Donnerstag, 31. Juli 2014
Ärzte Zeitung, 28.01.2013

Anlagen-Kolumne

Schwache Konjunktur, gute Börse?

Jens Ehrhardt

Schwache Konjunktur, gute Börse?

Paradoxerweise ist es für die Aktienmärkte wahrscheinlich günstiger, wenn die Konjunktur in Industrieländern nicht in Gang kommt, als wenn sich ein Wirtschaftsaufschwung einstellt. Nach einem breiteren Aufschwung sieht es allerdings im Moment nicht aus.

Die meisten Branchen gehen von einem verhaltenen ersten Halbjahr aus und hoffen auf ein besseres zweites. Die Ratio hinter dieser eigentlich unlogischen Argumentation liegt in der Gefahr, die von steigenden Zinsen ausgeht.

Die großen Industrienationen befinden sich in einer besonderen Situation, in der sie durch die enorme Verschuldung extrem abhängig von den Notenbanken sind. Eine bessere Konjunktur und damit höhere Zinsen wären verheerend.

Da allerdings außer in Asien keine Belebung in Sicht ist, sollte die Wirtschaft weiter reichlich mit Liquidität versorgt werden. Gefährlich wäre ein stärkerer Inflationsanstieg, den die Notenbanken durch höhere Zinsen bekämpfen müssten.

Angesichts kaum steigender und in Europa sogar sinkender Konsum-Kredite, in den USA rekordtiefen Lohnsteigerungen, zunehmender Arbeitslosigkeit in Europa und in den Schwellenländern (besonders China) wachsender Überkapazitäten (= zu hohes Warenangebot), ist Inflation vorerst noch keine Gefahr für die Aktien- und Anleihebörsen.

Auftrieb für Aktien

Neben den weltweiten Gelddruckaktivitäten als wichtiger Börseneinflussfaktor kommt nun auch noch die gezielte Währungsabwertung hinzu.

Am stärksten profitieren derzeit die Börsen der Abwertungsländer - besonders Japan,wo der Yen gegenüber dem Euro zuletzt um fast ein Fünftel nachgab.

Politiker des Landes machen sich für eine weitere Abwertung um mindestens 10 Prozent stark, um den Export zu fördern. Dafür interveniert die japanische Zentralbank verbal und will Auslandsanleihen kaufen.

Zwei Nebenwirkungen könnte dies aber hervorrufen: erstens protektionistische Maßnahmen von Europa, USA und asiatischen Partnern wie Südkorea; zweitens eine importierte Inflation, da mit einem schwachen Yen die Importpreise steigen.

Dies könnte Japans Sparer, die über 90 Prozent der Staatsverschuldung finanzieren, dazu veranlassen, ihre minimalst verzinsten Anleihen zu verkaufen und in Aktien zu investieren.

Da aber bereits ein minimaler Zinsanstieg enorme Folgen hätte, wird Japans Notenbank wohl zu noch größeren Anleihekäufen gezwungen werden als die der USA. Fazit: Aktien werden durch bisher ungeahnte Notenbankaktionen weiter begünstigt.

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