Ärzte Zeitung, 18.11.2008

Anleger können ein zweites "Island" vermeiden - mit Staatsanleihen

Finanzexperten raten trotz der Island-Krise zum Einstieg in Schuldverschreibungen großer Industrienationen.

Von Richard Haimann

An den Börsen herrscht zwar ein schroffes Klima, aber mit Staatsanleihen guter Bonität fahren Anleger sicher.

Foto: Imago

Die Island-Krise verunsichert zahlreiche Anleger, die in Staatsanleihen Zuflucht vor den Turbulenzen an den Kapitalmärkten gesucht haben. Experten halten die Furcht für unbegründet: "Die Kurse von Schuldverschreibungen von Staaten bester Bonität werden von der Finanzkrise profitieren", sagt der bekannte US-Wirtschafts- und Investmentberater Gary Shilling.

Mit Island ist erstmals ein Staat durch die Verwerfungen an den Kapitalmärkten in die Gefahr des Bankrotts geraten. Das hat aber besondere Ursachen: Isländische Banken hatten in den vergangenen Jahren kurzfristige Kredite in Euro und US-Dollar aufgenommen, um aggressiv im Ausland zu expandieren.

Allein die Kredite, die auf den drei größten isländischen Banken, Glitnir, Landsbanki und Kaupthing, lasten, überstiegen am Ende die Wirtschaftsleistung des kleinen Inselstaats mit nur 320 000 Einwohnern um das Zwölffache. Das System platzte, als ausländische Banken wegen der Finanzkrise den isländischen Kreditinstituten keine Refinanzierungen gewährten. Die Regierung in Reykjavik verstaatlichte zwar die Banken, kann allein die Schulden aber nicht bewältigen, sondern ist auf die Hilfe anderer Staaten angewiesen.

Die Krise des Nordatlantikstaats hat Anleger aufgeschreckt. Vor allem die Kurse griechischer und italienischer Staatsanleihen gerieten unter Druck. "Investoren trennen sich von Papieren hoch verschuldeter Länder", erläutert Birgit Figge, Anleiheexpertin der DZ Bank.

Manche Anleihen gibt es nur mit Risikoabschlägen.

Zeitweise wurden Anleihen dieser beiden Länder deshalb mit Risikoabschlägen von bis zu 0,9 Prozentpunkte auf deutsche Staatsanleihen gehandelt. Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), glaubt jedoch nicht, dass große europäische Staaten in eine ähnliche Situation wie Island geraten könnten: "Eine solche Katastrophe droht nicht in den großen Industrieländern."

In der jüngeren Vergangenheit gab es nur einen Staatsbankrott: Argentinien erklärte sich 2002 für zahlungsunfähig. Russland und Serbien schrammten in der vergangenen Dekade knapp an der Pleite vorbei, wurden aber durch Kredite gerettet. Von den großen Industrienationen war nur Deutschland zweimal bankrott: Nach der Inflation 1923 und am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Anlageexperte Shilling rät, jetzt in Staatsanleihen zu investieren. Er geht davon aus, dass die Finanzkrise die Realwirtschaft in erheblichem Umfang beeinträchtigen wird. "Die Gewinne der Unternehmen und damit die Kurse ihrer Aktien und Schuldverschreibungen werden fallen", sagt der Investmentberater. Weil das Wirtschaftswachstum deutlich zurückgehen werde, würden auch die Rohstoffpreise unter Druck geraten. Allein Staatsanleihen würden deshalb in den kommenden Jahren sichere Renditen versprechen.

Staatsanleihen werden direkt an der Börse gehandelt. In der Regel in Stücken im Nennwert von jeweils 1000 Euro. Anleger können die Papiere über ihre Bank und Sparkasse beziehen. Aktuelle Kursinformationen und Renditeberechnungen bieten die Börsen Düsseldorf und Stuttgart auf ihren Internetseiten:

www.bondboard.de (Düsseldorf) und www.boerse-stuttgart.de.

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