Ärzte Zeitung, 31.05.2010

Anlagen-Kolumne

Politisch brisant, strategisch klug: Globalisierung im Depot

Die Musik auf den Anlagemärkten spielt in Zukunft in den geburtenstarken Ländern außerhalb Europas. Hier finden Investoren eine Reihe lukrativer Möglichkeiten.

Von Gottfried Urban

Die Schuldenmisere ist eines der dringlichsten Probleme der Gegenwart. Kann Wachstum das Problem lösen? Ja, Wachstum ist der Schlüssel zu höheren Steuereinnahmen. IWF-Ökonomen verweisen darauf, dass hohe Staatsverschulung das Wachstum signifikant hemmt. Auch ein zweiter Wachstumstreiber - die zunehmende Bevölkerung - ist nur in den USA und ausgewählten Ländern gegeben. In Europa und Japan nicht. Im Gegenteil. Dort wird die demografische Entwicklung das Problem der Staatsverschuldungen in den kommenden Jahren verschärfen.

Selbst wenn wir in Europa keine neuen Schulden mehr machen, werden immer weniger Köpfe die Schulden tragen müssen. Der Staat sind wir, das bedeutet, dass jeder Deutsche eine öffentliche Schuldenlast von etwa 22 000 Euro zu stemmen hat. Die Hauptlast für den Schuldenabbau können aber nur die Erwerbstätigen tragen. Hier liegt die Zahl bei etwa 37 000 Euro pro Erwerbstätigen. Doch es wird noch schlimmer kommen. Obwohl die Bundesrepublik nach wie vor zu den führenden Industrienationen zählt, sind ihre Zukunftsaussichten alles andere als rosig. Denn die demografische Entwicklung wird die Schuldenproblematik in den kommenden Jahren verschärfen. Schafft es der Staat, die nächsten 40 Jahre zumindest keine neuen Schulden mehr zu machen, so ergibt sich im Jahr 2050 pro Erwerbstätigen bereits ein Schuldenstand von 60 000 Euro.

Grundsätzlich lässt sich konstatieren: Liegt die Geburtenrate eines Landes bei 2,1 Kindern pro Frau, wird seine Bevölkerung in Zukunft etwa konstant bleiben. Diesem "Ersatzniveau" kommen in Europa aber nur Frankreich und die nordischen Länder nahe. Die deutschsprachigen Länder und die übrigen Staaten Mittel-, Ost- und Südeuropas weisen deutlich niedrigere Geburtenraten zwischen 1,3 und 1,5 auf. Nach heutigem Kenntnisstand werden 2050 in Deutschland nicht mehr 82 Millionen Menschen leben, sondern 55.

Bereits 2015 drohen der Bundesrepublik negative Konjunktureffekte. Experten gehen davon aus, dass ab 2025 eine Rezession nicht mehr zu verhindern ist, denn dann wird der negative demografische Effekt Deutschland jedes Jahr über zwei Prozent Wachstum kosten. Bleibt der prognostizierte Trend im Bevölkerungswachstum, bedeutet dies: 2030 wird Deutschland wieder die Wirtschaftsleistung von 1985 und 2050 die von 1975 erreichen.

Hier ist ein radikaler Strategiewechsel in der Geldanlage notwendig. Nun entsteht eine neue multipolare Ordnung mit den BRIC Staaten als erste Herausforderer. Und eine Reihe sogenannter Frontierstaaten steht in Lauerstellung: arabische Länder, islamische Staaten und Afrika - alle mit positiven Wachstumsperspektiven dank wachsender Bevölkerung und mit steigenden Konsum- und Wohlstandsansprüchen. Diese Perspektive ist politisch durchaus brisant, sollte aber bei der Langfriststrategie bei der Geldanlage eine wichtige Rolle spielen. Anleger sollten ihr Depot internationalisieren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »