Ärzte Zeitung, 27.12.2012

Steuererhöhung

Ruhe erste Pflicht für Sammler

Die Mehrwertsteuer für Münzen, Briefmarken und Kunst steigt - doch Experten sehen keinen Grund für Panikverkäufe. Preiseinbrüche seien nicht zu erwarten.

Von Richard Haimann

Ruhe erste Pflicht für Sammler

Goldmünzen wie der Krüger Rand - in Südafrika ein Zahlungsmittel - sind von der Mehrwertsteuer befreit.

© VRD / Fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die bevorstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer bei Antiquitäten, Briefmarken, Kunstgegenständen und Münzen hat Sammler massiv verunsichert.

Viele fürchten, die höhere Fiskalabgabe könnte den Wert ihrer Kollektionen drücken. Experten warnen jedoch vor voreiligen Verkäufen.

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union harmonisieren ihre Steuergesetzgebung. Die Bundesregierung muss deshalb zum 1. Januar 2014 den bislang ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent für Kunst, historische Sammlerstücke sowie Werke der Philatelie und Numismatik auf 19 Prozent anheben.

Seit Ausbruch der Finanzkrise sind zahlreiche Anleger mit ihrem Geld in diese Sachwerte geflüchtet, um es vor den Kapitalmarktturbulenzen zu schützen. Darunter sind auch viele Ärzte.

"Viele Mediziner fühlen sich von der Ästhetik der Stücke angezogen", sagt Michael Becker, Vorsitzender des Berufsverbands des Deutschen Münzenfachhandels.

Sammlung schon jetzt abstoßen?

Zwar erfolgt die Steuererhöhung erst in gut einem Jahr. Viele Sammler erwägen jedoch, schon jetzt ihre Kollektionen abzustoßen. Sie fürchten, die höhere Fiskalabgabe werde die Nachfrage und damit den Wert der Sammlungen drücken, sagt Wolfgang Peschel, Sprecher des Bundes deutscher Philatelisten.

"Viele überlegen deshalb, ihre Schätze nun zu verkaufen, bevor die Steuererhöhung auf die Preise drückt", bestätigt Becker.

Diese Befürchtungen seien jedoch übertrieben, sagt Becker. "Es gibt keinen Grund für Panikverkäufe." Denn die Bundesregierung habe dem Fachhandel ein Schlupfloch gelassen.

Mehr als 85 Prozent der Transaktionen laufen Schätzungen zufolge über den gewerblichen Handel, weil Käufer hier sicher sein können, keinen Fälschungen aufzusitzen.

"Händler können auf die Differenzbesteuerung ausweichen", erläutert der Experte. In diesem Fall unterliegt nur die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis der Mehrwertsteuer.

 Händler katalogisieren mehr

In der Vergangenheit hätten sich die meisten Händler die Mühe gespart, jede einzelne angekaufte Briefmarke oder Münze exakt mit einem Ankaufspreis in ihre Bücher aufzunehmen.

Stattdessen wurde beim Weiterverkauf einfach der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf den Preis aufgeschlagen.

Das habe sich jedoch geändert, seit die Steueranpassung in Berlin beschlossen wurde. "Jetzt katalogisieren immer mehr Händler beim Ankauf jedes einzelne Stück, um beim späteren Wiederverkauf nur den Differenzbetrag der Mehrwertsteuer unterwerfen zu müssen", sagt Peschel.

Verwerfungen seien deshalb nur bei neuen Silbermünzen zu erwarten, bestätigt Benjamin Summa, Sprecher des Edelmetall- und Münzhandelshauses Pro Aurum.

"Kapitalanleger werden von 2014 an tendenziell von Neuemissionen Abstand nehmen und stattdessen auf Silberbarren setzen."

Für die Barren gilt bereits heute der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Die Herstellungskosten sind jedoch deutlich geringer als bei Münzen, deren Fertigung einen hohen Prägeaufwand erfordert.

"Deshalb wird Silber in Barrenform vom übernächsten Jahr an günstiger sein als in Münzform", sagt Summa. Auf den Wert bereits geprägter Münzen werde dies jedoch kaum Auswirkungen haben.

Von Mehrwertsteuer befreit

Das zeigt sich schon heute bei Goldmünzen. Neben Goldbarren sind auch Goldmünzen, die gesetzliche Zahlungsmittel im jeweiligen Emissionsland sind, von der Mehrwertsteuer befreit. Dazu zählen der südafrikanische Krüger Rand, der kanadische Maple Leaf und der österreichische Wiener Philharmoniker.

Goldmünzen, die keine gesetzlichen Zahlungsmittel sind, unterliegen hingegen derzeit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent.

"Trotz der Steuer zahlen Sammler für viele historische Goldmünzen hohe Preise", sagt Becker. Daran werde sich auch kaum etwas ändern, wenn die Steuer 2014 auf 19 Prozent steigt.

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