Ärzte Zeitung, 22.08.2011

Anlagen-Kolumne

Streuen, streuen, streuen gegen die Krise

Kurseinbrüche an den Börsen verschlagen den Anlegern derzeit weltweit den Atem. Doch wer einmal tief durchatmet und besonnen reagiert, kann gewinnen.

Von Gottfried Urban

Streuen, streuen, streuen, lautet die Anti-Krisen-Strategie

Die Talfahrt der Börsen hält an und die Kurseinbrüche sorgen für Weltuntergangsstimmung - wieder einmal. Das Marktdesaster hat mehrere Ursachen. Die Bonitäts-Herabstufung der USA und die anhaltende Schuldenkrise in Europa sowie die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit einiger EU-Staaten und Großbanken heizten die Stimmung zusätzlich auf.

Die Angst vor einer Rezession verwandelte sich in den Industriestaaten schnell in Panik. Die zunehmend im Einsatz befindlichen technischen Verkaufsprogramme drücken zusätzlich auf die Kurse. Innerhalb weniger Tage verloren konjunkturabhängige Aktien bis zu 40 Prozent ihres Wertes.

Obwohl viele Fakten gegen einen dauerhaften Einbruch der Weltkonjunktur sprechen, verursachte die unkalkulierbare Situation an den Finanzmärkten eine enorme Anspannung bei Anlegern. Vor allem einen Rat sollten letztere gegenwärtig beherzigen: Noch nie war es so wertvoll wie jetzt, in der Geldanlage breit aufgestellt zu sein.

Trotz der Börsentalfahrt sollten sich Anleger derzeit nicht verrückt machen lassen. Laut Statistik dauert ein Konjunkturzyklus etwa vier bis sieben Jahre. Eine Rezession nach zwei guten Jahren wäre also äußerst untypisch und wird es wohl nicht schon wieder geben.

Das Wachstumstempo sollte sich in nächster Zeit dennoch verlangsamen. Für Deutschland sind Wachstumsraten von 1 bis 2 Prozent pro Jahr zu erwarten, die Weltwirtschaft wird um etwa 3 bis 3,5 Prozent pro Jahr wachsen. Der wirtschaftliche Weltuntergang wird also wieder einmal ausbleiben.

Angesichts unabwägbarer Marktrisiken sollten dem Portfolio mehrere unterschiedliche Anlageklassen beigemischt werden. Neben wenig konjunktursensiblen Aktien mit einer stabilen Dividende macht sich eine indirekte Immobilienanlage gut im Depot.

Der ein oder andere Offene Immobilienfonds, über die Börse mit Abschlag eingekauft, stellt eine viel versprechende Anlage dar. Kurzlaufende Zinsanlagen in gute Euro-Industrieanleihen sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

Viele möchten Ihre Gelder von Euro oder Dollar in Währungen mit soliden Staatshaushalten umschichten. Doch Vorsicht: Wenn eine Währung zu stark wird, ist dies nicht im Interesse einer Volkswirtschaft. Also sind solche Investments immer auch mit dem Risiko der verbalen und geldpolitischen Intervention verbunden.

Das kann bei Gold weniger passieren. Genauso wie Gold in ein Portfolio gehört, sollten auch Währungen von gesunden Ländern in einem Depot nicht fehlen, aber auch nicht übergewichtet werden. Diversifizieren lautet das Gebot der Stunde.

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