Ärzte Zeitung, 18.02.2012

Zinssinkflug beflügelt Vorauskreditgeschäfte

Banken buhlen mit besonders günstigen Forward-Darlehen um neue Kunden. Experten raten daher, jetzt zuzuschlagen. Denn noch tiefer werde das Zinsniveau nicht sinken.

Von Richard Haimann

Zinssinkflug beflügelt Vorauskreditgeschäfte

Für zehnjährige Hypothekendarlehen sind die Zinssätze auf unter drei Prozent gepurzelt.

© V. Yakobchuk / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Baugeldzinsen sind auf einen neuen historischen Tiefststand gefallen. Davon profitieren nicht nur Immobilienkäufer.

Ärzte, die in den nächsten Jahren eine Anschlussfinanzierung benötigen, können sich jetzt über Forward-Darlehen die aktuell niedrigen Konditionen sichern.

Wegen der Eurokrise suchen an den Kapitalmärkten immer mehr Investoren Zuflucht in sicheren deutschen Wertpapieren.

Ganz oben auf der Liste stehen Bundesanleihen und Hypothekenpfandbriefe.

Die große Nachfrage treibt die Kurse dieser Papiere in die Höhe und ihre Renditen spiegelbildlich in den Keller.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kann zehnjährige Bundesanleihen derzeit zu einem Zinssatz von nur 1,9 Prozent begeben. Banken finden für Pfandbriefe gleichlanger Laufzeit Abnehmer bei einer Rendite von lediglich noch 2,3 bis 2,4 Prozent.

Kosten an die Kunden weitergereicht

Weil die Institute im harten Wettbewerb stehen, reichen sie ihre niedrigen Refinanzierungskosten an die Kunden weiter.

Für Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Laufzeit verlangen die besten Anbieter nach Beobachtungen des Verbraucherfinanzportals Biallo.de derzeit nur noch Zinssätze zwischen 2,79 und 2,85 Prozent. Im Mittel beträgt der Zinssatz für derartige Kredite aktuell 3,06 Prozent.

Von den Minizinsen können auch Ärzte profitieren, die ihren Eigenheimkredit in den nächsten Jahren refinanzieren müssen - in dem sie ein Forward-Darlehen abschließen.

Mit diesen Vorauskrediten können sich Immobilieneigentümer die gegenwärtigen Zinsen für die Anschlussfinanzierung sichern, obwohl sie den Kredit erst in sechs Monaten oder gar erst in zwei Jahren abrufen.

"Viele Banken buhlen mit Macht um neue Kunden und bieten deshalb Forward-Darlehen mit Bereitstellungszeiträumen von sechs bis zwölf Monaten ohne Zinsaufschlag an", sagt Kai Oppel, Finanzierungsexperte des Immobilienkreditvermittlers Hypothekendiscount.

Mit Forward-Darlehen auf der sicheren Seite

"Für Anschlussdarlehen, die noch später abgerufen werden, beträgt der Aufschlag im Mittel 0,03 Prozent für jeden zusätzlichen Monat Bereitstellung."

Kunden bester Bonität könnten sich jetzt eine erst in zwei Jahren fällige Anschlussfinanzierung zu Zinssätzen von rund 3,25 Prozent sichern.

"In den vergangenen Jahren lohnte sich der Abschluss eines Vorauskredits nicht, weil die Baugeldzinsen kontinuierlich fielen", sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung.

"Selbst Kunden, die ein Forward-Darlehen ohne Zinsaufschlag abgeschlossen hatten, zahlten deshalb höhere Zinsen, als wenn sie direkt zum Refinanzierungszeitpunkt einen Anschlusskredit aufgenommen hätten."

Inzwischen hätten die Zinsen jedoch ein so niedriges Niveau erreicht, dass ein weiterer Rückgang sehr unwahrscheinlich sei, sagt Herbst.

"Wer in sechs bis 24 Monaten eine Anschlussfinanzierung vornehmen muss, kann deshalb mit einem Forward-Darlehen nichts falsch machen - aber nachts beruhigt schlafen, ohne sich um einen Zinsanstieg sorgen zu müssen."

Hausbank nicht immer der beste Ansprechpartner

Ein Vorauskredit muss nicht bei der Hausbank abgeschlossen werden. "Andere Institute bieten häufig bessere Zinskonditionen, weil sie Neugeschäft gewinnen wollen", sagt Niels Nauhauser, Baufinanzierungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

"Beträgt die Restschuld mindestens noch 50.000 Euro, ist es kein Problem, für die Anschlussfinanzierung eine andere Bank oder Versicherung als Partner zu gewinnen", bestätigt Hypothekendiscountexperte Oppel.

Für die Eintragung des neuen Gläubigers im Grundbuch fallen Gebühren von rund 250 Euro an. Nauhauser: "Wenn die Ersparnis höher ist, lohnt sich der Wechsel zu einer günstigeren Bank."

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