Ärzte Zeitung, 14.12.2009

Anlagen-Kolumne

Aktien und Zinspapiere reichen für das Portfolio nicht mehr

Breit streuen heißt nach wie vor die Devise für Anleger. Dafür sollten sie in Zeiten der Krise aber auch auf nicht traditionelle Anlageklassen wie Waldflächen setzen.

Von Gottfried Urban

"Ein gutes Portfolio ist mehr als eine lange Liste von Wertpapieren. Es ist eine ausbalancierte Einheit, die dem Investor gleichermaßen Chance und Absicherung unter einer Vielzahl von möglichen Entwicklungen bietet." Mehr als 50 Jahre sind vergangen, seitdem der USamerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Harry Max Markowitz diese Zeilen zu Papier brachte. Sind sie immer noch gültig?

Bereits im Jahr 1952 propagierte Markowitz, der als geistiger Vater der modernen Portfolio-Theorie gilt, die Streuung des Anlegerkapitals auf verschiedene Anlageklassen. Allerdings zeigte das Krisenjahr 2008, dass die Theorie des berühmten Ökonomen weiterentwickelt werden muss. Denn auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hat Markowitz für nahezu alle traditionellen Anlageformen nicht mehr funktioniert, da alle Welt versuchte, aus allen Risikoanlagen zu flüchten.

Die traditionelle Mischung von US-amerikanischen und europäischen Aktien bringt für die Streuung des Portfolios nur noch wenig, da die Entwicklung beinahe gleich verläuft. Anleger sollten deshalb gegenwärtig darauf achten, neue, nicht traditionelle Ertragsquellen in ihr Depot mit einzubauen: also Anlageklassen, die nicht schon jeder im Depot hält.

Mikrokreditfonds sollten Anleger näher betrachten

In Betracht kämen Immobilien, Agrarflächen, Gold, Waldflächen, Mikrokreditfonds sowie viele weitere Spezialfonds. Sie weisen einen geringen Gleichlauf zu Aktien auf und eignen sich als Depotzutat sehr gut. Wer auf nur ein Anlagekonzept, ein Anlagesystem oder eine Anlageklasse setzt, geht ein enormes Risiko ein. Gerade in den heutigen Zeiten ist es sinnvoller denn je, breit aufgestellt zu sein. Wer das Risiko scheut, der streut.

Umso mehr erstaunt, dass in beinahe allen Depots die Kombination aus traditionellen Anlageklassen (Aktien und Zinspapiere) und Anlagesystemen mit nichttraditionellen und alternativen Pendants fehlt. Dabei lässt sich durch eine solche Kombination eine wesentlich stärkere Abkoppelung von Finanzmarkttrends erreichen. So kann man durch die Streuung in nichttraditionelle Anlagekonzepte teilweise sogar von fallenden Märkten profitieren. Abzuraten ist lediglich von geschlossenen KG Beteiligungsfonds, denen es an Streuung mangelt. Offene Investmentfonds sind hingegen reguliert, insolvenzgeschützt, liquide und breit gestreut und deshalb eine sinnvolle Ergänzung für ein Depot.

Risikodiversifizierung gibt es seit über 5000 Jahren

Klumpenrisiken, also die kumulative Häufung von Risiken mit ähnlichen oder identischen Korrelationswerten, sind auf den ersten Blick oftmals nicht zu erkennen. Die komplexen Wechselbeziehungen lassen sich oftmals nur mithilfe aufwendiger Analysen offen legen. Eine solide Beratung nach einem fairen und transparenten Vergütungsmodell ist sinnvoll.

Übrigens, ganz so neu ist die Idee der Risikodiversifizierung gar nicht. So schlossen sich schon um 3000 v. Chr. phönizische Händler zu Schutzgemeinschaften zusammen. Gingen Schiffsladungen verloren, ersetzten diese ihren Mitgliedern den entstandenen Schaden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »