Ärzte Zeitung, 17.11.2008

Das sind die häufigsten Fehler der Anleger

Ohne Konzept, zu einseitig, zu risikoreich und ohne tief greifende Kenntnis: Viele Sparer sind beim Gang aufs Börsenparkett zu leichtsinnig

NEU-ISENBURG (lu). Viele Anleger mussten in der Finanzkrise teures Lehrgeld zahlen - auch, weil sie beim Vermögensaufbau grundlegende Fehler begingen, die sich nun rächen. Doch gegen die Fehler kann man sich schützen - wenn man sie kennt.

Bankenunabhängige Vermögensverwalter wie Claus Walter vom Freiburger Vermögensmanagement nehmen immer wieder Depots unter die Lupe. Dabei ergeben sich nach seiner Auskunft immer wieder bestimmte Fehler-Muster auf Seiten der Anleger.

  • Fehler 1: Kein Konzept

Die wenigsten Anleger verfolgen bei ihrem Vermögensaufbau ein Konzept, erst recht kein langfristiges. Die meisten Depots erscheinen daher wie ein Sammelsurium von Einzeltiteln oder schlecht zusammengestellten Fonds und weisen erhebliche Schlagseite auf.

Diese Einseitigkeit kann die Anlageklassen, die Branchen, die Laufzeiten, die geografischen Räume oder die Instrumente betreffen, in die man investiert - etwa Zertifikate. "Oft haben diese Depots im Vergleich zur Rendite ein zu hohes Risiko", sagt Walter.

  • Fehler 2: Keine Streuung

Langfristige Untersuchungen zeigen, dass verschiedene Anlageklassen zu verschiedenen Zeiten besser oder schlechter laufen. Es ist daher sinnvoll, sie miteinander zu kombinieren. Wer zwischen 1996 und 2005 etwa nur in Dax-Aktien investierte, dessen Einsatz wuchs zwar um 137 Prozent. In den zehn Jahren musste er aber auch Verluste von 73 Prozent verkraften. Wer auf den Weltaktienmarkt setzte und jeweils ein Drittel in Aktien, Anleihen und Immobilien steckte, hatte zwar nur 73 Prozent Wertzuwachs, so der Finanzplaner Michael Böckhoff. Der höchste Verlust betrug aber nur 17 Prozent.

  • Fehler 3: Unbekanntes Risikoprofil

Wer nicht weiß, wohin er will, kommt dort an, wo er nie hinwollte - so dürfte es auch Anlegern gehen, deren Depot aufs Geratewohl entstand. Nach der Erfahrung vom Michaela Gajewski von der Vermögensverwaltung Stuttgart (SVA) passen die Wertpapiere oft weder zum Risikoprofil des Anlegers noch zu dessen Zielen. "Derzeit sind viele Leute mit den Nerven am Ende: Sie dachten, dass Zertifikate sicher sind, stellen jetzt aber fest, dass die meisten Papiere ausgeknockt wurden und die Abwärtsfahrt an den Aktienmärkten eins zu eins mitmachen", so die Vermögensverwalterin.

  • Fehler 4: Zu komplexe Produkte

Zertifikate waren der große Trend der vergangenen Jahre. Die Vermögensverwaltung Packenius, Mademann und Partner in Düsseldorf hat beobachtet, dass Anleger häufig nicht wissen, was sie kaufen. Beispielsweise sei vielen nicht bekannt, wann sich ihr Bonuszertifikat in ein Zertifikat verwandelt, das den Basiswert abbildet. "Mehrheitlich kennen die Anleger die Funktionsweise ihrer Zertifikate nicht", so Walter. Hinzu kommt: In vielen Fällen fühlten sich Anleger mit Zertifikaten sicher, obwohl diese ein Emittenten-Risiko haben, wie der Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers zeigt. So lange die Finanzindustrie am Produktverkauf verdiene, werde sie rund um die Modethemen Fonds und Zertifikate erfinden und verkaufen. Ob das Anlegern nutzt, steht auf einem anderen Blatt - so das Fazit der Vermögensverwalter.

  • Fehler 5: Keine oder zu viel Geduld

Gajewski berichtet von Anlegern, die den Blick ins Depot aus purer Angst meiden. Das ist grundweg falsch. Anleger sollten die Reißleine ziehen und eine Aktie oder einen Fonds verkaufen, wenn er das festgelegte Verlustlimit überschreitet.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Anleger, die permanent kaufen und verkaufen. Wer zu dieser Gruppe gehört, sollte Geduld üben. Ein Börsenspruch besagt: Viel Hin und Her macht Taschen leer!

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