Ärzte Zeitung, 29.08.2011

Güldene Renditen beim Investment in Gold?

Gold halten Anleger in wirtschaftlich turbulenten Zeiten für einen sicheren Hafen. Allerdings müssen sie auch die Wertschwankungen einkalkulieren, wenn es um die langfristige Rendite der Anlage in das Edelmetall geht.

Von Jürgen Lutz

Güldene Renditen beim Investment in Gold?

Trotz des hohen Ansturms auf das Edelmetall dürfte der Goldpreis in der nächsten Zeit wieder etwas schwächeln.

© Gina Sanders / fotolia.com

Glücklich, wer seit Längerem Gold besitzt: Der Preis in Euro ist seit Anfang Juli von 1000 auf bis zu 1300 Euro gestiegen. Viele Anleger fragen sich, ob sie nun (zu)kaufen sollen. Doch Vorsicht! In den nächsten Wochen dürften Anleger an Goldkäufen wenig Freude haben. Sinnvoller scheint es, nach dem Ende der nun beginnenden Korrektur einzusteigen. Denn auf lange Sicht dürften 1300 Euro pro Feinunze (31,1 Gramm) nicht das letzte Wort gewesen sein.

Es gibt viele Gründe, die für Gold sprechen - und der emotional stärkste Grund ist mit Sicherheit ein steigender Preis. Diese psychologische Tatsache spiegelt sich etwa auf den Titelseiten viel gekaufter Zeitungen und Magazine.

So veröffentlichte vor wenigen Tagen das Massenblatt "USA Today" eine große Story zum Edelmetall, als der Goldpreis an der 1900-Dollar-Marke kratzte. Darüber hinaus äußern sich zunehmend Experten zum Preispotenzial des Edelmetalls oder werden von Medien darum gebeten.

Viele Investoren suchen Schutz vor einer Systemkrise

Kein Wunder, dass beim Edelmetallhändler Pro Aurum, der in Deutschland vier Standorte betreibt, die Käufer in jüngster Zeit Schlange standen. "In den vergangenen sechs Wochen waren durchgehend 90 Prozent der Kunden trotz des hohen Preisniveaus auf der Käuferseite", sagt Geschäftsführer Robert Hartmann.

Und Stefan Freytag vom Family Office Wilhelm von Finck ergänzt: "Der Goldpreis reflektiert das Bedürfnis vieler Investoren, sich vor der ultimativen Systemkrise zu schützen."

Seit 2008 hat sich Gold um 180 Prozent verteuert

Doch kein Preis steigt ewig. Allein vom vergangenen Dienstag bis Donnerstag verlor die Feinunze bis zu 140 Euro an Wert. Damit sind fast 50 Prozent des Anstiegs, der Anfang Juli begann, ausgelöscht. Dass dies so kam, mag für jene überraschend sein, die nur auf fundamentale Gründe für den Anstieg achten.

Denn diese Gründe bestehen weiterhin und können den Preisverfall folglich nicht erklären. Dazu gehören etwa die "abnehmende Bonität von Staatsanleihen, massive Liquiditätsüberschüsse, der weiter vorhandene Inflationsdruck und mangelnde Alternativrenditen bei Zinsanlagen", wie Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, betont.

Die Analyse der Kursverläufe selbst zeigt jedoch, dass trotz dieser fundamentalen Gründe eine substanzielle Korrektur nur eine Frage der Zeit war bzw. ist. Erstens hat Gold - in seiner üblichen Handelswährung US-Dollar berechnet - seit Herbst 2008 eine unglaubliche Rallye hingelegt: Vom Tief bei 681 Dollar stieg der Preis auf bis zu 1912 Dollar und damit um sage und schreibe 180 Prozent.

Zweitens verläuft bei 1900 Dollar die Aufwärtstrend-Linie, mit der sich die Hochpunkte der Jahre 2001, 2003, 2006 und 2008 verbinden lassen - viele Marktteilnehmer achten auf solche möglichen Umkehrpunkte und verkaufen in deren Nähe, um ihre Gewinne zu sichern.

Und drittens erfolgte der jüngste Anstieg von Juli bis August extrem schnell, was den Goldpreis sehr weit über seinen langfristigen Mittelwert getrieben hat, wie er im Durchschnitt der vergangenen 200 Tage zum Ausdruck kommt. Aktuell bewegt sich diese 200-Tage-Linie unterhalb von 1500 US-Dollar. Das bedeutet: Bei 1900 Dollar notierte Gold 30 Prozent über diesem Wert.

Anleger sollten nach dem jüngsten, fast drei Jahre währenden Anstieg nicht erwarten, dass die Korrektur innerhalb von Tagen vonstattengeht. Vielmehr dürfte sie mehrere Monate benötigen und unter hohen Schwankungen ablaufen.

Da sich Gold in einem starken Aufwärtstrend befindet, ist unter normalen Umständen eine Korrektur mit Zielen zwischen 1450 und 1630 Dollar zu erwarten, wo sich Erstinvestitionen sowie Zukäufe wieder lohnen dürften.

Denn: "Die Hauptgründe für die Goldkäufe (Gelddrucken, negative Realzinsen) dürften sich in den nächsten Jahren noch verstärken", wie die vom Vermögensverwalter Dr. Jens Ehrhardt gegründete "Finanzwoche" schreibt. Allerdings sind auch tiefere Preise nicht auszuschließen.

Aus fundamentaler Sicht sprechen viele Gründe für Gold, aus technischer Sicht dürfte der Edelmetallpreis demnächst aber etwas schwächeln. Anleger dürften daher mit der Devise von Freytag gut beraten sein: "Strategische Bestände halten, spekulative Positionen abbauen und mit Zukäufen abwarten!"

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