Ärzte Zeitung, 09.11.2009

Auf der Suche nach dem goldenen Händchen für die Geldanlage

Die Krise an den Finanzmärkten ist noch nicht ganz vorbei. Aber es gibt auch positive Signale für Anleger. 2010 verspricht bessere Aussichten als 2009.

Von Stefan Ziermann

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2010 könnten wieder goldene Anlagezeiten werden.

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Der GAU an den Finanzmärkten ist abgewendet. Die Börsen haben sich wieder kräftig erholt. Allmählich machen sich die ersten Beobachter Gedanken darum, wie es in den kommenden Monaten weiter gehen wird. Den Schlüssel, das ist klar, halten die Notenbanken in der Hand. Sie haben die Märkte und die Konjunktur mit kräftigen Finanzspritzen und Sondermaßnahmen in der Liquiditätspolitik vor dem Zusammenbruch bewahrt. Zwangsläufig rückt nun der Zeitpunkt näher, dass die Notenbanken weltweit ihre Hilfsmaßnahmen wieder reduzieren. Die Preisfrage lautet: Wie werden Wirtschaft und Märkte darauf reagieren?

Notenbanker hantieren mit dem falschen Werkzeug

Fest steht, dass es noch nie in einer Krise Rettungsmaßnahmen solchen Ausmaßes gegeben hat. Darum ist auch der Weg zurück zur Normalität nicht vorgezeichnet. Vielmehr wird selbst in den Notenbanken heftig über das wahrscheinlichste Szenario diskutiert.

Dabei befinden sich die Geldhüter rund um die Welt in einer Zwickmühle. Denn sie fürchten sowohl eine galoppierende Inflation. Noch mehr Sorge aber haben sie vor einer dauerhaften Deflation. Das größte Problem der Notenbanker ist jedoch, dass ihnen in der vergangenen Krise klar vor Augen geführt wurde, dass die herkömmlichen Analysesysteme, Bewertungsmodelle und Maßstäbe nicht mehr zu stimmen scheinen.

Die Werkzeuge, die sie zur Steuerung der Wirtschaft (US-Notenbank) und zur Wahrung der Geldwertstabilität (EZB) nutzen, scheinen nicht mehr die richtigen zu sein. Am auffälligsten zeigt sich das bei der Messung der Inflationsrate. Die wird mit dem Verbraucherpreisindex gemessen und ausgedrückt. Und dieser Index hängt wesentlich von der Zusammensetzung des Warenkorbs ab. Darin sind die Dienstleistungen und Güter des täglichen Bedarfs (Brot, Obst, Bier, Autos, Kühlschränke usw.) gesammelt und gewichtet. Ganz wichtige Kostenblöcke des täglichen Bedarfs sind nicht im Warenkorb enthalten.

Dazu zählen zum Beispiel die Hauspreise oder finanzielle Aufwendungen zur Altersvorsorge. Die Begründung: Egal ob Renditeobjekt oder zur Eigennutzung - Immobilien sind angeblich Vermögensgegenstände, die nicht konsumiert würden. Aus diesem Grund seien diese Vermögenspreise für Notenbanken für ihre Aufgabe nicht relevant. Das ist Unfug. Denn die meisten Menschen haben erst mal ein Haus zur Eigennutzung gekauft und sparen so die laufende Miete.

Und: Altersvorsorgeaufwendungen sind mittlerweile Pflichtausgaben, die das monatliche Einkommen verringern. Steigen also die Preise für Wertpapiere, steigen auch die monatlichen Aufwendungen für die Altersvorsorge. Das bedeutet auch: "Inflationieren" die Vermögenspreise, ist das genau so ein Kaufkraftverlust wie wenn sich das Geld entwertet.

Wenn Notenbanken mit billigem Geld die Märkte versorgen, wie das US-Notenbankchef Alan Greenspan mehr als ein Jahrzehnt getan hatte, dann zeigt sich das heute zuerst und relativ prompt an den Märkten. Beispiel Dax: Der Index stand am 9. März 2009 am Tief bei 3666 Punkten. Nach den Zinssenkungen auf historische Tiefstände kletterte der Index auf aktuell etwa 5500 Punkte. Das ist ein Plus von über 50 Prozent - mitten in der Krise. Beim Dow Jones Index verkläuft die Entwicklung ebenso.

Hier nehmen die Märkte aber nicht die wirtschaftliche Stabilisierung und steigende Gewinne vorweg. Nein, die Investoren schieben das extrem billige Geld einfach auf den Markt, auf dem sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in kurzer Zeit schnelles Geld verdienen. Sie haben einen "Anlagenotstand", der bei den geringen Festzinsen von anderen Vermögensanlagen nicht gemildert wird.

Dass die Vermögenspreise in der Inflationsmessung (noch) keine Rolle spielen, sollte schlaue Anleger und langfristige Investoren jedoch nachdenklich machen. Denn selbst wenn es auf Seiten der Verbraucherpreise Preisstabilität zu verzeichnen gibt, stellt sich die Frage, wohin der große Geldstrom fließt. Wahrscheinlich ist, dass er lange Zeit von Markt zu Markt schwappt.

Erst in Aktien, wenn die Zuversicht groß ist. Dann wieder in Anleihen, wenn der Pessimismus wieder wächst. Da aber Anleihen einen Teil ihres Nimbus der sicheren Anlage verloren haben, fließt es dann in Realwerte - etwa Immobilien und auch Rohstoffe. Diese können längst verbrieft gehandelt werden. Somit spekulieren die großen Banken und andere institutionelle Anleger kräftig mit Rohstoffen, die sie im Leben nicht verarbeiten wollen. Sichtbar wird das beispielsweise an der Flucht der institutionellen Anleger ins Gold. Das hat den Goldpreis inzwischen auf über 1000 US-Dollar je Feinunze getrieben.

Inflation kommt früher oder später beim Verbraucher an

Erst über die Rohstoff-Spekulation wird die Vermögenspreisinflation früher oder später dann auch beim Verbraucher ankommen. Denn steigende Kosten für Blei, Stahl, Kaffee und Mais müssen irgendwann von den Produzenten durchgereicht werden, sonst verdienen sie selbst nichts mehr an ihren Produkten. Die Konsumenten zahlen das dann letztlich an der Supermarktkasse. Dann werden auch die Notenbanker feststellen, dass die Liquiditätsschwemme zu Inflation geführt hat.

In der Zwischenzeit wird es für Anleger und Investoren darum gehen, zur richtigen Zeit in den richtigen Markt zu investieren. Und vor dem Platzen der entsprechenden Vermögenspreisblase wieder auszusteigen. Dafür wird es im Jahr 2010 reichlich Möglichkeiten geben.

Stefan Ziermann ist Ressortleiter der "Fuchsbriefe".

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