Ärzte Zeitung, 08.02.2010

Die Jagd nach billigen Pötten - eine Chance?

Schiffe werden in der gegenwärtigen Krise zu Schleuderpreisen verkauft, meinen einige Fondsanbieter und suchen Investoren für die Einkaufstour.

Von Patrick Hagen und Katrin Berkenkopf

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In der Transportkrise sind die Preise für Schiffe je nach Typ gesunken - mitunter bis zur Hälfte. © Burkert / fotolia.com

Anleger lassen zurzeit lieber die Finger von Schiffsbeteiligungen, da die schlechte Lage der Schifffahrt viele Fonds in Schieflage gebracht hat. Jetzt versprechen die Anbieter einer ganzen Reihe neuartiger Fonds, dass die Anleger von der Krise der Transportbranche profitieren können. Die Idee klingt plausibel: In der Krise günstige Schiffe kaufen und sie in einigen Jahren teuer weiterverkaufen. Mehr als ein halbes Dutzend dieser "Geierfonds" sind bereits auf dem Markt. Sie heißen Krisen-Gewinner, Schnäppchenfonds oder Shipping Opportunity. Doch Branchenexperten sind skeptisch: Es werde sich erst in einigen Jahren zeigen, ob die geplanten Käufe wirklich Schnäppchen sind.

Die Wirtschaftskrise hat viele Reeder in Bedrängnis gebracht. Die Mietpreise (Charterraten) für Containerschiffe sind seit Dezember 2008 stark gefallen. Es gibt zu viel Frachtraum für zu wenig Ladung. Weltweit liegen derzeit mehr als 500 Schiffe unbeschäftigt vor Anker. In der Folge sind die Preise für Schiffe je nach Typ um mehr als die Hälfte gesunken. Die ersten Schnäppchenjäger haben schon zugeschlagen: Das Hamburger Emissionshaus Maritim Equity kaufte zusammen mit der Reederei Carsten Rehder zwei Containerfrachter für 21,5 Millionen US-Dollar, vergleichbare Schiffe kosteten vor der Krise 45 Millionen US-Dollar. Auch die Anbieter Hanse Capital und Oltmann haben bereits günstige Schiffe für ihre Fonds gekauft.

Ein günstiger Kaufpreis alleine garantiert aber noch nicht, dass der Kauf für den Anleger ein Erfolg wird. "Ob der Kauf eines Schiffs ein Schnäppchen war, entscheidet sich erst im Laufe der nächsten Jahre", warnt der Schiffsfonds-Experte Jürgen Dobert. Denn der Fonds muss unter Umständen eine lange Zeit überbrücken, bis das Schiff wieder eine einträgliche Beschäftigung hat. So kann ein günstig eingekauftes Schiff schnell wieder teuer werden.

Insgesamt ist das Interesse der Anleger an den neuen Fonds nicht so groß wie erhofft. Ausnahmen sind die Anbieter Oltmann oder Hanse Capital. "Generell ist die Ausbeute der Schnäppchenfonds bisher sehr dürftig gewesen", sagt Dobert. HCI Capital, bisher Marktführer bei klassischen Schiffsbeteiligungen, hat erst vier Millionen Euro für seinen Fonds "HCI Shipping Opportunity" bei Anlegern eingeworben, angepeilt sind mindestens 20 Millionen Euro. Der Anbieter will allerdings auch erst im laufenden Jahr kaufen. "Wir gehen davon aus, dass wir die wirklich attraktiven Opportunitäten erst im Laufe des gerade begonnenen Jahres und im kommenden Jahr sehen werden", sagt HCI-Vorstand Oliver Moosmayer.

Die Zurückhaltung der Anleger liegt auch an der Konzeption der Fonds als sogenannte Blind Pools. Anders als bei traditionellen Fonds weiß der Anleger bei Zeichnung des Fondsanteils nicht, wofür sein Geld später verwendet wird.

Manche Experten sind skeptisch, ob es viele Kaufgelegenheiten geben wird. "In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob sich überhaupt ausreichend Gelegenheiten zum Kauf gebrauchter Schiffe zu Schnäppchenpreisen bieten werden", sagt Tim Richter von Nordcapital, einem großen Anbieter von Schiffsbeteiligungen, der selbst keinen "Geierfonds" im Angebot hat.

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