Ärzte Zeitung, 20.03.2009

"Das ist kein Markt für Privatanleger"

Viele Anleger befinden sich in der Schockstarre: 2008 hat ihnen horrende Kursverluste mit Aktien und Rohstoffen beschert. Für Privatanleger ist das Börsenparkett auch derzeit noch ziemlich glatt.

Von Jürgen Lutz

Mit Aktien gewinnt derzeit nur, wer das nötige Know-how für die fallenden und steigenden Kurse hat.

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Bankenunabhängige Vermögensverwalter gehen davon aus, dass Privatanleger auch 2009 nur mit sehr viel Mühe Geld an den Märkten verdienen können. Michaela Gajewski von der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart findet es derzeit "sehr schwierig, eine längerfristig ausgerichtete Strategie zu verfolgen". Stattdessen müsse man viel schneller handeln als üblich. "Das ist kein Markt für Privatanleger", so das Fazit der Vermögensverwalterin, die die SVA-Dependance in Undenheim bei Mainz betreut.

Gajewski erwartet, dass die Schaukelbörse an den Aktienmärkten weitergeht. Profitieren könne in solchen Märkten nur, wer das Know-how besitzt, um an steigenden und fallenden Kursen zu verdienen.

Die Finanzexpertin hält es für möglich, "dass die Aktienmärkte am Ende des Jahres tiefer stehen als derzeit, auch wenn die Kurse zwischenzeitlich deutlich steigen". Kurzfristig zu handeln sei auch bei Unternehmensanleihen sinnvoll, da deren Aussichten ebenfalls an der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung hängen.

Manche Finanzprofis erhöhen die Aktienquote

Vermögensverwalter Jörg Bohn von der Artus Direct Invest AG ist etwas zuversichtlicher, was die Aktienmärkte angeht. So sei das Verhältnis vom Kurs einer Aktie zum Gewinn je Aktie (Kurs-Gewinn-Verhältnis) bei Dividendentiteln wesentlich besser als bei deutschen Staatsanleihen, erklärt der Vermögensverwalter. Der Artus-Chefstratege trifft Entscheidungen für Börsengeschäfte auf Basis einer umfangreichen Finanzmarkt-Software, unter anderem mit Trendfolge-Ansatz nach einem festen Regelwerk. Dessen Vorteil: Wenn die Zeichen auf Anstieg stehen, wird investiert; wenn sich eine Trendwende abzeichnet, wird verkauft.

So hat der Finanzprofi Indexfonds auf Staatsanleihen abgestoßen und baut nun Positionen an den Aktienmärkten auf. Auch im Segment der Unternehmensanleihen sieht er "ein Potenzial von zehn bis 15 Prozent". Privatanleger könnten mit einem gut diversifizierten Fonds in solche Anleihen investieren, um ihr Risiko zu streuen, so Bohn. Hintergrund für seine positive Einschätzung: Der Kurs des Industriemetalls Kupfer sowie der Frachtraten-Index als Frühindikatoren der Weltwirtschaft zeigen erste Tendenzen der Erholung.

Einig sind sich die beiden Vermögensprofis über die positiven Aussichten von Gold. Die riesigen Konjunkturpakete werden mit einiger Zeitverzögerung auch die Inflationsraten steigen lassen, so Gajewski.

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