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Anlagen-Kolumne

Schlechte Nachrichten fördern antizyklische Investitionen

Die monetären Einflussfaktoren bestimmen weiterhin die kurzfristigen Börsenaussichten. Für Anleger, die den Börseneinstieg suchen, ist das aber gar nicht so schlecht.

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

Kurzfristig belastet den Aktienmarkt weiterhin der ungünstige Saisonrhythmus ("sell in may"). Es gibt allerdings Hoffnung, denn in Wahljahren hat sich die US-Börse im zweiten Halbjahr meist positiv entwickelt.

Zudem könnte mit dem Auslaufen der jüngsten Aktionen ein drittes Quantitative Easing, sprich "Gelddrucken", initiiert werden.

Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Wirkung dieser Maßnahmen immer schwächer wird bzw. zunehmend höhere "Dosierungen" erfordert. Auch deshalb, weil es die Marktteilnehmer nicht mehr überrascht. Mit den derzeit fallenden Aktienkursen schwindet auch die ungesund hohe Zuversicht für den Aktienmarkt. Für antizyklisch denkende Investoren ergeben sich daraus mit Blick auf die nächsten Wochen durchaus Möglichkeiten, zu niedrigen Kursen zu investieren.

Angesichts uneinheitlicher fundamentaler Wirtschaftsdaten weltweit dürften die monetären Einflussfaktoren (im Grunde nur in den USA positiv) weiter die kurzfristigen Börsenaussichten bestimmen. Überschattet wird all dies jedoch von kaum zu prognostizierenden politischen Entwicklungen und der Frage, ob der Euro zu erhalten ist.

Weder Deutschland noch Euro-Rettungsschirme können Frankreich (plus Spanien und Italien) stabilisieren, wenn die Länder keine Reformen zulassen.

Nach der Wahl dürften jetzt unangenehme Kürzungen notwendig sein, wenn man einen Anstieg der noch vergleichbar niedrigen Euro-Bond-Zinsen für Frankreich (bisher nur knapp doppelt so hoch wie Deutschland) vermeiden will.

Vielleicht bleibt am Schluss zur Rettung Europas doch nur noch eine Abkehr von dem gescheiterten Euro-Experiment (jedenfalls orientieren sich immer mehr Wähler und neuerdings Politiker in dieser Richtung, siehe die Wahlkämpfe in Frankreich und Griechenland).

Allein Gelddrucken seitens der EZB ist keine Lösung. Solange der Ausgang des Euro-Experiments unklar bleibt, ergeben sich weiterhin erhebliche Schwierigkeiten bei der Prognose von Konjunktur, Währungen, Rohstoffen und Aktienmärkten. Tatsache bleibt, dass Gelddrucken wahrscheinlich (langfristig) die Inflation fördert, vorläufig aber eher die deflationären Einflüsse überwiegen.

Wachstum durch mehr Schulden würde Frankreich im Hinblick auf dann höhere Euro-Zinsen und Rating-Herabstufungen in Bedrängnis bringen. Einfaches "Wachstum" geht nicht, nur Strukturreformen, die sich erst mittelfristig auswirken werden.

Es ist naiv von den Mittelmeerländern anzunehmen, dass irgendeine Möglichkeit für Wachstum, finanziert durch noch höhere Schulden, gegeben wäre.

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