Ärzte Zeitung, 30.08.2010

Anlagen-Kolumne

Spontaneität zahlt sich für Investoren nicht immer aus

Ein universell gültiges Prognosemodell, wann Anleger in Aktien investieren sollten, gibt es noch nicht - langfristig ausgelegte Strategien werden aber oft belohnt.

Von Gottfried Urban

Investieren in Aktienmärkte ist und bleibt eine Frage der Risikotragfähigkeit und des Anlagehorizontes. Denn es gibt bis heute kein universell gültiges Prognosemodell, das auf Dauer zuverlässig sagen kann, wann Anleger in Aktien investieren sollten und wann nicht.

Bewährt hat sich, die Schwankungen zu akzeptieren und dafür eine fundierte Strategie für Aktien anzuwenden, die gute Ergebnisse liefert. Selbst wenn Investoren Aktien bei Erreichen von Kursuntergrenzen automatisch verkaufen, um Verluste zu begrenzen, sind in bestimmten Marktphasen große Verluste möglich.

Je mehr Anleger Kursuntergrenzen im Markt platzieren um so größer sind die Ausschläge. Sind alle Stopp Orders ausgeführt, setzt wieder die Trendwende ein.

Zwei Faktoren machen den Markettimern das Leben schwer. Erstens legen die Aktienmärkte langfristig stärker als Zinsanlagen an Wert zu. Da Erträge aus Produktivkapital langfristig immer über den Zinskosten liegen müssen. Zudem wird die Zahl der Konsumenten weltweit in den nächsten Jahrzehnten wachsen, vielleicht nicht in den Industrieländern aber in den aufstrebenden Märkten der Welt. Zweitens stellt sich regelmäßig das Problem, den Wiedereinstieg zu verpassen, weil nach einem Kursrutsch die Reißleine gezogen und nicht schnell genug wieder eingestiegen wurde. Gerade 2010 wurden Markettimer mehrmals auf dem falschen Fuß erwischt. Wegen der großen Unsicherheit etwa über die Entwicklung der Staatshaushalte geht der Markt auf Tauchstation, es wird zu tiefen Kursen vorsichtshalber verkauft. Ein paar Tage später sind die Kurse aber schon wieder deutlich höher. So liegt man schnell zehn Prozent und mehr hinter dem Markt zurück. Bei langen und großen Abwärtstrends funktioniert das System schon eher.

Wer auf günstige Kurse wartet, muss schon rein rechnerisch in sieben von zehn Fällen mit seinen Prognosen richtig liegen, um langfristig auf die Rendite des Aktienmarkts zu kommen. Und oftmals liegen Tage mit starken Kursverlusten und starken Kursgewinnen eng beieinander.

Die Antwort der Kapitalmarktforschung dazu ist eindeutig: Wer sich eisern an einen Ansatz hält, der langfristig vom Markt belohnt wurde, vermeidet spontane Entscheidungen und wird mit einer Überrendite belohnt. Niedrige Bewertungen verbunden mit einer relativen Stärke versprechen Gewinne, hohe Bewertungen spiegeln dagegen bloß die Hoffnung auf Gewinne wider, genährt von guten Stories von Tipp-Gebern. Mit dieser Strategie gelingt bestenfalls ein Zufallstreffer.Gurus wie Warran Buffet halten sich übrigens selbst nicht für fähig, den Markt auszurechnen und Vertrauen nur langfristigen Strategien und studieren die Unternehmenskennzahlen sehr genau. Warum sollten es Privatanleger anders machen?

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