Ärzte Zeitung, 19.01.2009

Schiffsaktien mit attraktiver Dividendenrendite

Shipping Trusts glänzen mit hohen Dividendenrenditen von durchschnittlich 33 Prozent - allerdings sind die Schiffsaktien nicht ohne Risiko.

Von Richard Haimann

Mit Aktien von Shipping Trusts können Anleger täglich in den Schiffsmarkt ein- und aussteigen.

Foto: plentius©www.fotolia.de

Mit den in Singapur aufgelegten, Steuer optimierten Shipping Trusts haben deutsche Banken und Reedereien 2007 für Anleger eine Alternative zu klassischen geschlossenen Schiffsfonds geschaffen. Durch den Einbruch im Welthandel sind die Aktienkurse dieser Trusts so kräftig gefallen, dass die Papiere nun Dividendenrenditen von mehr als 30 Prozent aufweisen.

Shipping Trusts investieren in Containerfrachter, die langfristig an Reedereien verleast werden. Die Trusts sind börsennotierte Aktiengesellschaften, die ihre Gewinne jedoch nicht versteuern, sondern an die Aktionäre ausschütten. Für ausländische Anteilseigner sind die Dividenden in Singapur steuerfrei. Deutsche Aktionäre müssen allerdings 26,375 Prozent der Auszahlungen als pauschale Abgeltungssteuer inklusive Solidaritätszuschlag an das Finanzamt abführen.

Sämtliche Einnahmen der Trusts werden ausgeschüttet

"Die Trusts sind eine Alternative zu klassischen geschlossenen Schiffsfonds", sagt Stefan Gäde von der HSH Nordbank. Während Fondsanleger nur durch einen Verkauf ihrer Anteile am Zweitmarkt vor Ende der Laufzeit aus dem geschlossenen Investmentprodukt aussteigen können, werden die Aktien der Trusts börsentäglich gehandelt. Die HSH Nordbank zählt zu den Initiatoren des an der Börse rund 130 Millionen Euro schweren Frist Ship Lease Trust (ISIN: SG1U66934613). Die deutsche Reedereigruppe Rickmers hat 2007 den Rickmers Maritime Trust (ISIN: SG1U88935523) auf den Weg gebracht. Aktuell hält sie 20,2 Prozent der Anteile an der Gesellschaft mit einer Marktkapitalisierung von rund 73 Millionen Euro. Als dritter Trust wurde der 60 Millionen Euro schwere Pacific Shipping Trust von der Reederei Pacific International Lines aufgelegt. Er ist nicht an deutschen Börsen notiert. Die Gründung weiterer Trust wurde wegen der Finanzkrise abgeblasen. 2008 sind die Aktienkurse der drei Gesellschaften um durchschnittlich 63 Prozent eingebrochen.

Es droht die Insolvenz der Leasingnehmer der Schiffe.

Auf dem aktuellen Kursniveau beträgt die Dividendenrendite der Trusts im Schnitt 33 Prozent. "Angesichts der drastisch gesunkenen Charterraten und des Preisverfalls am Schiffsmarkt könnten die Trusts jedoch gezwungen sein, die Ausschüttungen zu kürzen", warnt Meenal Kumar, Analystin bei OCBC Research. Die Gesellschaften hätten ihre insgesamt 48 Schiffe auf dem Höhepunkt des Seehandelsbooms in 2007 erworben und die Käufe zum Teil mit Darlehen finanziert. Nun bestehe die Gefahr, dass Banken die Kreditzinsen deutlich erhöhen oder Leasingnehmer der Schiffe insolvent gehen. HSH-Nordbankanalyst Gäde weist auf eine weitere Besonderheit hin: "Die Trusts müssen sämtliche Einnahmen ausschütten." Die Gesellschaften könnten dadurch weder Rücklagen für den Kauf neuer Schiffe bilden, noch für den Fall, dass der Erlös aus dem späteren Verkauf der Frachter nicht ausreicht, um die Kreditlasten zu decken. Gäde: "Die Trusts sind automatisch gezwungen, im Abstand einiger Jahre Kapitalerhöhungen vorzunehmen, was langfristig den Aktienkurs verwässern würde."

Die Gesellschaften können keine Rücklagen bilden

Dennoch rät Deutsche-Bank-Analyst Joe Liew auf dem gegenwärtigen Kursniveau zum Kauf der Aktie des FSL Trusts. Die Gesellschaft habe wegen der Finanzkrise die Dividende für das vierte Quartal 2008 bereits reduziert. Auf dem gegenwärtigen Kursniveau betrage die Ausschüttungsrendite dennoch mehr als 35 Prozent.

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