Ärzte Zeitung, 06.04.2009

Anlagen-Kolumne

Es ist an der Zeit, die Seite zu wechseln

Bisher war noch jeder Börsencrash eine erstklassige Chance, Aktien billig einzukaufen. Der Markt ist zudem heute interessanter als 2002.

Von Gottfried Urban

Wir befinden uns in Phase zwei der Finanzmarktkrise. Der Kollaps wurde in letzter Minute abgewendet. Die Regierungen und Notenbanken haben rund um den Globus ein Rettungsprogramm mit einem Volumen von sage und schreibe 5 000 Milliarden Euro in Form von Bürgschaften, Beteiligungen und Konjunkturpaketen zusammen gezimmert. Die positiven Folgen in Form einer konjunkturellen Belebung werden wir relativ rasch zu spüren bekommen. Die negativen Folgen für die Geldwertstabilität erst viel später.

Großinvestoren wittern ihre Chancen.

Ob sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr erholt oder erst im nächsten Jahr zur Erholung ansetzt, kann heute niemand mit Gewissheit sagen. Sicher ist aber, dass die Aktienmärkte nicht unbedingt parallel zu den Konjunkturentwicklungen laufen, sondern den Aufschwung einige Monate vorwegnehmen. Seit 2007 gibt es in den Standardmärkten nicht mehr viel zu verdienen. Die besten Börsenjahre erlebten wir zwischen 2003 und 2005. Danach liefen die Börsen mehr oder weniger seitwärts, obwohl die Wirtschaft brummte.

Kaum jemand wagt es offen auszusprechen, dabei stimmt es: Noch jeder Börsen-Crash war eine erstklassige Chance, um Qualität billig einzukaufen. Zwar gilt dies nicht unbedingt für Bankaktien, auch wenn die Geldhäuser wegen des Booms bei Industrieanleihen schon wieder gutes Geld verdienen. Banken werden ihre Geschäftsmodelle überdenken müssen und brauchen viel neues Eigenkapital. Das dürfte die nächsten zwei Jahre das Kurspotenzial begrenzen. Der Markt ist allerdings heute interessanter als in der letzten Krise 2002. Zudem liegt viel mehr Geld kurzfristig geparkt. Zeit also, die Seite zu wechseln und sich mit Aktien oder Aktienfonds einzudecken.

Strategische Großinvestoren wittern bereits ihre Chancen. Sie wissen, dass Zinspapiere auf dem aktuellen Zinsniveau weder die rentabelste noch die sicherste Anlageform sind. Stattdessen durchkämmen sie den Aktienmarkt auf der Suche nach Schnäppchen. Ein Blick auf die Dax-Unternehmen zeigt, dass mehr und mehr deutsche Vorzeigeunternehmen mittlerweile von ausländischen Großinvestoren kontrolliert werden. Ich bin davon überzeugt, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Monaten fortsetzt und ausländische Großinvestoren die Gunst der Stunde nutzen, um sich günstig bei Daimler & Co. einzukaufen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »

KBV legt acht Punkte für eine Reformagenda vor

Rechtzeitig vor dem Bundestagswahlkampf und dem Start in eine neue Legislaturperiode hat die KBV ein Programm für eine moderne Gesundheitsversorgung vorgelegt. Was steht drin? mehr »