Ärzte Zeitung, 16.04.2013

Deutsche Aktien

Kursrückgang nur ein Kurzzeitphänomen?

Keinen Grund zur Sorge, dass die Aktienkurse in Deutschland weiter auf Talfahrt gehen, sehen Finanzexperten. Im Gegenteil: Sie werten die jüngsten Kursrückgänge als Einstiegschance.

Von Richard Haimann

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Unbegründet sind laut Experten Befürchtungen, dass deutsche Aktien weiter an Wert verlieren.

© H. Gall / iStockphoto

NEU-ISENBURG. Die Sorgen um den Fortbestand der Eurozone sind wieder gestiegen und haben die europäischen Aktienmärkte unter Druck gebracht. Experten sehen in den jüngsten Kursrückgängen bei deutschen Papieren jedoch nur eine vorübergehende Korrektur, die Einstiegschancen bietet.

Erst das Patt nach der Wahl in Italien, dann die Zypernkrise: Zwei einschneidende Ereignisse haben an Europas Börsen deutliche Spuren hinterlassen.

Der deutsche Aktienindex Dax musste seine Kursgewinne seit Jahresbeginn in den letzten Märztagen fast vollständig wieder abgeben.

Der Euro Stoxx 50, Fieberthermometer der 50 größten europäischen Aktien, notierte zum Ende des ersten Quartals gegenüber dem Jahresbeginn sogar leicht im Minus - nachdem der Index im Januar noch um mehr als vier Prozent gestiegen war.

Japan/USA: Aktienindizes legten zu

"Die Zypernkrise und die Rezession in weiten Teilen Europas sorgen für nachhaltige Verunsicherung", sagt Michael Beck, Leiter Portfolio Management bei der Privatbank Ellwanger & Geiger in Stuttgart.

"Die Aktienkurse in Europa koppeln sich deshalb zurzeit vom Geschehen an den übrigen Börsen der Welt ab." Denn in Asien und den USA legten die Aktienkurse auch inmitten des tagelangen Bangens um die Zukunft Zyperns weiter zu.

In New York ist der Dow-Jones-Index in den ersten drei Monaten 2013 um fast elf Prozent gestiegen. In Japan legte der Nikkei-Index in derselben Zeit sogar um mehr als 16 Prozent zu. Auch in Indonesien und Singapur sind die Börsen sind Jahresbeginn im Plus.

In Asien und den USA dürften die Aktienkurse weiter steigen, meint Sanjay Natarajan, Portfolio Manager bei MFS Investment in Boston. "Aus den asiatischen Staaten kommen gute Konjunkturmeldungen."

In den Vereinigten Staaten erhole sich die Wirtschaft zunehmend von den Folgen der Finanzkrise. "75 Prozent der Unternehmen haben im vergangenen Quartal mit ihren Gewinnen die Erwartungen der Analysten übertroffen", sagt Natarajan.

Auch in Deutschland dürften die Aktienkurse bald wieder steigen, glaubt Carmen Daub, Fondsmanagerin bei Gotha Asset Management. "Die Unternehmen sind deutlich besser gegen Krisen geschützt als in der Vergangenheit."

Sie hätten ihre Schulden abgebaut und verfügten über hohe Liquidität. Zudem dürften deutsche Werte von der niedrigen Verzinsung der Bundesanleihen profitieren, sagt Daub. Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen fiel auf dem Höhepunkt der Zypernkrise auf nur noch 1,25 Prozent, weil verunsicherte Investoren zuhauf in den Papieren Zuflucht suchten.

Das trieb ihre Kurse in die Höhe und die Zinsen spiegelbildlich in den Keller. Damit seien Bundesanleihen keine Alternative für Anleger, die attraktive Renditen erzielen wollten, sagt Daub.

"Das dürfte im weiteren Jahresverlauf mehr Geld in die Aktienmärkte locken und den Dax auf neue Höchststände treiben." Viele Investoren hätten die Rallye an den deutschen Börsen in den vergangenen Monaten verpasst, erklärte Ellwanger & Geiger-Experte Beck. "Wenn sie jetzt die gesunkenen Kurse zum Einstieg nutzen, wird sich die Korrektur beim Dax in engen Grenzen halten."

Schweizer Aktien zu hoch bewertet?

Skeptisch ist Philipp Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin & Cie, jedoch für Schweizer Aktien. Der Swiss Market Index (SMI) ist seit Juni 2012 um 37 Prozent gestiegen.

Viele Papiere seien sehr hoch bewertet. "Damit der SMI neue Höhen erklimmt, müssten die Gewinne der Unternehmen noch stärker als erwartet zulegen und die Risikobereitschaft der Investoren weiter steigen", so Bärtschi.

Dass Schweizer Aktien derzeit deutlich teurer sind als Papiere vergleichbarer Unternehmen aus anderen Ländern, zeigt ein Blick auf die Aktien des Schweizer Nahrungs- und Gesundheitskonzerns Nestlé und seines US-Konkurrenten Johnson & Johnson.

Das Nestlé-Papier wird derzeit zum 18-fachen des Jahresgewinns von 2012 gehandelt. Die Aktie von Johnson & Johnson kostet nur das 13,75-Fache.

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