Ärzte Zeitung, 13.05.2013

Tendenz steigend

Analysten hoffen auf heißen Aktiensommer

Die alte Börsenweisheit vom Verkauf im Mai soll dieses Jahr laut Experten nicht gelten. Denn eine Konjunkturerholung dürfte die Aktienkurse treiben.

Von Richard Haimann

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Steigende Aktienkurse erwarten Experten in 2013 auch für die schwachen Börsenmonate.

© Björn Meyer / istockphoto

NEU-ISENBURG. Sell in May and go away - verkauf im Mai und nimm Dir frei, lautet eine alte Börsenweisheit. Tatsächlich haben die Aktienmärkte in der Vergangenheit im Sommer immer wieder deutliche Kursrückschläge erfahren. Experten sind jedoch geteilter Ansicht, ob dies auch in diesem Jahr der Fall sein wird.

Die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg haben akribisch die durchschnittliche monatliche Kursentwicklung des Deutschen Aktienindexes (Dax) über den Verlauf der vergangenen 42 Jahre untersucht.

Das Fazit: Alte Börsenweisheiten haben einen wahren Kern. So war der September in der Vergangenheit der schlechteste Monat für Aktienanleger.

Im Mittel verloren die 30 Dax-Werte im neunten Monat eines jeden Jahres 2,1 Prozent. Gleich danach kommt der Mai als zweischlechtester Börsenmonat mit einem durchschnittlichen Minus von 0,5 Prozent.

Bis zu sieben Prozent Kursgewinn

In jüngster Zeit scheint sich diese Dynamik sogar noch verschärft zu haben. 2011 büßte der Dax von Mai bis September 24 Prozent ein. Auch in anderen Ländern folgten die Börsen dem Muster, hat Ad van Tiggelen, Stratege bei ING Investment Management, beobachtet.

"In den USA legten die Aktienkurse von 2010 bis 2012 jeweils von Januar bis Ende April um durchschnittlich acht Prozent zu, nur um anschließend in den Sommermonaten wieder um sieben Prozent zu sinken." Zum Jahresende seien die Notierungen dann wieder um acht Prozent angezogen.

Folgen die Aktienmärkte auch dieses Jahr dem Muster, könnten Anleger nach Abzug der Transaktionskosten Kursgewinne von sechs bis sieben Prozent einstreichen, wenn sie in den ersten Maitagen ihre Papiere verkaufen und im Oktober wieder an die Börsen zurückkehren.

Früher wurde die scheinbar irrationale Kursentwicklung damit erklärt, dass der Handel an den Börsen wegen des heißen Wetters im Sommer zurückgeht. Kleinere Verkaufsorders hätten dann genügt, um größere Rücksetzer auszulösen.

Heute, argumentieren Verfechter der Sell-in-May-Theorie, würden Hedge-Fonds im Mai große Aktienbestände verkaufen, um die Kurse zu drücken und anschließend zum Jahresende wieder mit Käufen Gewinne einzufahren.

Michael Beck, Leiter Portfolio Management bei der Privatbank Ellwanger & Geiger, hält wenig von diesen Theorien: "Die Börsenkurse werden von Nachrichten getrieben." 2011 und 2012 hätten jeweils Meldungen über eine Verschärfung der Eurokrise weltweit die Aktienkurse auf Talfahrt geschickt.

"Entgegen der Theorie begann die Börsenerholung 2012 nicht erst im Oktober, sondern bereits Ende Juli, als die Europäische Zentralbank (EZB) verkündete, uneingeschränkt den Euro zu stützen", sagt Beck.

Deshalb warnt der Experte davor, jetzt Papiere zu verkaufen, in der Hoffnung, die Aktien im Oktober wieder günstiger erstehen zu können: "Derzeit überwiegen die positiven Nachrichten für die Börse, was die Aktienkurse treiben dürfte."

Billigere Rohstoffe, mehr Gewinn

Die Regierungsbildung in Italien nehme die Angst vor einer neuen Verschärfung der Eurokrise. Zudem seien die jüngsten Konjunkturdaten positiv, sagt Beck. "In Deutschland ist das Vertrauen der Verbraucher gestiegen, in den USA kommt die Wirtschaft stetig weiter in Schwung."

Auch ING-Stratege van Tiggelen erwartet, dass sich "die Aktienmärkte diesen Sommer über gut entwickeln werden": Die sinkenden Rohstoffpreise würden den Unternehmen zu steigenden Gewinnen verhelfen.

Zudem seien die Zinsen für Staatsanleihen bonitätsstarker Nationen und beim Festgeld so niedrig, dass weiteres Kapital in Aktien fließen und deren Kurse treiben dürfte.

Alessandro Bee, Ökonom der Bank Sarasin, meint, dass die EZB bald ihre Hilfsmaßnahmen um ein Kreditprogramm für Unternehmen ausweiten werde, weil viele angeschlagene südeuropäische Banken kaum noch Darlehen geben können.

Unternehmen in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal könnten dann Kredite direkt bei der EZB aufnehmen - was deren Aktienkurse beflügeln dürfte.

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