schlagzeilen gesorgt.

"Die Gier nach Rendite kennt sowohl bei den Versicherern wie bei den Discountern keine Schmerzgrenze mehr", sagte BVK-Präsident Michael H. Heinz. Das "Verramschen" von Versicherungen schade den Kunden, weil sie bei Impulskäufen nicht feststellen könnten, ob die Verträge wirklich ihrem Bedarf entsprechen. "Die Versicherer setzen mit diesen wiederholten Vertriebsaktionen Kundenvertrauen durch massenhafte Falsch- und Unterversicherungen aufs Spiel", sagte Heinz.

Nur durch eine kompetente persönliche Beratung durch einen Vermittler könne der Bedarf des Kunden festgestellt werden. Im BVK sind 12 000 hauptberufliche Versicherungsvertreter und -makler organisiert.

Der gesetzlichen Definition zufolge sind Vertreter im Auftrag und Interesse des Anbieters, Makler hingegen im Interesse des Kunden tätig. Beide Gruppen beziehen ihre Provision vom Versicherer, der die Vergütung in die Tarife einpreist. Die Höhe der Provision hängt davon ab, wie viel der Kunde während der gesamten Vertragslaufzeit zahlt. Ärzte können die Abschlusskosten dem Produktinformationsblatt entnehmen, dass sie vor Abschluss eines Vertrags bekommen. Bei langlaufenden Lebens- und Rentenpolicen beträgt die Provision für den Vermittler oft einige Tausend Euro.

Viele Vermittler geben sich als Berater aus, obwohl sie im juristischen Sinne Makler oder Vertreter sind. Echte Berater müssen vom Kunden ein Honorar nehmen. Es liegt in der Regel um die 110 Euro pro Stunde. Selbst wenn die bezahlte Beratung viele Stunden in Anspruch nimmt, kann diese Lösung für Ärzte preiswerter sein als die Dienste eines Vermittlers. Denn Berater können ihre Kunden auf Angebote von Versicherungen hinweisen, die sogenannte Netto-Verträge anbieten, bei denen der Kunde keine Provision zahlen muss.

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