Ärzte Zeitung, 19.09.2011

Zinsen für Staatspapiere auf neuem Tiefpunkt

Bundesschatzbriefe bringen derzeit nur minimale Zinsen. Einige Banken bieten sicherheitsbewussten Anlegern seriöse und lukrative Alternativen.

Von Jürgen Lutz

Zinsen für Staatspapiere auf neuem Tiefpunkt

Gerade mal 0,25 Prozent Zinsen gibt es im Augenblick für Bundesschatzbriefe in den ersten zwei Jahren.

© Steinach / imago

Es scheint paradox: Je schlimmer die Schuldenkrise in der EU, desto weniger Zinsen muss Deutschland für neu aufgenommene Schulden zahlen.

So hat der von Angst getriebene Ansturm der Anleger die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen auf ein neues historisches Tief einbrechen lassen. Das gilt auch für Bundesschatzbriefe - nur 0,25 Prozent an Zinsen gibt es in den ersten beiden Jahren.

Schäuble bringt Schatzbriefe in Serie auf den Markt

"Nüchtern betrachtet, kann man nur den Kopf schütteln" - das meint zumindest Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung, wenn er die Inflationsrate mit den Renditen für sichere Geldanlagen, zu denen Bundesschatzbriefe zählen, vergleicht.

So stiegen die Lebenshaltungskosten in Deutschland im August 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent, hat das Statistische Bundesamt ermittelt.

Doch von Mitte Juli bis Mitte September brach die durchschnittliche Jahresrendite von sechsjährigen Bundesschatzbriefen (Typ A) von 1,89 Prozent im Juli auf 0,91 Prozent ein - das entspricht einem Renditerückgang von über 50 Prozent.

Bei den siebenjährigen Sparbriefen (Typ B), bei denen die Zinsen erst zum Laufzeitende ausgezahlt werden (Typ B), sackte die Jahresrendite von 2,07 auf 1,10 Prozent ab.

Steigende Zinssätze beim Bundesschatzbrief A

"Wer sein Geld derzeit in Schatzbriefe steckt, büßt also erheblich an Kaufkraft ein. Dabei ist nicht berücksichtigt, dass die Erträge zu versteuern sind", sagt Herbst, dessen Firma die Zinsmärkte seit 25 Jahren auswertet.

Konkret verzinst sich das Geld der Anleger beim Bundesschatzbrief Typ A in den ersten beiden Jahren mit je 0,25 Prozent, danach mit 0,5 Prozent und in den Folgejahren mit 1,0 sowie 1,5 und 2,25 Prozent. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Jahresrendite von 0,91 Prozent für Anleger, die ihr "Schätzchen" bis zum Ende halten.

Kein Wunder, dass Finanzminister Schäuble in Zeiten der Krise und der Unsicherheit einen Schatzbrief nach dem anderen auflegt - schließlich kommt der Bund derzeit zu immer günstigeren Konditionen an das Geld der Sparer.

Ob es sinnvoll ist, sich wegen der als "bombensicher" geltenden Schatzbriefe mit einer derart geringen Rendite zu bescheiden, muss jeder sicherheitsbewusste Anleger selbst entscheiden.

"Es gibt jedoch ausreichend Alternativen von Banken, die die Vorteile von Bundesschatzbriefen - garantierte Zinsen, aber Kündigungsrecht nach kurzer Haltezeit - miteinander verbinden", wie Herbst sagt.

Hanseatic Bank verspricht hohe Renditen für Anlagen

Dazu gehört der sogenannte Dynamik-Sparbrief der Hanseatic Bank. Die Bank, die über die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Anleger hinaus dem Einlagensicherungsfonds deutscher Privatbanken angehört, zahlt für die sechsjährige Anlage eine durchschnittliche Jahresrendite von 2,96 Prozent, wenn mindestens 1000 Euro angelegt werden.

Bereits im ersten Jahr zahlt die Hanseatic Bank 2,0 Prozent an Zinsen. Eine ordentliche Verzinsung wie diese ist wichtig, wenn Anleger andernorts bessere Zinsen bekommen und daher wechseln wollen.

Sparer können ihr Engagement bei der Hanseatic Bank bereits nach einem Monat kündigen - bei einem Schatzbrief ist dies übrigens frühestens nach einem Jahr möglich. Das angelegte Geld wird nach einer Kündigungsfrist von drei Monaten mit den anteiligen Zinsen ausgezahlt.

Der "Stufenzins Sparbrief" der VON ESSEN Bank, der ebenfalls nach einem Monat kündbar ist, verzichtet völlig auf eine Kündigungsfrist. Die Bank, wie die Hanseatic Bank Mitglied im Einlagensicherungsfonds der privaten Banken, zahlt im ersten Jahr einen Zins von 1,75 Prozent, sofern mindestens 2500 Euro angelegt werden.

Die durchschnittliche Jahresrendite nach Ablauf von sechs Jahren beträgt ebenfalls 2,96 Prozent, da der Zinssatz im fünften Jahr der Anlage stärker steigt als bei der Hanseatic Bank.

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