Ärzte Zeitung online, 29.10.2013

Aktienmarkt

Sonnige Aussichten für Autobranche

Der europäische Automarkt ist in der Krise - dennoch sehen Analysten bei vielen Branchenpapieren erhebliches Kurspotenzial.

Von Richard Haimann

Für die Autobranche ist das möglich

Analysten-Freude am Fahren: Deutsche Premium-Neuwagen finden auch zu Krisenzeiten Käufer.

© Peter Atkins / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Glänzende Karossen und potente Motoren im Scheinwerferlicht - auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt präsentierte die Automobilbranche ihre neuesten Modelle wie eh und je als großen Event.

Doch das Interesse an der alle zwei Jahre stattfindenden Show ist abgeflacht. Nur 900.000 Besucher zählten die Veranstalter dieses Jahr - 28.000 weniger als 2011.

Es scheint paradox: Der Automobilmarkt in Europa liegt am Boden. Dennoch steigen die Aktienkurse etlicher Hersteller - und Analysten erwarten, dass der Trend weitergeht.

Rezession trübt Neuwagennachfrage

Angesichts von Rezession und hoher Arbeitslosigkeit in Teilen Europas steht nur wenigen Konsumenten der Sinn nach einem Neuwagen. Europaweit wurden im August nur noch 686.957 Fahrzeuge neu zugelassen.

Die niedrigste Zahl seit Beginn der Aufzeichnung. Sogar in Deutschland stottert der Motor heftig. Nur 214.000 Neufahrzeuge wurden im vergangenen Monat verkauft, 5,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

"Der europäische Automarkt befindet sich im roten Bereich", sagt Florent Couvreur, Branchenanalyst bei der Investmentgesellschaft CM-CIC in Paris.

An den Börsennotierungen vieler Hersteller lässt sich diese Entwicklung jedoch nicht ablesen. Während die Absatzzahlen in Europa in den vergangenen zwölf Monaten immer weiter fielen, stiegen die Kurse etlicher Branchenaktien deutlich.

Ist Volkswagen die neue Volksaktie?

Beispiel Volkswagen: Der weltgrößte Autohersteller verbuchte im August in Europa einen Absatzeinbruch von elf Prozent. Die Aktie ist jedoch seit September vergangenen Jahres 31 Prozent im Plus.

Und Analysten sehen weiteres Kurspotenzial. "Volkswagen dürfte 2013 einen operativen Gewinn nach Steuern und Zinsen von 13,4 Milliarden Euro erzielen", ist JP Morgan-Analyst Jose Asumendi überzeugt.

Auch Philip Watkins von der Citigroup rät zum Kauf der Aktie - und sieht die Aussichten für die Branche in Europa insgesamt positiv: "Der Markt wird sich bald stabilisieren."

Denn inzwischen seien viele Wagen in die Jahre gekommen und müssten ersetzt werden. Davon werde Volkswagen mit seinen neuen Modellen wie dem Golf 7 und dem neuen Leon der spanischen Tochter Seat besonders profitieren können, meint Watkins.

Auch die Experten der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) meinen, dass die Talsohle in Europa bald durchschritten ist. In den kommenden Jahren würden die Absatzzahlen wieder steigen, schreiben sie in ihrer jüngsten Studie.

2019 sollen danach wieder 16,8 Millionen Fahrzeuge auf dem Kontinent abgesetzt werden.

Premium-Boom in USA und China

Was die Analysten zudem für viele Autoaktien einnimmt: Zwar fallen die Absatzzahlen in Europa. In den USA und in China jedoch boomen die Märkte. Davon profitieren neben Volkswagen auch BMW und Daimler, die ihre Autos ebenfalls weltweit verkaufen.

Wobei BMW gegen den Trend zuletzt auch in Europa den Absatz steigern konnte. Das trieb den Aktienkurs allein seit Juli nochmals um 23 Prozent.

Barclays-Analystin Kristina Church sieht dennoch ein weiteres Kurspotenzial von 15 Prozent und stuft das Papier mit Übergewichten ein: "Die Münchner werden bei Umsatz und Marge noch deutlich zulegen."

Zu den Gewinnern zählt auch Fiat. Der italienische Hersteller hat zwar massive Absatzprobleme in Südeuropa.

Der US-Hersteller Chrysler, an dem Fiat 58,5 Prozent hält, verdient jedoch prächtig an der starken Nachfrage in den USA und verhalf den Italienern im zweiten Quartal zu einem Nettogewinn von 435 Millionen Euro - ein Plus von 82 Prozent gegenüber den 239 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Goldman Sachs-Analyst Stefan Burgstaller sieht den fairen Wert der Fiat-Aktie deshalb bei sieben Euro - 13 Prozent über dem gegenwärtigen Kurs.

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