Ärzte Zeitung online, 21.11.2013

Gehaltsvergleich

So viel verdienen Chefärzte

Über Geld redet man nicht? Die Beratungsfirma Kienbaum sieht das anders - und hat die Gehälter im Krankenhaus untersucht. Die Ergebnisse könnten den ein oder anderen Arzt erschrecken.

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Interessant: Beim Blick aufs Gehalt gerät mancher ins Staunen.

© Davorin Wagner

KÖLN. Für die Untersuchung "Ärzte, Führungskräfte und Spezialisten in Krankenhäusern 2013", hat die Managementberatung Kienbaum die Daten von 2904 Mitarbeitern aus 123 Häusern ausgewertet.

Danach erhalten Chefärzte durchschnittlich Jahresgesamtbezüge von 278.000 Euro, während die Klinikgeschäftsführer auf 182.000 Euro kommen. Zum Vergleich: Geschäftsführer in Wirtschaftsunternehmen verdienen laut Kienbaum im Schnitt stolze 372.000 Euro im Jahr.

Auch eine Ebene tiefer sind die Unterschiede nicht zu vernachlässigen. Während in der Wirtschaft Bereichsleiter auf der ersten Ebene unterhalb der Geschäftsführung im Durchschnitt Jahresbezüge von 155.000 Euro erhalten, sind es bei vergleichbaren Stellen in den Krankenhäusern 90.000 Euro.

Immer bedeutender werden der Erhebung zufolge zielbasierte Vergütungsanteile: 78 Prozent der Geschäftsführer werden demnach teilweise leistungsbezogen bezahlt. Dabei verschieben sich bei den Chefärzten die Gewichte.

Während vor 15 Jahren mit 92 Prozent noch die überwiegende Mehrheit ein Liquidationsrecht hatte, trifft dies bei Chefärzten mit Verträgen, die nicht älter als drei Jahre sind, nur noch auf ein Drittel (32 Prozent) zu.

Mehr Frauen in der Klinik

"Gleichzeitig hat sich die Verbreitung der Bonusvereinbarung seit 1995 von unter fünf Prozent auf fast 50 Prozent bei Neuverträgen erhöht", sagt Consultant Sylvia Löbach.

Chefärzte liegen bei der Höhe der variablen Vergütung an der Spitze. Sie kommen im Schnitt auf 130.000 Euro, während der leistungsorientierte Anteil bei Oberärzten 14.000 Euro im Jahr beträgt, bei Fachärzten 4000 Euro. Bei den Geschäftsführern beläuft sich der variable Teil der Vergütung auf 26.800 Euro.

Die Kliniken sollten nach Einschätzung von Löbach in diesem Bereich noch mehr tun. Schließlich gebe es einen Zusammenhang zwischen dem Personalmangel und der niedrigen Vergütung. "Krankenhäuser sollten künftig stärker auch auf variable Gehaltsanteile - an Zielvorgaben geknüpfte Boni - setzen, um Mitarbeiter zu binden".

Beim Frauenanteil in den Führungspositionen schneiden die Kliniken mit einem Anteil von 34 Prozent klar besser ab als Wirtschaftsunternehmen, die auf lediglich 13 Prozent kommen.

Nach wie vor sind Frauen in den Führungsetagen unterrepräsentiert: Von Chefärzten und Geschäftsführern sind gerade einmal je zehn Prozent weiblich. Im Schnitt verdienen Klinikärztinnen zehn Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. (iss)

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