Ärzte Zeitung, 05.10.2011

Ärzte investieren kräftig in die berufliche Altersvorsorge

Die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe vermeldet eine große Nachfrage nach ihren Zusatzangeboten.

Von Ilse Schlingensiepen

Ärzte investieren kräftig in die berufliche Altersvorsorge

Altersvorsorge: Die Nachfrage nach freiwilliger Zusatzversorgung ist wie auch in den Vorjahren stark gefragt.

© Olaf Karwisch / panthermedia.net

KÖLN. Die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe (ÄVWL) verzeichnet einen steigenden Anteil von Ärzten, die mehr einzahlen, als sie müssten. Für die Grundversorgung leisten zunehmend niedergelassene und angestellte Ärzte die Höchstabgabe. Zudem nutzen Mitglieder verstärkt die freiwillige Zusatzversorgung.

Höchstabgabe wieder gestiegen

Die Höchstabgabe betrug für das Jahr 2010 in Westfalen-Lippe 16.052,40 Euro. Sie leisteten im vergangenen Jahr 3907 niedergelassene Ärzte. Das waren 4,0 Prozent mehr als 2009. Der Anteil der Höchstabgabenzahler stieg von 28,7 Prozent auf 30,0 Prozent.

Die Pflichtabgabe von 13.582,80 Euro zahlten 5232 Ärzte, nach 5327. Rückläufig war dagegen die Zahl der niedergelassenen Ärzte, die weniger als die Pflichtabgabe zahlen. Dabei handelt es sich um Mediziner, die sich in der Anlaufphase der Praxis befinden oder die sich mit 14 Prozent des Praxisgewinns für die Versorgungsabgabe veranlagen lassen.

Bei den angestellten Ärzten stockten im Jahr 2010 insgesamt 1275 ihren Pflichtbeitrag auf die Höchstabgabe auf, obwohl bei dieser Zusatzleistung der Arbeitgeber keinen Zuschuss zahlt.

Die Beitragseinnahmen sind um 4,1 Prozent gestiegen

"Die freiwillige Zusatzversorgung war wie schon in den Vorjahren auch im Jahr 2010 bei unseren Mitgliedern stark gefragt", heißt es im Geschäftsbericht der ÄVWL. In die Zusatzversorgung dürfen die Ärzte einzahlen, die in der Grundversorgung bereits die höchstmögliche Abgabe geleistet haben. Das nahmen 1506 Mitglieder wahr, nach 1360 im Jahr zuvor.

Die Beitragseinnahmen der ÄVWL beliefen sich 2010 auf 408,2 Millionen Euro, das war eine Steigerung um 4,1 Prozent. Ein Grund sei das Alterseinkünftegesetz, das seit dem 1. Januar 2005 eine höhere steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge zu den Versorgungswerken erlaubt.

Höhere Einzahlungen und freiwillige Zusatzversorgung

"Auf der anderen Seite jedoch dürften auch viele Mitglieder erkannt haben, dass durch das Alterseinkünftegesetz und die damit eingeführte nachgelagerte Besteuerung die später zu erwartende Nettorente aufgrund der höheren Besteuerung niedriger ausfallen wird als bisher angenommen."

Durch höhere Einzahlungen und die Teilnahme an der freiwilligen Zusatzversorgung könne dieser Nachteil zumindest teilweise ausgeglichen werden, so die ÄVWL.

Das Versorgungswerk gab für Versorgungsleistungen 341,8 Millionen Euro aus, das waren 3,3 Prozent mehr als 2009. Der Bestand an ausgezahlten Altersrenten erhöhte sich von 8346 auf 8645. Die erstmalig ausgezahlten Renten teilten sich folgendermaßen auf: 47,8 Prozent waren vorgezogene Altersrenten, 42,9 Prozent Regelaltersrenten und 2,8 Prozent über das 65. Lebensjahr hinausgeschobene Altersrenten.

Berufsunfähigkeitsrente aufgrund psychischer und Suchterkrankungen

6,5 Prozent der Auszahlungen gingen von der Berufsunfähigkeits- in die Altersrente über, weil die Ärzte die Altersgrenze von 65 erreicht hatten. 67 Mitglieder erhielten 2010 erstmals eine Berufsunfähigkeitsrente. Davon waren 44 unbefristet und 23 befristet.

Die Berufsunfähigkeit ist mehr bei als der Hälfte der Betroffenen auf psychische und Suchterkrankungen zurückzuführen. Die ÄVWL hatte Ende 2010 548 Berufsunfähigkeitsrenten im Bestand. Bei 57,4 Prozent waren Geistes- und Suchterkrankungen die Ursache, bei 15,5 Prozent Erkrankungen des Nervensystems.

Stressbezogene Gesundheitsstörungen und Burn-out-Erkrankung

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) hat erst vor Kurzem darauf aufmerksam gemacht, dass stressbezogene Gesundheitsstörungen im Gesundheitswesen überdurchschnittlich häufig verbreitet sind.

Gerade Ärzte, Pflegepersonal oder Therapeuten würden häufig an Burn-out erkranken, teilt die DGPPN mit. Sie verweist auf eine Besonderheit: "Das Risiko ist bei professionellen Helfern, die im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie tätig sind, besonders hoch."

Ärzteversorgung zufrieden mit dem Geschäftsergebnis

Mit Kapitalanlagen in Höhe von 8,5 Milliarden Euro erwirtschaftete die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe Erträge von 402 Millionen Euro. Sie erzielte eine Nettorendite von 4,4 Prozent.

"Das hervorragende Geschäftsergebnis auf der Kapitalanlageseite wie auch auf der Beitragsseite im Jahr 2010 versetzt uns in die Lage, der Kammerversammlung eine Erhöhung der laufenden Renten und der Rentenanwartschaften um jeweils ein Prozent ab dem 1. Januar 2012 vorzuschlagen", sagte der Vorsitzende des ÄVWL-Verwaltungsausschusses Dr. Günter Kloos bei der Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

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