Ärzte Zeitung, 10.06.2009

Blitzschlag, aber die Hausratversicherung übernimmt den Schaden nicht

Wer glaubt, dass bei Überspannungsschäden die Hausratversicherung einspringt, der irrt. Zumindest, wenn er keine Zusatzpolice hat. Aber auch mit dieser ist nicht immer alles abgedeckt. Es lohnt sich, vor Vertragsschluss genau zu vergleichen.

Von Anne-Christin Gröger

Schlägt der Blitz ins Haus ein, ist eine Leistung von den Versicherern in keinem Fall abgedeckt: der Verlust von Daten.

Foto: Dream-Emotion©www.fotolia.de

So ein Ärger: Erst vor wenigen Wochen hatte sich der Arzt für 3000 Euro einen neuen Fernseher mit Flachbildschirm gekauft. Dann schlug der Blitz in den Hochspannungsmast wenige Kilometer entfernt ein. Der Fernseher war hin - Überspannungsschaden. "Klarer Fall für die Hausratsversicherung", dachte sich der Mediziner. Doch der Versicherer zahlte nicht. Er übernehme den Schaden nur, wenn der beschädigte Gegenstand unmittelbar getroffen wurde, schrieb er. Das konnte der Arzt nicht verstehen. Denn das heißt, der Fernseher muss draußen stehen und dort vom Blitz getroffen werden, damit das Unternehmen zahlt.

Viele Versicherer bieten Zusatzpolicen für Überspannungsschäden gegen eine höhere Prämie an. Denn Haushalte nutzen eine immer größere Palette wertvoller elektrischer Geräte. Der mögliche Schaden ist hoch. Der Versicherte bezahlt für die Reparatur des Fernsehers oder der Stereoanlage mehr als bei einem Neukauf. "Wir bemerken, dass immer mehr Kunden nach einer solchen Zusatzversicherung für Elektrogeräte fragen", sagt Provinzial-Sprecher Christoph Hartmann. Auch Bianca Boss vom Bund der Versicherten hält den Abschluss einer umfassenden Police für sinnvoll, da Gewitter häufiger werden. "Doch häufig beraten Versicherer nicht richtig," sagt sie. Kunden käme es oft darauf an, die günstigste Police zu bekommen.

Die Prämien für eine Hausratsversicherung hängen von der Region ab. "Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind gewitterreiche Regionen, wir berücksichtigen das bei der Berechnung des Beitrags", sagt Hartmann. Bestimmte Landstriche in Ostdeutschland seien hingegen weniger gefährdet.

Doch Vorsicht: der Versicherer zahlt nur für die Überspannungsschäden, die tatsächlich durch Blitzschlag entstanden sind. Geht eine Schadensmeldung beim Unternehmen ein, überprüft es, ob zum Zeitpunkt des Schadens tatsächlich ein Gewitter niedergegangen ist. Dazu arbeitet der Versicherer mit Wetterstationen zusammen.

Versicherer prüfen, ob es auch wirklich ein Gewitter gab.

Boss rät, vor Abschluss einer Police den Haushalt genau anzuschauen. "Einerseits sollte der Kunde überprüfen, wie viele Geräte überhaupt vorhanden sind, die es sich lohnt, zu versichern", sagt sie. Andererseits decken viele Policen Überspannungsschäden durch Blitzschlag auch in der günstigen Version ab. "Deswegen sollte der Kunde die Angebote und die Bedingungen der Versicherer vergleichen."

<>In keinen Fall mit eingeschlossen in die Leistungen ist der Verlust von gespeicherten Dokumenten oder Fotos. Dafür kommt kein Versicherer auf. Ein solcher Schaden lässt sich jedoch einfach vermeiden: Vor Gewittern die Strom- und Telefonkabel aus der Steckdose ziehen.

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Falsche Angaben an Versicherer können teuer werden

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