Ärzte Zeitung, 08.06.2009

Anlagenkolumne

Vernünftige Anleger setzen auf ausgewogene Drei-Säulen-Strategie

Wohin derzeit mit liquiden Mitteln? Die Risiken sind hoch, die Zinsen niedrig und die Kurse nicht mehr ganz unten. Da hilft nur eines: Anlagen streuen.

Von Jens Ehrhardt

Für Anleger ist es weiterhin außerordentlich schwierig, liquide Mittel vielversprechend anzulegen. Das Chance-Risiko-Verhältnis an den Aktienmärkten hat sich inzwischen wieder deutlich verschlechtert. Die weltweiten Aktienindizes haben seit den Tiefständen im März teils erhebliche Kurssteigerungen hinter sich, die kaum durch entsprechende positive Entwicklungen aus der Realwirtschaft oder durch einen entsprechenden Anstieg der Unternehmensgewinne untermauert wurden.

Im Bereich der Anleihen drohen vor allem bei längeren Laufzeiten erhebliche Kursgefahren durch Zinsanhebungen oder verschlechterte Ratings bis hin zu möglichen Totalausfällen im Zusammenhang mit Firmenpleiten. Selbst Staatsanleihen dürften in Anbetracht der weltweiten öffentlichen Defizite von den Ratingagenturen künftig kritischer betrachtet werden.

Eine vernünftige Anlagepolitik fällt also zunehmend schwerer und dürfte nur noch durch selektives Investieren zu erreichen sein. Ratsam erscheint in der derzeitigen Situation ein Strategiemix aus den drei Säulen Schwellenländer, Rohstoffe und Edelmetalle.

Schwellenländer wie China und Brasilien gehören zu den wenigen Nationen, die aus monetärem Blickwinkel Potenziale aufweisen. Die Zinsen können - im Gegensatz zur Situation in Europa und in den USA - noch nachhaltig gesenkt, die Liquidität der Banken noch wesentlich verbessert werden. Zudem verfolgen die beiden Regierungen eine expansive öffentliche Nachfragepolitik. Diese kann wirken, weil die Verschuldung der Konsumenten vergleichsweise gering ist und die Staatsausgaben nicht durch geringeren Konsum konterkariert werden. Gerade die expansive Konjunkturentwicklung im bevölkerungsreichen China wird in Zusammenhang mit dem weltweiten Bevölkerungswachstum den Rohstoffanlagen zugute kommen.

Gold dürfte längerfristig erheblich von der internationalen Geldmengenvermehrungspolitik profitieren. Käme es im Zuge eines weiteren Konjunkturabsturzes zu einer neuen Bankenkrise, dürfte das Edelmetall auch im Falle einer schweren Deflation profitieren. Die Anleger sind heute im Gold kaum investiert und erst ganz wenige Anlageinstitutionen haben bisher kleine Goldmengen erworben.

Gold profitiert als Investment von Inflation und Deflation

Gold dürfte zu den wenigen Investments gehören - wenn nicht das Einzige sein -, das sowohl bei Inflation wie Deflation profitieren sollte. In diesem Zusammenhang sollte man auf währungsgesicherte Goldanlagen zurückgreifen, die resistent gegen einen wahrscheinlichen weiteren Verfall des US-Dollar sind.

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10324)
Personen
Jens Ehrhardt (255)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

9 wichtige Forderungen, Analysen, Informationen

Fleißige Delegierte: In Freiburg wurde wieder eine große Palette an Themen abgearbeitet. mehr »

Versorgungswerke sitzen auf 184 Milliarden Euro

Auf die Frage nach der Leistungsfähigkeit der Versorgungswerke tut sich die Bundesregierung mit dem Blick in die Glaskugel schwer. Die Anzahl der Rentenempfänger werde wohl weiter deutlich zunehmen. mehr »