Ärzte Zeitung, 21.04.2009

Langfristiger Aufwärtstrend noch nicht in Sicht

Seit Mitte März können sich Anleger über deutlich steigende Aktienkurse freuen. Stellt sich die Frage: Wie nachhaltig ist diesmal der Anstieg bei den Dividendentiteln?

Von Jürgen Lutz

Nach oben werden die Aktienkurse kurzfristig wohl gehen. Ein nachhaltiger Trend ist aber nicht auszumachen.

Foto: dpa

Die Großanleger haben offenbar zunehmend Appetit auf Risiko und kaufen Aktien, während Staatsanleihen ins Hintertreffen geraten. Überrascht hat der steile und rasche Anstieg der Notierungen. Dieser hat vor allem damit zu tun, dass diejenigen, die auf fallende Kurse setzen, bei einem weiteren Preisanstieg selbst Aktien kaufen müssen, um sich vor (weiteren) Verlusten zu schützen. Das befeuert den Anstieg zusätzlich.

  • Aktien Noch im Februar sah die Lage völlig anders aus. Der Dax fiel am 9. Februar auf sein (bisheriges) Jahrestief mit 3589 Zählern. Kurz vor dem Tief war in der "Ärzte Zeitung" zu lesen: "Für nervenstarke antizyklische Anleger könnte sich bei Dax und Co. bald eine gute Möglichkeit zum Einstieg bieten." In der Tat ist der Dax um über 30 Prozent auf mehr als 4677 Zähler gestiegen.

Besonders interessant: Am 2. April überwand der Index seinen Höchststand von Ende März. Dieses Überschreiten nach einer Korrektur erfüllt unter kurzfristigen Aspekten die Definition für einen Aufwärtstrend. Auf Sicht von mehreren Wochen stehen die Zeichen für Aktionäre also auf Grün, auch wenn es zu kurzfristigen Kursrückgängen kommen kann.

Eine Barriere für einen weitergehenden Dax-Anstieg dürfte die Zone von 4800 bis 5200 Zählern bilden. Sie markiert technisch gesehen den langfristigen Abwärtstrend. Das heißt: Erst eine Überwindung dieses Bereichs würde bedeuten, dass der Index einen so genannten Boden gebildet hat, von dem aus dauerhafte Kursanstiege möglich wären. Bis dahin muss man von einer - wenn auch kräftigen - Erholung in einem intakten Abwärtstrend ausgehen.

  • Anleihen

Staatsanleihen waren zusammen mit Gold die großen Profiteure der Finanzmarktkrise. So konnte der Bund Future als Maßstab für europäische Staatsanleihen in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 von 109 auf 125 Zähler zulegen - ein gewaltiger Anstieg für das Anleihe-Barometer.

Seit Anfang Januar schwankt der Bund Future in einer Zone zwischen 120 und 125 Zählern. Das Hin und Her verdeutlicht, dass sich die Anleger im Unklaren sind, ob die weltweiten Konjunkturprogramme funktionieren und die damit verbundene Inflationierung eintreten werden.

  • Gold

Auch das Edelmetall ist in den vergangenen Wochen unter Druck geraten. Nachdem es die Marke von 1000 US-Dollar erreichte, notiert Gold derzeit bei rund 870. Immer öfter ist in Tischgesprächen zu hören, dass der Goldpreis gar nicht anders könne als zu steigen. Das mag sein, doch die Einmütigkeit stimmt skeptisch.

Der Grund: Wer davon ausgeht, dass der Goldpreis steigt, hat vermutlich schon gekauft und wartet auf einen weiteren Anstieg. Wenn alle von einem Anstieg überzeugt sind, fehlen weitere Käufer, die den Preis des Edelmetalls hoch treiben könnten. Tatsache ist: Gold nimmt dann seinen langjährigen Aufwärtstrend wieder auf, wenn es über 1006 Dollar notiert.

  • Rohstoffe

Sehr beachtenswert ist die Entwicklung des Kupferpreises. Dieser gilt als verlässlicher Frühindikator für die Weltkonjunktur, da Kupfer aus unserem Leben kaum wegzudenken ist. Der Preis für die Tonne Kupfer stürzte ab dem Juli 2008, als viele noch von einer sanften Landung der Konjunktur sprachen, in einem halben Jahr von knapp 9000 Dollar auf 2700 Dollar - ein Crash um 70 Prozent. Was derzeit kaum Beachtung findet: Seit Jahresbeginn hat das rote Metall fast 60 Prozent auf 4400 US-Dollar zugelegt. Sollte der Kupferpreis sich demnächst in die Region über 5000 Dollar aufschwingen, wäre ein neuer langfristiger Aufwärtstrend eingeläutet. In diesem Fall könnte die Rallye bei den Aktien deutlich weiter gehen, als dies gegenwärtig möglich erscheint.

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