Ärzte Zeitung, 20.09.2010

Anlagen-Kolumne

Die Zinsen sinken und sinken - ein Profiteur ist das Gold

Die Zinsen sind derzeit auf dem niedrigsten Stand der Wirtschaftsgeschichte. Daraus werden in nächster Zeit vor allem Gold-Anleger Kapital schlagen können.

Von Jens Ehrhardt

Das vergangene Jahr war geprägt von überwiegend negativen Prognosen privater und institutioneller Anleger (Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften). Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein derartiger Pessimismus an den Märkten mit Kursgewinnen beantwortet wird.

In diesem Jahr sind es vor allem die geldpolitischen Vorgaben, die bei den positiven Börseneinflussfaktoren vorne anstehen. Die Tatsache, dass die Zinsen heute vergleichbar sind mit jenen zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre oder sogar noch niedriger, deuten viele Experten als Vorläufer erneut schlechter Wirtschaftszeiten. Übersehen wird dabei allerdings, dass in der damals und heute größten Volkswirtschaft, den USA, die jährlichen Deflationsraten Anfang der 1930er Jahre bei annähernd zehn Prozent lagen und der Realzins wesentlich höher war als heute. Wer damals einen Kredit aufnahm, hatte die negative Perspektive vor Augen, dass die Verbindlichkeit in den kommenden Jahren real, also in Gütereinheiten bewertet, im Wert stieg. Heute hingegen sind die Zinsen nicht nur nominal sondern auch real auf dem niedrigsten Stand der Wirtschaftsgeschichte.

Zinsrückgänge sind grundsätzlich positiv für sämtliche Vermögenspreise. Alle Anlageformen, die eine Rendite abwerfen, werden durch die Zinsrückgänge relativ gesehen attraktiver. Es ist durchaus realistisch, dass der starke Zinsverfall bis auf weiteres zumindest ein Gegengewicht zu den internationalen Verschuldungsproblemen bildet, oder sogar weitere positive Impulse auf die internationalen Aktienbörsen folgen.

Solange die Zentralbanken die Geldpressen weiter laufen lassen und die Realzinsen extrem niedrig bleiben, dürfte insbesondere der Goldpreis weiter profitieren. Dies gilt vor allem für den Fall, dass die Inflationsraten wieder anziehen. In Dollar gerechnet erreichte der Goldpreis in den letzten Tagen immer neue Höchststände. In Euro gerechnet wurde der Anstieg durch den zuletzt wieder rückläufigen Dollar abgeschwächt. In Zukunft ist es wahrscheinlich ratsam, auf währungsbesicherte Goldanlagen zurückzugreifen.

Zur Person: Dr. Jens Ehrhardt ist unabhängiger Fondsmanager. Mit seinen Fonds erreicht er immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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