Ärzte Zeitung, 13.01.2010

Nicht jede Police ist für Häuslebauer sinnvoll

Ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen macht viel Arbeit. Darüber wird oft ein Aspekt des Immobilienbesitzes vernachlässigt: die Versicherung.

Von Anne-Christin Gröger

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Ein Dach allein bietet noch keinen ausreichenden Schutz, der Rest lässt sich aber versichern. © mapoli-photo / fotolia.com

Das ist sicher: Die herkömmliche Hausratversicherung reicht nicht für ein Eigenheim. "Eine der wichtigsten Policen für Hausbesitzer ist die Gebäudeversicherung", sagt Wolfgang Koppitz, Berater beim Versicherungsmakler Südvers. Sie zahlt, wenn ein Sturm das Dach abdeckt oder Wasser aus geplatzten Rohren das Parkett aufquellen lässt. Ohne Schutz drohen im Schadenfall hohe finanzielle Belastungen.

Vielen Eigentümern ist dieses Risiko häufig nicht bewusst. Sie schließen keine Zusatzdeckungen für Elementarschäden ein. Dann zahlt kein Versicherer bei Überschwemmungen, Erdbeben, Schneedruck und Erdrutschen. Je nach geografischer Lage kommen solche Ereignisse häufiger vor, als viele Hausbesitzer wahrhaben wollen.

Policen zu Elementarschäden gibt es nur im Paket

Einzeln können sich Ärzte gegen die Gefahren nicht versichern. Die Unternehmen verkaufen prinzipiell nur Policen gegen alle Elementarschäden. Ein Hausbesitzer an der Elbe schließt auch eine Deckung für Lawinengefahr ab, der Besitzer eines Häuschens in den Bergen auch eine gegen Hochwasser.

Eine Überflutung, ein kleines Erdbeben oder ein Erdrutsch können Schäden in einer Größenordnung anrichten, die den Besitzer in den Ruin treiben. Davor warnt Versicherungsexperte Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Gerade in Neubaugebieten in Hanglage ist es wichtig, einen Elementarschutz in die Versicherung einzubauen", sagt er. "In solchen Lagen kann es immer passieren, dass der Hang rutscht." Das kann für den Hauseigentümer das Aus bedeuten. "Er muss das neue Haus abbezahlen, obwohl es komplett zerstört ist", sagt Wortberg.

Schon in der Bauphase des Eigenheims gilt es einiges zu beachten, damit der Traum von den eigenen vier Wänden nicht im Fiasko endet. Eine Bauleistungsversicherung ist für Bauherren unverzichtbar. Sie schützt vor unvorhergesehenen Schäden durch mangelhaftes Baumaterial, bei Zerstörung durch Stürme oder Hochwasser. Sie zahlt auch bei Diebstahl, etwa wenn Einbrecher bereits montierte Heizkörper stehlen.

Verbraucherschützer Wortberg empfiehlt zudem, vor Baubeginn eine Bauherrenhaftpflichtpolice abzuschließen. Sie springt ein, wenn ein Handwerker stürzt und in eine Baugrube fällt - und der Geschädigte eine Schuld oder Mitschuld des Bauherren nachweisen kann. Klagt der Verunglückte, fungiert die Versicherung auch als Rechtsschutzversicherung für den Hauseigentümer.

Eigentümer, die einen Heizöltank auf ihrem Grundstück haben, müssen sich unbedingt gegen einen Gewässerschaden absichern. Läuft Heizöl aus, kann das richtig teuer werden. "Wenn der Tank draußen steht, ist die Police ein absolutes Muss", sagt Wortberg. "In Hochwassergegenden ist es aber ratsam, den Tank auch dann zu versichern, wenn er im Keller steht."

Die gerne von Vertretern angepriesene Glasbruchversicherung sei hingegen meist überflüssig. Eine kaputte Scheibe kostet einen Bruchteil der jahrelangen Prämienzahlungen. "Das lohnt sich nur für Häuser mit großen Wintergärten und vielen Glasfronten", sagt Wortberg.

Schäden durch Mieter sind versicherbar

Für Besitzer von Mietwohnungen kann der Schutz vor Mietnomaden sinnvoll sein. Manche Mieter zahlen nie einen Cent Miete. Andere hinterlassen die Wohnung völlig zerstört. Mietausfall und Schäden an der Wohnung deckt die Police ab. Alexander Wiech von Haus & Grund, einem Interessenverband für Vermieter, hält aber nichts davon. "Die Prämien sind zu hoch, als dass sie sich lohnen könnten", sagt er. Er rät zu Alternativen wie einem Solvenzcheck des potentiellen Mieters. "Stimmt der Interessent einer Überprüfung zu, ist er meist kein Mietnomade."

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