Ärzte Zeitung, 22.03.2010

Quo vadis Immobilienaktien?

Die Börsenkurse von Immobilienaktien befinden sich im Aufwärtstrend. Und die Gesellschaften stocken ihr Eigenkapital auf. Trotzdem raten nicht alle Analysten zum Kauf.

Von Richard Haimann

Quo vadis Immobilienaktien?

Über 100 Prozent Kursgewinn in den vergangenen Monaten waren keine Seltenheit bei Immobilienaktien. © Arto / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Immobilienaktien haben Anlegern in den vergangenen zwölf Monaten hohe Kursgewinne beschert. Während der DAX-Index um 62 Prozent gestiegen ist, legten die Kurse börsennotierter Immobiliengesellschaften um bis zu 150 Prozent zu. Analysten sind geteilter Ansicht, ob die Rallye weitergeht.

Zu den Optimisten zählt Dieter Thomaschowski, Geschäftsführer des auf Immobilienaktien spezialisierten Analysehauses Investment Research in Change IC (IRICIC): "Die Papiere haben noch deutlich Luft nach oben." Die Aktien der börsennotierten Wohnungs- und Gewerbeimmobilienunternehmen würden derzeit alle unter dem Nettovermögenswert ihres Immobilienbestands gehandelt. Dies liege daran, dass Anleger nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers alle Immobilienpapiere in Panik auf den Markt geworfen hätten. Von 2007 bis März 2009 fielen die Kurse im Schnitt um mehr als 90 Prozent. "Der wahre Wert der Immobilien ist trotz der Rallye in den gegenwärtigen Börsennotierungen noch nicht enthalten", sagt Thomaschowski.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine neue Studie der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Solventis. Danach müssten die Kurse der meisten Immobilienaktien noch um 40 Prozent steigen, um den realen Marktwert der Bestände der Gesellschaften widerzuspiegeln.

Besonders hohes Kurspotenzial sehen die Solventis-Analysten bei der Aktie der Wohnungsholding Gagfah (WKN LU0269583422). Seit März 2009 stieg das Papier um 135 Prozent. Die Dividendenrendite beträgt auf dem derzeitigen Kursniveau aber immer noch mehr als zehn Prozent. Weiterer Favorit ist der Gewerbeimmobilienspezialist DIC Asset (DE0005098404). Sein Kurs ist in den vergangenen zwölf Monaten um 150 Prozent gestiegen. Die Dividendenrendite liegt aktuell bei rund vier Prozent.

Auch Frank Neumann, Analyst beim Bankhaus Lampe, rät zum Kauf der DIC Asset-Aktie: "Das Immobilienportfolio hielt sich 2009 mit einem Marktwert von 2,2 Milliarden Euro stabil." Zudem bereitet sich die Gesellschaft darauf vor, die derzeitige Schwäche an den Gewerbeimmobilienmärkten zum Einkauf zu nutzen: Über eine Kapitalerhöhung will die DIC Asset bis Ende des Monats bis zu 47 Millionen Euro an frischen Mitteln in die Kasse bekommen. Wegen des globalen Wirtschaftsabschwungs haben Unternehmen weltweit ihren Flächenbedarf zurückgefahren. Dadurch sind auch in Deutschland die Mieten und Preise von Gewerbeimmobilien gefallen.

Zu Neumanns weiteren Favoriten zählt die Deutsche Euroshop (DE0007480204). Der Einkaufscenter-Betreiber hat sich jüngst über eine Kapitalerhöhung 123 Millionen Euro beschafft und damit in das "A10-Center" beim neuen Flughafen Berlin-Brandenburg investiert. "Das Unternehmen hat das Geld aus der Kapitalerhöhung gut verzinslich angelegt", urteilt Neumann und rät zum Kauf der Aktie.

NordLB-Analyst Constantin Rohrbach rät derzeit hingegen vom Kauf von Immobilienaktien ab: "In den Vereinigten Staaten haben zahlreiche Investoren Probleme, ihre Kredite zu refinanzieren." Komme es zu Notverkäufen im großen Stil, würden die Preise von Bürotürmen und Shoppingcentern und die Aktienkurse ihrer Bestandhalter noch einmal massiv einbrechen, warnt Rohrbach. "Da die US-Papiere Schrittmacher für die deutschen Branchenwerte sind, dürften auch hierzulande die Notierungen rasch nachgeben."

Etliche deutsche Immobiliengesellschaften könnten wegen der Wirtschaftskrise bald gezwungen sein, ihre Dividenden zu kürzen, so der Analyst. "Weil immer mehr Unternehmen Stellen abbauen, sinkt auch der Bedarf an Büroflächen." Mit der steigenden Arbeitslosigkeit leide der Konsum. Damit steige das Vermietungsrisiko bei Einzelhandelsflächen.

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