Ärzte Zeitung, 26.07.2010

Frühe Vögel fangen nicht immer den Zinswurm

Jetzt schon die aktuellen Zinsen für den Anschlusskredit sichern - das denken viele Bauherren und entscheiden sich für ein Forward-Darlehen. Nicht immer wird das belohnt.

Von Jürgen Lutz

Frühe Vögel fangen nicht immer den Zinswurm

Die Prognose der Zinsentwicklung spielt bei der Entscheidung über ein Forward-Darlehen eine große Rolle.

© McPhoto / imago

Mit Forward-Darlehen fahren Bauherren offenbar nur in jenen Phasen gut, in denen die Zinsen im Vergleich zu den Vorjahren deutlich niedriger sind. Das ergibt sich aus einer Untersuchung der FMH-Finanzberatung mit Zinsdaten, die bis 2002 zurückreichen. Demnach haben Eigenheimbesitzer mit Forward-Darlehen, die sie eigentlich gegen steigende Zinsen schützen sollen, in den vergangenen Jahren bis zu 30 000 Euro mehr bezahlt als nötig.

"Der Abschluss eines Forward-Darlehens hätte sich bei einer Vorlaufzeit von einem Jahr nur in 25 Prozent der Fälle gelohnt. Bei längeren Vorlaufzeiten sehen die Ergebnisse sogar noch schlechter aus", resümiert FMH-Inhaber Max Herbst die Auswertung. So wäre es bei einer Vorlaufzeit von 24 beziehungsweise 36 Monaten nur in maximal 17 Prozent der Fälle besser gewesen, ein Forward-Darlehen abzuschließen. "Auch uns haben diese Ergebnisse überrascht", so Herbst.

Forward-Darlehen

Das Forward-Darlehen ist ein verbindlicher Darlehensvertrag, der bis zu drei Jahre vor Ablösung eines laufenden Vertrages geschlossen wird. Damit können sich Bauherren gegen einen Aufschlag die Zinsen von heute für die Zeit der Anschlussfinanzierung sichern.

Besonders deutlich machte sich das im Geldbeutel jener Bauherren bemerkbar, die 2002 ein 36-monatiges Forward-Darlehen für zehn Jahre fest abschlossen. Sie hätten die Anschlussfinanzierung 2005 im Schnitt um drei Prozentpunkte billiger bekommen, wenn sie kein verbindliches Forward-Darlehen vereinbart hätten. "Bei einem Darlehen von 100 000 Euro gaben diese Eigenheimbesitzer über die zehn Jahre hinweg rund 30 000 Euro mehr aus als nötig", so Herbst. Auch bei kürzeren Laufzeiten mussten sie unnötige Mehrausgaben tragen: Bei zwölf Monaten Vorlaufzeit war im ungünstigsten Fall ein um 1,77 Prozent höherer Zins zu zahlen, bei 24 Monaten Vorlauf waren es maximal 1,84 Prozent.

Einen Gewinn brachten die Forward-Darlehen nur im Jahr 2005, als die Zinsen sehr niedrig waren. "Im besten Fall - Vertragsabschluss im November 2005 und Ablösetermin zwei Jahre später - ließ sich ein Baukredit über 100 000 Euro bei einer Zinsbindung von zehn Jahren dank Forward-Darlehen rund 4500 Euro günstiger finanzieren", rechnet Herbst vor.

Fazit der Studie: Forward-Darlehen lohnen sich nur, wenn die Zinsen derart niedrig sind, dass eine Erhöhung in naher Zukunft sehr wahrscheinlich ist.

Ob dies in den nächsten Jahren so kommen wird, ist unter Experten umstritten. Herbst rät daher, den Abschluss eines Forward-Darlehens zu planen und Gespräche zu führen, aber noch keinen Forward-Vertrag zu unterschreiben. Der Grund: Je länger sich der Abschluss hinauszögert, desto niedriger ist der Forward-Aufschlag. Allerdings sollte man auch darauf achten, den Zug nicht zu verpassen: "Wer in der aktuellen absoluten Niedrigzinsphase ein Forward-Darlehen zum richtigen Zeitpunkt unterschreibt, dürfte sich ziemlich lange darüber freuen", so Herbst.

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