Ärzte Zeitung, 10.01.2011

Konjunktur unter Dampf - ein gutes Omen

Die Wirtschaft nimmt weltweit wieder an Fahrt auf. Die Mehrheit der Analysten erwartet steigende Aktienkurse im neuen Jahr - und raten Anlegern vom Einstieg in Staatsanleihen derzeit ab.

Von Richard Haimann

Konjunktur unter Dampf - ein gutes Omen

Weißer Rauch, der Analysten gefällt: Sie hoffen auf steigende Kurse der Unternehmensaktien.

© Ralf Hasemann / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Raus aus Staatsanleihen, rein in Aktien - diese Strategie empfehlen die meisten Analysten Anlegern zu Beginn des neuen Börsenjahres. Besonders optimistisch ist dabei Folker Hellmeyer.

Der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank erwartet eine starke Kursrallye beim deutschen Aktienindex: "Der Dax wird am Jahresende bei mindestens 8150 Zählern notieren."

Dax-Zuwächse beflügeln die Fantasie der Finanz-Experten

Das würde einem Plus von rund 16 Prozent gegenüber dem Kursstand Ende vergangener Woche entsprechen. Bereits 2010 hatte der Dax Gewinne in dieser Größenordnung verzeichnet. Auch Philip Saunders, Stratege bei Investec Asset Management, rechnet mit einer Fortsetzung der Rallye: "Die Aktienmärkte in Europa und Nordamerika werden 2011 deutliche Kursgewinne verzeichnen."

Was die Börsen treibe, sei der weltweite Konjunkturaufschwung. "Unternehmen in Europa werden ihre Gewinne dadurch in diesem Jahr deutlich steigern können", sagt Saunders.

Ähnlich sieht das Igor de Maack, Manager der Investmentgesellschaft DNCA Finance: "Europäische Gesellschaften dürften Ertragszuwächse von zwölf Prozent erzielen."

Ihre Börsenkurse könnten dabei sogar noch stärker steigen: "In den vergangenen Monaten haben Investoren europäische Aktien zugunsten von Papieren aus Schwellenländern vernachlässigt", sagt de Maack. Dieser Trend dürfte sich nun umkehren.

Karsten Junius, Leiter Kapitalmarkt Research der DekaBank, erwartet hingegen auch bei Aktien von Unternehmen aus Schwellenländern in Asien und Lateinamerika weitere Kurssteigerungen: "Die Konjunktur in diesen Regionen wächst rapide."

Hingegen raten die meisten Experten davon ab, jetzt in europäische Staatsanleihen zu investieren. Nicht nur die Euro-Krise laste auf diesen Papieren. Vor allem der Wirtschaftsaufschwung und die steigenden Lohnkosten in den Kernstaaten der Eurozone dürften die Notierungen unter Druck bringen.

Um die Inflation im Zaum zu halten, werde die Europäische Zentralbank (EZB) im Jahresverlauf den Leitzins von derzeit einem auf mindestens 1,5 Prozent anheben, prognostiziert Landesbank-Chefvolkswirt Hellmeyer. "Dadurch werden die Kurse bereits emittierter Staatsanleihen deutlich fallen, weil neu an den Markt kommende Papiere eine höhere Verzinsung bieten."

Derzeit werfen zehnjährige Bundesanleihen nur eine Rendite von weniger als drei Prozent ab. "Zum Ende des Jahres werden es dagegen mehr als vier Prozent sein", prognostiziert Hellmeyer.

Ad von Tiggelen, Investment-Spezialist bei ING Investment Managers, rät deshalb, zunächst Aktien zu kaufen, zum Jahresende hin jedoch in Anleihen umzuschichten. "Die höchsten Aktienerträge für 2011 könnten in die erste Jahreshälfte fallen."

Sobald die EZB die Leitzinsen anhebe, werde es für Unternehmen teurer, Kredite aufzunehmen. Dieses werde das Gewinnwachstum schmälern. Zugleich aber dürften Anleihen wegen der höheren Verzinsung dann wieder an Attraktivität gewinnen.

Sparkurs der Euro-Länder ruft Skeptiker auf den Plan

Zu den Skeptikern zählt Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen. Ihr Börsenszenario für 2011 fällt ziemlich düster aus: "Der Dax wird zum Jahresende bei nur 6200 Punkten stehen." Traud stimmt der radikale Sparkurs, den immer mehr Euro-Länder einschlagen, um die hohe Staatsverschuldung abzubauen, düster.

Steigende Steuern und geringere Ausgaben der öffentlichen Hand würden die Wirtschaft schwächen. Auch für die USA und die Schwellenländer prophezeit sie kein rosiges Jahr.

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