Ärzte Zeitung, 30.06.2011

Immobilien und Baufinanzierung
Folge 5 und Schluss: Die Praxisimmobilie

Praxisimmobilie - kaufen oder mieten?

Bei der Frage, ob Ärzte die Praxisimmobilie kaufen oder mieten sollen, sind viele Faktoren zu bedenken: Es geht dabei unter anderem um die optimale steuerliche Gestaltung. Vor allem bei größeren Objekten sollten auch die Risiken abgewogen werden.

FRANKFURT/MAIN (eb). Die Finanzierung einer neuen Praxis bindet in der Regel viel Kapital. Wenn die Praxis nicht untrennbar mit der eigenen Immobilie zusammengehört, wie das bei Landarztpraxen häufig der Fall ist, kann es sinnvoll sein, die Räume zunächst anzumieten.

Gerade zu Beginn der selbstständigen Tätigkeit ist es gut, nicht mehr Kapital in die Praxis zu stecken als nötig, weil der Arzt so flexibler bleibt, für den Fall, dass sich der wirtschaftliche Erfolg nicht gleich einstellt.

Wenn dann die Praxis erste Erfolge zeigt, die Rückführung der Existenzgründungsdarlehen fortgeschritten ist und der erste Mietvertrag ausläuft, ist der richtige Zeitpunkt, zu überlegen, ob der Standort der Praxis auf Dauer gut gewählt ist. Wenn ja, dann stellt sich dem unternehmerisch denkenden Arzt durchaus die Frage, ob er die Immobilie nicht kaufen soll.

"In dieser Lebensphase einer Praxis kann es auch unter steuerlichen Aspekten interessant sein, in die eigene Immobilie zu investieren", sagt Caroline Roos, Leiterin Heilberufeberatung bei der Deutschen Bank.

Je nach familiärer Konstellation könne dabei auch der Kauf durch den Lebenspartner mit anschließender Vermietung in Betracht gezogen werden. Das sollte allerdings auf jeden Fall mit dem Steuerberater besprochen werden. Die wichtigsten Vorteile, die Praxis in eigenen Räumen zu führen:

Eigentümer haben meist eine größere Gestaltungsfreiheit als Mieter.

Investitionen in die Modernisierung der Räume, die zum Werterhalt der Immobilie beitragen oder sie gar aufwerten, kommen allein dem Investierenden zugute.

Der Erwerb der Praxisimmobilie trägt zum Aufbau des Vermögens bei und ist damit letztlich ein Baustein für die Altersvorsorge.

Hat sich der Arzt einmal entschieden, die Praxisimmobilie zu kaufen, dann stellen sich im Prinzip dieselben Fragen wie bei jeder Immobilienfinanzierung: Die Sicherung möglichst günstiger Zinsen, die optimale Laufzeit der Finanzierung und mögliche Tilgungsvarianten, etwa, ob es sich lohnt, als Tilgungsersatzmittel z.B. eine Lebensversicherung zu besparen und die Tilgung des Darlehens am Ende der Laufzeit vorzunehmen.

Sind Praxis und Wohnung unter einem Dach, ist zusammen mit dem Steuerberater eine strikte Trennung beider Bereiche herzustellen, damit die Kosten eindeutig der Praxis beziehungsweise dem Wohnbereich zugeordnet werden können.

Die eigene Praxisimmobilie kann letztlich auch ein Baustein für die Altersvorsorge sein, weil ein zusätzlicher Wert für den Ruhestand geschaffen wird. Dabei ist nicht entscheidend, ob an einen Nachfolger vermietet oder direkt verkauft wird. Voraussetzung ist, dass dann später tatsächlich ein Nachfolger oder ein anderer Mieter gefunden werden kann.

Bei großen Immobilien für Gesundheitszentren oder Kooperationen aller Art stellen sich wieder andere Fragen: Wer wird Investor und, vor allem, wer kann so ein Projekt von der Planung bis zur Umsetzung professionell und kompetent begleiten? "Wenn die aufzubringende Summe sehr hoch ist, ist es häufig besser, wenn nicht ein Arzt die Finanzierung alleine aufbringt", empfiehlt Caroline Roos.

Zwar könne er dann an die Kollegen vermieten, es geschehe aber immer wieder, dass die Baukosten höher werden als ursprünglich geplant oder sich der Bau verzögert - dann liege das Risiko bei einem Einzelnen.

Da Ärzte in der Regel wenig Erfahrung mit Immobilienprojekten dieser Größenordnung haben, ist es die "risikoärmste" Möglichkeit, die Immobilien zu mieten und eben nicht selbst zu bauen. Dann können sich alle Beteiligten auf das Gesundheitszentrum beziehungsweise ihre Praxis und ihre Berufung konzentrieren.

Soll ein Bestandsobjekt gekauft werden, ist das meist gut planbar. Bei der Finanzierungslösung kommt es auf die passende individuelle Situation der Beteiligten an. "Hier gilt es, eine für alle Beteiligten geeignete Lösung zu erarbeiten", sagt Roos.

Die Serie ist entstanden in Kooperation mit der Deutschen Bank. Haben Sie Fragen zum Thema Immobilienfinanzierung? Kontakt: www.deutsche-bank.de/baufinanzierung

[02.07.2011, 20:10:19]
Rudolf Egeler 
Praxis in eigener Immobilie
Aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich nur jedem raten, der eine Praxisimmobilie erwerben will bzw.muss,weil es z.B.zur Bedingung bei der
Übernahme gemacht wurde, dies nicht mit Bankberatern zu machen, sondern in erster Linie einen versierten Steuerberater einzubeziehen!!
Zwar lassen sich in den aktiven Jahren fast alle Ausgaben zumindest an-
teilig steuerlich in Abzug bringen; das ganz dicke Ende kommt aber nach der Praxisaufgabe.Eine Praxis mit Immobilie zu verkaufen ist da noch der
mildere Fall: Zwar fallen hier Steuern an, aber dafür erhält man auch einen (hoffentlich guten ) Verkaufspreis.Schlimm wird es, wenn zwar die Praxis weitergegeben werden kann, aber nicht die Immobilie, weil der Nachfolger andere Räume bezieht:Kein Erlös,höchste Steuern,oft riesige Immobilie,die jetzt im Alter überdimensioniert ist. zum Beitrag »
Weitere Beiträge zur Serie:
"Immobilien und Baufinanzierung"

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich