Ärzte Zeitung, 21.12.2009

Grundbuch läuft dem Sparbuch den Rang ab

Inflationsängste treiben viele Anleger in Immobilien. Wer hier investieren will, kann nicht nur ein Haus kaufen, sondern auch Aktien oder Fondsanteile.

Von Tarik Dede

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Auch als Geldanlage geeignet: Häuser in guter Lage.

Foto: J. Effner©www.fotolia.de

Im Ergebnis der Finanzmarktkrise dürften deutsche Wohnimmobilien in den Ballungsräumen zu den Gewinnern zählen. Denn der rasante Anstieg der Staatsverschuldung schafft Inflationssorgen. Und viele erinnern sich der alten Weisheit, dass eine Altersvorsorge auf dem Grundbuch besser steht als auf dem Sparbuch. Die Preisstabilität dürfte zudem durch die geringen Neubauten in Deutschland gestützt werden: 2008 wurde mit knapp 170 000 neuen Einheiten ein historischer Tiefpunkt erreicht. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. Echte Stabilität bieten nur Ballungsräume, die vom Zuzug aus den ländlichen Regionen profitieren.

Als Alternative zum Haus- oder Wohnungskauf bieten sich Immobilienfonds an. Große Emittenten haben schon neue milliardenschwere Wohnimmobilienfonds angekündigt, das Produktangebot dürfte in den nächsten 18 Monaten deutlich steigen. Dabei sortiert sich die Branche derzeit neu. Die Schließung einiger offener Immobilienfonds hat die Anbieter viel Vertrauen gekostet, dennoch eignen sich diese Fonds gut zur Diversifikation. Anleger sollten aber auf die feinen Unterschiede achten. So drohen bei Gewerbeimmobilienfonds noch Abwertungen. Trotz aller Risiken bestehen hier dennoch gute Chancen, mittel- bis langfristig solide Renditen zu erwirtschaften.

Auch Investments in geschlossene Immobilienfonds bieten sich an. Anleger sollten hier aber beachten, dass diese im Notfall nicht kurzfristig verkauft werden können. Im Fokus der Initiatoren stehen deutsche Objekte. Denn Investoren bevorzugen derzeit eher einen Fonds mit fünf Prozent Rendite, bei dem sie das Objekt kennen oder zumindest kennenlernen können, als einen Fonds, der zwar zweistellige Renditen verspricht, jedoch Projektentwicklung in Indien betreibt. Auf Grund der Besonderheiten des Marktes sollten Anleger auf erfahrene Initiatoren setzen.

Neben Wohnfonds sind auch klassische Gewerbevehikel attraktiv. Gefragt sind derzeit vor allem Fonds mit einem sogenannten Core-Objekt in guter Lage, mit langen Mietvertragslaufzeiten und bonitätsstarken Mietern.

Eine weitere Möglichkeit sind Investments in Immobilienaktien. Diese erlebten bis Anfang 2009 eine Talfahrt mit Verlusten von teils weit über 90 Prozent. Der Kursverfall bietet nun Chancen. Für langfristig orientierte Anleger ist etwa die Aktie von Hamborner interessant. Die Duisburger haben sich auf Büro- und Gewerbeobjekte mit solventen Mietern wie dm oder netto spezialisiert. Ende Juni hatte das Unternehmen 57 Objekte an 41 Standorten im Bestand. Die Leerstandsquote beträgt niedrige 3,7 Prozent. Im ersten Halbjahr 2009 wurden Miet- und Pachterlöse in Höhe von 11,8 Millionen Euro erzielt. Bei liquiden Mitteln von rund 37 Millionen Euro lag die Eigenkapitalquote bei stolzen 52,6 Prozent. Die Kriegskasse ist für Zukäufe gut gefüllt. Die Aktie (ISIN: DE0006013006) eignet sich für defensive Anleger, die an Ausschüttungen interessiert sind. Die Dividendenrendite liegt aktuell bei über vier Prozent.

Wer seinem Depot etwas Spekulatives beimischen will, kann zu Colonia Real Estate greifen. Die Kölner investieren in Wohnimmobilien und werden derzeit mit einem Abschlag von mehr als 50 Prozent zu dem inneren Wert ihres Portfolios gehandelt. Im dritten Quartal 2009 gelang die Rückkehr in die Gewinnzone, Colonia verdiente 8,3 Millionen Euro nach Steuern. Das Management hat durch Kosteneinsparungen und den Abbau des Leerstands den Weg aus der Krise gefunden. Eine renommierte Hamburger Privatbank hat die Aktie (ISIN: DE0006338007) sogar zum "Top-Pick" der Branche erhoben und das Kursziel 8,90 Euro ausgegeben. Derzeit steht das Papier gerade einmal bei rund 4,50 Euro.

Tarik Dede arbeitet bei PLATOW, dem bekannten Informationsdienst für Wirtschaft, Kapitalmarkt und Politik.

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