Ärzte Zeitung, 27.01.2012

Anlagen-Kolumne

Künstliche niedrige Zinsen stützen Konjunktur

In den USA ist, aber auch in Deutschland steigt die Stimmung wieder. Insgesamt sind so die Voraussetzungen für einen vorerst weiter steigenden Markt gegeben.

Von Jens Ehrhardt

Künstliche niedrige Zinsen stützen Börsen und Konjunktur

Das konjunkturelle Bild und die Stimmung in den deutschen Unternehmen haben sich jüngst wieder gebessert. Der aktuelle ifo-Geschäftsklimaindex signalisiert dies genauso wie eigene Beobachtungen und Gespräche.

Gerade in Deutschland könnten die extrem niedrigen Kreditzinsen die Konjunktur 2012 stärker stützen, als allgemein angenommen. Zwar wird 2012 weltweit kein Boomjahr werden, aber gerade dies könnte die Stimulierungsmaßnahmen der Notenbanken weiter fördern.

Für die Börse sind konjunkturell schwache Jahre mit expansiver Notenbankpolitik besser als Boomjahre mit Notenbankbremsung. Analysiert man die derzeitige Expansion der Notenbank-Bilanzen, so kommt man zu dem Schluss, dass Europa inzwischen sogar stärker stimuliert als die USA. Mit diesen Maßnahmen kann das System weiter am Leben gehalten werden.

Mittelfristig wird dies inflationär wirken, aber das könnte auch Teil der Problem-"Lösung" sein. In einem Umfeld niedriger, bzw. sehr niedriger Zinsen und gleichzeitig steigender Inflationsraten (keine Hyperinflation) wird ein negativer Realzins geschaffen, mit dessen Hilfe es den Staaten innerhalb weniger Jahre möglich wäre, die absurd hohen Schuldenquoten auf ein erträgliches Niveau zu schrumpfen.

Deutschland sollte Möglichkeit erwägen, aus dem Euro auszutreten

Diskutiert wird dieses Szenario inzwischen auch auf der IWF-Webseite unter dem Begriff "Finanzielle Repression". Gleichzeitig ist natürlich auch die von Deutschland geforderte Kombination von Strukturreformen und Haushaltskonsolidierung notwendig, um das Vertrauen zurückzugewinnen. Für den Fall, dass diese Maßnahmen durch die Regierungen der Mittelmeeranrainer nicht durchgesetzt werden können, sollte in Deutschland die Möglichkeit in Erwägung gezogen werden, selbst aus dem Euro auszutreten.

Dies hätte sogar den Vorteil, dass mit einer vermutlich anschließend starken D-Mark und einem wahrscheinlich deutlich schwächeren Euro die existierende Euro-Verschuldung Deutschlands leichter abzutragen wäre.

Insgesamt könnten also das monetäre Umfeld und die zu erwartenden Notenbankaktionen die Börsen stützen. Aus dem Blickwinkel der Stimmungsindikatoren ist in den USA bereits ein deutlich gestiegener Optimismus zu beobachten. Dieser ist jedoch noch nicht auf Extremniveau angelangt, an denen zu antizyklischen Verkäufen geraten werden muss.

Gleichzeitig sind die Trendindikatoren weiter intakt. In Deutschland ist die Stimmung etwas gedämpfter und von Euphorie weit entfernt. Insgesamt sind damit die Voraussetzungen für einen vorerst weiter steigenden Markt gegeben.

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