Ärzte Zeitung, 23.06.2011

Mehr Investitionen in Wohnungsbau

BERLIN (dpa). Der Wirtschaftsaufschwung ist auch im deutschen Wohnungsbau angekommen. Das Wachstum bei den Investitionen konzentriert sich jedoch auf einige Ballungszentren, wie der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) am Dienstag berichtete.

In vielen anderen Regionen schrumpfe die Bevölkerung in den nächsten Jahren, was zu mehr Leerstand und großen Problemen für die Gemeinden führen könne. GdW-Präsident Axel Gedaschko sprach von einer guten Entwicklung der Branche. Dies zeige sich an steigenden Investitionen und mehr Neubauten, sagte er in Berlin.

Der GdW erwartet in diesem Jahr die Fertigstellung von 178.500 neuen Wohnungen in Deutschland nach 165.000 im vergangenen Jahr. Für seine rund 3000 Mitglieder mit sechs Millionen Wohnungen und 13 Millionen Mietern prognostiziert der Verband bei den Investitionen 2011 ein Plus von 6,7 Prozent. 2010 waren es 4 Prozent nach jahrelangem Rückgang bis 2005 und anschließender Stagnation.

Es sei "eine eindeutige Trendumkehr in der Markteinschätzung der Unternehmen" festzustellen, sagte Gedaschko. Der Anstieg bei der Zahl neu gebauter Wohnungen sei "bitter notwendig", gehe er doch von einem niedrigen Niveau aus. Aus Sicht der Branche sind bis 2015 jährlich 200.000 neue Wohnungen nötig, um den Bedarf zu decken.

Viel gebaut werde in den Regionen München, Köln/Bonn, Rhein/Ruhr, Stuttgart, Hamburg, Rhein-Main und Berlin. Gerade in München, Hamburg und im Rhein-Main-Gebiet seien Wohnungen für kleine und mittlere Einkommen schon jetzt Mangelware.

Ein ganz anderes Bild biete sich in weiten Teilen Ostdeutschlands, sagte Gedaschko. Den größten Leerstand bei den GdW-Wohnungen gebe es in Sachsen-Anhalt (12,9 Prozent) vor Sachsen (10,9 Prozent) und Thüringen (8,7 Prozent). Im Westen hat das Saarland mit 7,1 Prozent den höchsten Leerstand.

Angesichts sinkender Einwohnerzahlen werde sich dieser Trend fortsetzen. Im Zeitraum 2008 bis 2025 erwarte das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung einen Rückgang um 640.000 Haushalte in Ostdeutschland und 155.000 im Westen. Viele Städte und Gemeinden müssten deshalb ihre Infrastruktur "intelligent schrumpfen", sagte der GdW-Präsident.

Gedaschko appellierte an die Bundesregierung, trotz Sparzwangs die Kürzungen bei der Städtebauförderung von rund 560 Millionen Euro (2010) auf 266 Millionen Euro (2012) rückgängig zu machen.

"Wenn wir keine Geisterstädte haben wollen", sollte der Staat den Abriss leer stehender Wohngebäude mit 55 Euro pro Quadratmeter unterstützen, wie vom Land Sachsen im Bundesrat vorgeschlagen. Die Unternehmen müssten zugleich verpflichtet werden, dieses Geld in den Kommunen zu reinvestieren.

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