Ärzte Zeitung, 15.09.2010

Schein für Schein zum großen Finanz-Polster

Strategie, Geduld und Kontinuität sind drei Aspekte, die Anleger beim mittel- bis langfristigen Investieren brauchen, um ein stattliches Vermögen aufbauen zu können.

Von Jürgen Lutz

Schein für Schein zum großen Finanz-Polster

Die wundersame Geldvermehrung ist auch eine Frage des richtigen Vermögensaufbaus.

© Franz Pfluegl / fotolia.com

Ärzte, die sich bei der Altersvorsorge nicht nur auf den Praxisverkauf und das Versorgungswerk verlassen wollen, stehen vor der Wahl: Entweder sie nehmen niedrige Sparzinsen hin oder sie setzen ihr Geld zumindest teilweise den Wagnissen der Finanzmärkte aus. Doch nach einem Jahrzehnt des wilden Auf und Ab an den Aktienmärkten sowie nach dem massiven Einbruch im Jahre 2008 sind viele Niedergelassene verunsichert: Sollen sie sich wirklich wieder auf Aktien & Co. einlassen?

Wertpapiere gehören gerade in Krisenzeiten ins Depot

Auf jeden Fall, meint Max Otte, Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms. Otte, der neben seiner Lehrtätigkeit als Manager eines Hedge Fonds tätig ist, hält niedrig bewertete und substanzhaltige Aktien auch in unsicheren Zeiten für unverzichtbar. Aktien seien Investitionen in ein Realvermögen und gehörten in Phasen, in denen das Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems bröckelt, ins Depot.

Doch nicht nur Aktien bergen Risiken und Chancen - auch mit Anleihen (Renten) konnten Anleger in den vergangenen Jahren erhebliche Kursgewinne erzielen. Ärzte, die investieren wollen, sollten sich bei ihren Entscheidungen jedoch nicht von den jüngsten Marktentwicklungen leiten lassen, rät Ferenc Schmidt, Experte für Investmentsparen bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank). Wichtig sei vielmehr eine Strategie, die die Risiken minimiere, ohne die Chancen wesentlich zu schmälern, und zudem zur Persönlichkeit des Anlegers passe.

Unabhängig vom konkreten Produkt gehören nach Schmidts Ansicht folgende Punkte zu dieser Strategie:

  • Möglichst früh anfangen und dabeibleiben: Je früher man mit der Geldanlage beginnen kann, desto besser. Wer 30 Jahre lang monatlich 250 Euro zurücklegt, die über die Jahre hinweg eine durchschnittliche Rendite von fünf Prozent abwerfen, hat am Ende vor Steuern fast 205 000 Euro zur Verfügung. Beträgt die Spardauer 15 Jahre, kommen nur gut 66 000 Euro zusammen. Um in der kürzeren Zeitspanne 205 000 Euro zu erreichen, müssten pro Monat fast 770 Euro angespart werden.
  • Über mehrere Anlageklassen streuen: Bei einer Geldanlage, die sich über 20 oder mehr Jahre erstreckt, wird es immer Phasen geben, in denen eine Anlageklasse erheblich besser oder schlechter läuft als andere. "Wer Aktien, Anleihen und Immobilien im Depot hat, reduziert das Risiko und kann zudem den Abschwung in einer Anlageklasse besser verschmerzen als jemand, der alles auf eine Karte setzt", so Schmidt. Als Faustregel für den Aktienanteil im Depot sieht er die Formel "100 minus Lebensalter". Ein 40-Jähriger sollte so nicht mehr als 60 Prozent Aktien im Depot haben.
  • Produkte mit Diversifikation wählen: Aktie oder Aktienfonds - was ist besser? "Wer nicht selbst die Expertise hat, aussichtsreiche Papiere auszuwählen, ist mit Aktienfonds besser beraten", sagt Klaus Hinkel, Vorstand der Vermögensverwaltung Artus Direct Invest. Gleiches gelte auch für Renten. Denn mit einem Fonds streuen Anleger ihr Geld auf Dutzende von Wertpapieren und mindern so das Risiko eines Fehlgriffs.
  • Kursschwankungen zum eigenen Vorteil nutzen: Wer kontinuierlich in einen Fonds spart, der im Wert schwankt, kann von diesen Schwankungen dank des Durchschnittskosten-Effekts profitieren. Voraussetzungen: Der Sparplan läuft möglichst lange, und es wird stets eine fixe Summe Geld investiert. "In diesem Fall kauft der Anleger in Zeiten schwacher Märkte viele Anteile und wenige, wenn die Kurse gestiegen sind", so Schmidt. Im Endeffekt hat der Sparer damit mehr Anteile im Depot, als wenn er immer die gleiche Anzahl an Anteilen gekauft hätte.

Auch konservative Anleger kommen auf ihre Kosten

Auch konservative Anleger, die per Sparplan in einen Fonds einzahlen, können so einen stärkeren Akzent auf Aktien legen. Eine Bedingung gibt es, damit der Durchschnittskosten-Effekt zum Tragen kommt: "Anleger sollten den im Fonds angesparten Betrag nicht in der Baisse, sondern in einem Börsenaufschwung verkaufen", rät apoBank-Experte Schmidt.

Ein Service der Deutschen Apotheker- und Ärztebank

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Neuer Expertenrat zum strategischen Vermögensaufbau

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