Ärzte Zeitung, 28.02.2011

Lebensversicherungen: Ernte kann kleiner werden

Ab 2012 sinkt der Garantiezins bei Lebensversicherungen um einen halben Prozentpunkt. Daher erwarten Verbraucherschützer jetzt einen aggressiven Wettbewerb um Neuabschlüsse bis Jahresende. Doch der Garantiezins sagt nicht alles über die Rendite der Policen aus.

Von Anja Krüger

Lebenspolicen: Ernte kann kleiner werden

Wie hoch der finanzielle Ertrag bei Lebensversicherungen ausfällt, hängt davon ab, wann Ärzte ihre Verträge abgeschlossen haben.

© Tom Bayer/fotolia.com

KÖLN. Ärzte, die ab dem kommenden Jahr eine klassische Kapitallebens- oder Rentenversicherung abschließen, erhalten dann eine niedrigere Garantieverzinsung als bei Verträgen, die 2011 unterzeichnet werden.

Das Bundesfinanzministerium hat die Garantieverzinsung von aktuell 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent ab 2012 gesenkt. Verbraucherschützer warnen aber davor, dem jetzt von den Anbietern ausgerufenen Schlussverkauf auf den Leim zu gehen.

Denn über die tatsächliche Rendite sagt der Garantiezins nichts aus. Für Ärzte, die bereits eine Lebensversicherung haben, ändert die Senkung ohnehin nichts.

Der Garantiezins gibt an, wieviel die Versicherer Kunden höchstens fest versprechen dürfen. Auf dieser Basis wissen diese bei Abschluss, wie viel Geld sie beim Ablauf mindestens bekommen.

Hinzu kommen weitere Ausschüttungen wie die laufende Überschussbeteiligung. "Die Senkung des Garantiezinses ist kein Grund, um schnell noch eine Versicherung abzuschließen", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

Er rechnet mit einer Vertriebsoffensive der Anbieter, die den künftig fallenden Zins als Werbeargument nutzen.

Gesamte Gewinnbeteiligung ist der entscheidende Punkt

Für die Rendite einer Police ist die gesamte Gewinnbeteiligung entscheidend. Verbraucherschützer sehen kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen grundsätzlich skeptisch, weil sie die Policen für zu teuer, zu unflexibel und zu undurchsichtig halten.

Die Anbieter verzinsen nicht die gesamte Prämie, die der Kunde zahlt, sondern ziehen vorher Geld für Vermittlergebühren, Verwaltung und Risikoschutz ab. Wie viel das ist, ist ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis.

Das Finanzministerium orientiert sich bei der Festlegung des Garantiezinses an der Entwicklung auf den Kapitalmärkten. Wäre es nach den Versicherern gegangen, hätte es keine oder eine geringere Reduktion gegeben.

Die Regierung hat sich aber für den sichereren Weg entschieden, weil sie das sogenannte Japan-Szenario fürchtet. Dort sind im Zuge einer anhaltenden Niedrigzinsphase sieben große Lebensversicherer zusammengebrochen.

Deutsche Versicherer leiden unter niedrigen Zinsen, die es ihnen schwer machen, mit Kapitalerträgen zugesagte Garantien zu erwirtschaften. Denn sie haben Verträge mit einer garantierten Verzinsung des Sparanteils der Prämie von bis zu 4 Prozent in ihren Beständen.

Bis 1987 lag die Garantieverzinsung stets bei 3 Prozent, danach bis 1994 bei 3,5 Prozent und dann bis 2000 sogar bei 4 Prozent. Danach ging es nur noch abwärts. Welche Garantieverzinsung Ärzte bekommen, hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt sie die Versicherung abgeschlossen haben.

"Der Charakter des Garantiezinses hat sich geändert", sagt Lars Heermann von der Rating-Agentur Assekurata. "Der Garantiezins ist kein Renditeparameter mehr, sondern ein Sicherheitspuffer."

Gewährte Überschüsse sind dem Versicherten sicher

Die Versicherer haben die Mechanismen der Gewinnbeteiligung geändert. Neben dem fixen Garantiezins bekommen Kunden die laufende Überschussbeteiligung, die jährlich neu festgelegt wird.

Im Branchenschnitt liegt sie 2011 inklusive Garantieverzinsung bei 4,1 Prozent. Hat der Versicherer die laufende Überschussbeteiligung einmal gut geschrieben, kann er sie dem Kunden nicht mehr wegnehmen.

Das ist bei der sogenannten Schlussüberschussbeteiligung anders, die erst bei Vertragsende fällig wird. Die Versicherer gehen immer mehr dazu über, die laufende Überschussbeteiligung zu senken und die Schlussgewinnanteile zu erhöhen.

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